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Golden Globe Awards Oprah Winfrey erteilt Hollywood eine Lehrstunde

Frauen nutzen ihre Reden bei den Golden Globe Awards, um im Nachgang von #metoo und #timesup auf Unterdrückung und sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen. Die Männer verpassen die Gelegenheit.

Oprah Winfrey bei den Golden Globe Awards in Beverly Hills
Oprah Winfrey erteilt Hollywood eine Lektion bei den Golden Globe Awards in Beverly Hills. Foto: rtr

Oprah Winfrey erhielt bei den Golden Globe Awards eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk. Ihre Dankesrede verwandelte sie in eine Geschichtsstunde für Hollywood. 

Sie war die einzige afroamerikanische Frau, die an diesem Abend eine Trophäe überreicht bekam und die erste, die überhaupt mit dem so genannten Cecil B. DeMille Award geehrt wurde. Winfrey erinnerte auch deshalb zuerst an Sidney Poitier, der 1964 als erster schwarzer Schauspieler einen Oscar erhalten hatte.

Direkt danach kam die 63-jährige Talkshowmoderatorin und Schauspielerin auf das vergangene Jahr zu sprechen. 2017 ging aus den Vorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein wegen zahlreicher sexueller Übergriffe eine Bewegung gegen sexuelle Gewalt hervor, die sich zunächst unter dem Hashtag #metoo bündelte und aus der die Initiative „Time’s up“ entstand. Sie sprach von „Hochachtung für all die Frauen, die sexuelle Gewalt ausgehalten haben, weil es galt, Rechnungen zu bezahlen, Kinder zu füttern und Träume zu verwirklichen“.

Neben Winfrey nutzte auch Nicole Kidman die Gelegenheit. Die australische Schauspielerin erhielt einen Preis für die beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehfilm und appellierte an alle, „die Diskussion am Leben zu halten“. Ähnlich formulierten es die ebenfalls geehrten Rachel Brosnahan, Elisabeth Moss  und Reese Witherspoon, die allesamt an den Mut der Frauen erinnerten, die in diesem Jahr ihr Schweigen gebrochen hatten.  Natalie Portman, die den Preis für „beste Regie“ präsentierte, erlaubte sich einen Seitenhieb aufgrund der Auswahl der Nominierten, die mal wieder nur Männer waren, und Barabara Streisand, die den Preis für „bester Film“ übergab, kritisierte, dass sie überhaupt die einzige Frau war, die jemals für „Beste Regie“ geehrt worden war.

James Franco und die anderen Männer bleiben still

Doch einige nutzten die Chance nicht: Buchstäblich alle Männer, die Preise erhalten hatten, umschifften das Thema und blieben diesbezüglich stumm. Das galt für die allesamt geehrten und deshalb mit Redeminuten ausgestatteten Schauspieler namens James Franco, Ewan McGregor, Guillermo del Toro, Gary Oldman und so weiter. Im besten Fall begnügten sich die Männer im Mittelpunkt des Abends damit, schwarz zu tragen, um damit ihre Unterstützung für die Initiative „Why we wear black“ auszudrücken, die ebenfalls auf soziale Ungleichheit aufmerksam machen will. Oder, indem sie sich einen Button mit dem Schriftzug  „Time’s Up“ anhefteten. Im Fall von Chris Hemsworth reichte es gerade mal dazu, darüber zu witzeln, dass aus politischen Gründen alle männlichen Kandidaten von der Liste der Nominierungen für beste weibliche Schauspielerin gestrichen wurden.

So blieb es den Frauen überlassen, eine Branche daran zu erinnern, dass sie in diesem Jahr nicht nur dafür gefeiert wurde, Geschichten zu erzählen, sondern „selbst zur Geschichte wurde“, wie es Oprah Winfrey in ihrer neunminütigen Geschichtsstunde über die Bedeutung des Kampfes für Gleichberechtigung formulierte. 

Standing Ovations erhielt sie, als sie der viel zu alten Kultur der Unterdrückung mit folgenden Worten ihr Ende voraussagte: „Viel zu lange wurden Frauen nicht gehört, ihnen wurde nicht geglaubt oder sie trauten sich nicht, die Wahrheit über die Macht dieser Männer zu sagen. Aber deren Zeiten sind vorüber. Sie sind vorüber.“ 

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