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„Germanys Next Topmodel“ Gegenwind für Heidi Klum

„Germanys Next Topmodel“ lockt wieder Millionen vor den Bildschirm. Nun haben Hamburger Schülerinnen ein Video ins Netz gestellt, in dem sie klar machen: Modelwahn? Nein danke. Und das haben sich auch schon ziemlich viele Leute angesehen

„Germanys Next Topmodel“
Selbstinszenierung? Heidi Klum mit Thomas Hayo (l.) und Michael Michalsky im Finale der 12. Staffel. Foto: dpa

Gleich 50 Kandidatinnen sind in dieser Woche zum Auftakt von „Germanys Next Topmodel“ (GNTM) an den Start gegangen, 49 von ihnen werden ihren großen Traum, zum neuen Supermodel auserkoren zu werden, in Kürze wieder begraben – mal wieder. GNTM erreicht erneut einen starken Marktanteil - dieses Mal 16,7 Prozent - und lockte 2,2 Millionen Zuschauer zum Sendestart der 13. Staffel vor den Bildschirm. Das Bashing der Sendung mag so überholt sein wie das Format selbst, beachtlich ist aber der aktuelle Gegenwind für Heidi Klum und ihre „Mädchen“ – denn der weht in diesem Jahr etwas böiger als sonst.

Pinkstinks“ produzierte mit Hamburger Schülern ein Musikvideo unter der Regie der Schauspielerin Lara-Maria Wichels. „Pinkstinks“ versteht sich als Kampagne, die gegen Produkte und Marketingstrategien vorgeht, bei denen Mädchen oder Jungen eine limitierende Geschlechterrolle zugewiesen wird. In dem Video präsentieren sich die elf- bis 15-jährigen Schülerinnen selbstbewusst und formulieren gemeinsam ihren klaren Standpunkt „I’m not Heidis girl“. Unter dem Hashtag #KeinBildfürHeidi ist das Video seit wenigen Tagen in sozialen Netzwerken unterwegs, sammelt eifrig Klicks und erntet Zuspruch auf Twitter.

Die Motivation der Schülerinnen ist klar: „Wir haben schon genug Stress mit der Schule, wer braucht denn noch Diät-, Schmink- und Modeterror?“ fragt die 15-jährige Aliya, die auf dem Video zu hören ist. „In Zeiten von #Metoo, Trump-Sexismus und Pay-Gap brauchen wir gegenseitigen Support, keine ,Zickenkriege‘, von denen nur Heidi Klum und Pro7 profitieren. Die sollen uns endlich eine Sendung geben, die uns stark macht“, fordert die 14-jährige Lynne. Ferner haben sich die Mädchen Slogans für Sticker ausgedacht, die bei „Pinkstinks“ kostenlos erhältlich sind. „Beautystress? Och nö“, „GNTM? ohne uns“ und weitere Sprüche sind darauf abgedruckt.

„Wir freuen uns, dass das Video so gut geteilt wird“, sagt „Pinkstinks“-Geschäftsführerin Stevie Meriel Schmiedel auf Nachfrage über die Reaktionen auf das Video. „Wir haben die Mädchen nicht gecastet“, versichert sie zudem – manch einer kritisierte offenbar, die Darstellerinnen in dem Clip seien zu schön. Mit einer Reaktion von Pro7 oder Heidi Klum rechnet Schmiedel hingegen erfahrungsgemäß eher nicht. Kampagnen gegen GNTM fährt „Pinkstinks“ wiederholt und seit mehreren Jahren.

Kritik ist keineswegs neu

Doch nicht nur die besagten Schülerinnen stellen Klums Casting-Konzept und die damit einhergehende klischeebehaftete Darstellung von Geschlechterrollen infrage. Aussagekräftig ist auch eine repräsentative Umfrage, die das Markt- und Meinungsforschungsinstitut „YouGov“ in dieser Woche veröffentlichte. Demnach halten nur 15 Prozent der 1058 befragten Personen das Format für authentisch, ihnen stehen 60 Prozent gegenüber, die es für überholt halten. 67 Prozent sind der Meinung, die Sendung vermittle ein falsches Bild vom Essverhalten junger Mädchen und sogar annähernd drei Viertel der Befragten sehen in der Show die Vermittlung eines falschen Schönheitsideals. Auch interessant: 61 Prozent denken, dass Modelmutti Heidi Klum die Sendung nutzt, um sich selbst zu inszenieren. Dass es den Machern tatsächlich darum gehe, neue Modeltalente auf den Weg zu bringen, glaubt hingegen weit weniger als die Hälfte der Befragten.

Dabei ist die Kritik an dem Format keineswegs neu – gerade auch im Hinblick auf das Essverhalten von Heidis Magermodels. Eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) bescheinigte schon 2015 bedenkliche Zahlen. Die Studie untersuchte die Rolle von Fernsehsendungen im Kontext von Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie aus der Sicht von Betroffenen. Zwei Drittel der Befragten gaben damals an, dass GNTM einen Einfluss auf ihre Erkrankung gehabt habe.

Dass die Sendung einen solch großen Einfluss - insbesondere auf jüngere Menschen - hat, erklärt Stevie Meriel Schmiedel damit, dass es „die einzige große, bekannte Fernsehsendung für die weibliche Altersgruppe“ sei. „Deswegen ist sie auch so in den Köpfen der Mädchen.“

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