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Gegen die AfD „Man gewöhnt sich an die Eskapaden der AfD“

Die Initiative „Gegen die Alternative für Deutschland“ schaut bei der AfD im Internet genau hin. Dort würden Falschmeldungen und rassistische Hetze unkontrolliert verbreitet, sagt die Gruppe im Interview mit der FR.

AfD
AfD-Rechtsaußen Björn Höcke soll unter dem Namen Landolf Ladig rechtsextreme schriften verfasst haben. Foto: dpa

Sie treten als Kollektiv auf, deswegen wollen Sie auch nicht namentlich angesprochen werden. Sie sind Betreiber einer Watch-Seite auf Facebook: Gegen die Alternative für Deutschland. Was beabsichtigen Sie mit der Seite?
Wir gehen davon aus, dass die Durchsetzung der kulturellen Hegemonie die Voraussetzung für eine Machtübernahme der Neuen Rechten ist. Entsprechend spielen die sozialen Netzwerke als Multiplikator eine Schlüsselrolle. Und gerade hier lassen sich Falschmeldungen, Propaganda und rassistische Hetze am besten und häufig unkontrolliert verbreiten.

Haben Sie ein Beispiel?
Jüngstes Beispiel ist der AfD-Aktivist Henryk Stöckel und seine Schilderung des Ablaufs einer AfD-Demo in Freiburg. Obwohl die Freiburger Polizei dieser Darstellung widerspricht, wird diese Erzählung weiter im Netz verbreitet, und genau das macht die sozialen Netzwerke für populistische Parteien und Gruppierungen so attraktiv. Wir versuchen ein Gegengewicht zu bilden, indem wir Falschmeldungen und politisch motivierte Hetze als solche kennzeichnen und richtigstellen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Beiträge aus?
Aktualität, Reichweite, nachvollziehbare Belege, seriöse Quellen und „Wer hat’s gesagt“ beispielsweise. Würden wir jede Äußerung seitens der AfD kommentieren und wiedergeben wollen, wären wir zum einen dauer-online. Zum anderen bestünde die Möglichkeit einer Desensibilisierung durch inflationäres Posten von Beiträgen.

Meinen Sie, die Leute stumpfen ab?
Klar, man gewöhnt sich an die täglichen Eskapaden der sogenannten Alternativen. Aber gerade das trägt auch zu einer Verschiebung der Grenzen des Sagbaren bei. Daher gehen wir nicht auf alles ein, sondern versuchen uns auf die Beiträge zu konzentrieren, die von bundesweiter Relevanz sind. Allerdings greifen wir auch Themen auf, die wir für wichtig erachten, die aber in den Medien weniger präsent sind, wie beispielsweise die Verbindung zwischen Landolf Ladig und Björn Höcke. 

Können Sie das konkretisieren?
Bereits seit 2015 vertritt – und zwar begründet – der Soziologe Andreas Kemper die These, dass Höcke unter dem Pseudonym Landolf Ladig bei der NPD NS-verherrlichende Schriften veröffentlich hat. Ein Anwaltsgutachten im Auftrag des AfD-Bundesvorstands bestätigte übrigens diese These. 

Birgt Ihre Arbeit nicht auch Konfliktpotential? Schließlich will man nicht als Multiplikator der AfD gelten. 
Ja, diese Gefahr sehen wir durchaus und wägen daher ab. Obwohl es auch nicht immer schlecht ist, als Multiplikator zu fungieren. In der Causa Gedeon beispielsweise haben wir dazu beigetragen, seine antisemitischen Äußerungen und den Umgang der AfD-Fraktion mit Antisemitismus einer breiten Öffentlichkeit publik zu machen. 

Kritisch wird es jedoch bei Aussagen der AfD über soziale Missstände, wenn also die Sozialneid-Karte gespielt und eher linke Themen gekapert und durchaus vorhandene Probleme thematisiert werden. Da findet die AfD Zustimmung, auch ohne eine Lösung anzubieten und ohne wirklich Ursachenforschung zu betreiben. Schuld ist immer die Zuwanderung. Aber es hat ja nichts mit Migrations- sondern mit der Sozialpolitik zu tun, wenn beispielsweise Rentner Flaschen sammeln. Um das zu beleuchten, bedarf es immer einer umfassenden Erklärung zu dem entsprechenden Post, doch erfahrungsgemäß werden bei Facebook eher Überschriften und Memes wahrgenommen, als längere, erklärende Texte. Das ist gefährlich.

Wie bewerten Sie das Problem mit der Filterblase?
Filterblasen gehören zu Facebook dazu, da bilden wir keine Ausnahme. Wir haben allerdings versucht, sie möglichst durchlässig zu gestalten und haben anfänglich sogar AfD-Funktionäre zu Diskussionen eingeladen. So lange sie nicht beleidigend sind, setzen wir uns auch mit AfD-Anhängern auseinander.

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