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G7-Gipfel Wenn Männerfreundschaften zerbrechen

Das Tischtuch zwischen US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident scheint zerschnitten. Via Twitter.

Emmanuel Macron und Justin Trudeau
Legen sich mit dem US-Präsidenten an: Emmanuel Macron und Justin Trudeau. Foto: afp

Es ist Gipfelzeit in Kanada. Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen treffen sich zur Runde der G7, diesmal in der Idylle Quebecs, der frankophonen Region Kanadas.

Dessen Premierminister Justin Trudeau stammt aus Quebec, seine Muttersprache ist Französisch und das ist bei weitem nicht das Einzige, das ihn mit Emmanuel Macron, dem Präsidenten Frankreichs, verbindet. Beide sind recht jung für das Amt des Regierungschefs, Macron mit 40 Jahren sogar sehr, aber auch Trudeau mit 46. Beide gelten als liberale Politiker, als begabte Redner und erfreuen sich national wie international großer Beliebtheit.

All das unterscheidet sie von Donald Trump (bis auf die Sache mit dem Regierungschef sein). Der 71 Jahre alte Trump kann mit Freihandel wenig anfangen, „liberal“ nutzt er als Schimpfwort wie andere „Schlappschwanz“, als begabten Redner bezeichnen ihn  wohl noch nicht mal seine treuesten Anhänger und von denen hat er sowieso nicht allzu viele, im In- noch etwas mehr als im Ausland, wo seine Beliebtheit sämtliche Skalen unterschreitet.

Verständlich also, dass die Drei nicht die allerbesten Freunde werden – obwohl gerade Trump und Macron sich in der Vergangenheit  noch als dicke Freunde inszeniert hatten. Man hielt Händchen und tauschte Küsschen aus. Macron galt als „Trump-Flüsterer“. Trump machte im Gegenzug anzügliche Bemerkungen über die Figur von Macrons Ehefrau Brigitte, was in der Welt des US-Präsidenten sicher als eine der größten Auszeichnungen gilt, die er einem anderem Mann entgegenbringen kann.

Doch all das ist Vergangenheit. Macron beendete die von US-Medien schon als „Bromance“ betitelte Männerfreundschaft, wie man das heutzutage macht. Per „Tweef“ eben, ein Streit, vornehmlich ausgetragen durch Twitter-Botschaften, etwas, mit dem sich Trump bekanntlich ganz gut auskennt. In seinem ganz persönlichen Kommunikationsmedium musste der US-Präsident erleben, wie Macron ihn ganz persönlich kritisierte.

Der twitterte ein Video seiner Pressekonferenz (auf Französisch) und übersetzte den wesentlichen Teil in einem folgenden Tweet auf Englisch, damit es auch jeder mitbekommt, nicht nur Trudeau. Wie zur Drohung in Richtung Trump kündigte Macron an, dass die verbleibenden sechs Gipfelteilnehmer kein Problem damit hätten, zu kooperieren. Auch ohne die USA, deren Präsident die internationale Isolation offenbar nicht kümmere.

Das konnte Trump natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Es dauerte also nicht lange, ein paar Minuten nur, und Trump twitterte zurück.

Seine Fangemeinde forderte er auf, den Regierungschefs aus Kanada und Frankreich doch bitte mitzuteilen, dass ihre Länder angefangen haben (mit den Zöllen) und sowieso das Handelsdefizit der USA gegenüber der EU immens wäre. Trotzdem freue er sich, die beiden zu treffen, obwohl die Washington Post berichtet, der US-Präsident würde den Gipfel als reine Zeitverschwendung betrachten und viel lieber direkt nach Singapur fliegen, um dort Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu treffen.

Mit dem hatte Trump ja auch Knatsch, doch seit sie sich überdimensional große Briefe schreiben, scheint die Männerfreundschaft wieder in Takt. Zumindest besser als die zu den frankophonen Frischlingen aus Frankreich und Kanada.

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