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Flüchtlinge aus Honduras Donald Trump twittert Fake News über Flüchtlinge

Knapp 2.000 Menschen befinden sich auf den Weg aus Honduras in die USA, um dort Asyl zu beantragen. Das verbreitet Panik bei den Republikanern und ihrem Präsidenten. Eine Glosse.

Guatemala
Der Treck Flüchtlinge aus Honduras. Knapp 2.000 Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben reichen aus, um Donald Trump und die Republikaner in Panik zu versetzen. Foto: afp

Ein Flüchtlingstreck aus Honduras befindet sich auf dem Weg nach Mexiko und schließlich in die USA. Die ca. 2.000 Menschen fliehen vor Korruption, Arbeitslosigkeit, Gewalt und Hunger aus einem der ärmsten Länder des südamerikanischen Kontinents. Sie hoffen auf Asyl in einem der reichsten der Länder der Welt.

Ihr Vorhaben versetzt nahezu jeden Kommentator bei Fox News und einige republikanische Politiker in schiere Panik. Einer davon, man glaubt es kaum, ist Donald Trump. Der US-Präsident attackierte allein am Donnerstag vier verschiedene süd- und mittelamerikanische Länder, die laut einem Tweet „geführt von der demokratischen Partei“ nichts gegen den „Ansturm“ auf die USA täten. Den Ländern Guatemala, Honduras und El Salvador drohte Trump damit, alle US-Hilfsfonds einzufrieren, wenn sie den Konvoi passieren lassen. In einem weiteren Tweet drohte er damit, Streitkräfte der US-Armee an die Grenze nach Mexiko zu schicken, wofür er zunächst das Kriegsrecht für die angrenzen Bundesstaaten ausrufen müsste.

Ein anderer Republikaner ist zwar nicht so bekannt wie Trump, im Angesicht der Hilfe suchenden Menschen aber ebenso alarmiert. Matt Gaetz, 36 Jahre alt, republikanischer Kongressabgeordneter des Bundesstaates Florida, und trotz seiner noch jungen Jahren schon sehr, sehr besorgt. Auch er wittert eine Verschwörung der Demokraten, wenn nicht sogar des internationalen Judentums.

George Soros oder die Demokraten sind schuld

Gaetz postete ein Video ohne Quellenangabe auf Twitter und behauptete, dort seien Frauen und Kinder in Honduras zu sehen, denen Geld gegeben werde, damit sie sich dem Konvoi anschließen. Zu sehen ist also eine Gruppe Frauen, durch deren Reihen zwei Männer schreiten, die jeder Frau einen Geldschein in die Hand zu drücken scheinen. Gaetz weiß zwar nicht genau, wer hinter der Aktion steckt, er hat aber eine Vermutungen: entweder eine Hilfsorganisation aus den USA oder George Soros. Der jüdische Investor ungarischer Herkunft dient Antisemiten weltweit als moderner Rotschild und Protagonist einer jüdischen Weltverschwörungstheorie. Mal soll er Rettungsschiffe finanzieren, um Europa mit Migranten aus Afrika zu überschwemmen, mal Demonstranten bezahlen, die gegen die Nominierung von Richter Brett Kavanaugh protestieren oder gleich der Architekt hinter nahezu jedem Staatscoup und jeder Revolution der letzten 25 Jahre sein.

Wer solchen Quatsch glaubt und weiterverbreitet? Na, Donald Trump natürlich. Er retweetete das von Gaetz gepostete Video und setzte noch einen oben drauf. Unvorstellbar sei es, dass die Demokraten es zulassen würden, was man der USA antun dürfe, schreibt Trump über das Video, als sei nicht er, sondern Hillary Clinton schon oder Barack Obama noch im Weißen Haus.

Es dauerte trotz Trump (oder wegen ihm?) nicht lange, bis ein Journalist, namentlich Luis Assardo aus Guatemala, sich der Sache annahm und feststellte, dass das Video nicht das zeigt, was Gaetz und Trump in den Bildern gerne sehen würden.

Zunächst fand Assardo heraus, dass das Video nicht in Honduras, sondern in Chiquimula, einer kleinen Stadt in Guatemala gefilmt wurde. Nachdem er den Ort ermittelt hatte, machte sich Assardo auf den Weg und traf mehrere Bewohner der Kleinstadt, die ihm mitteilten, das die Personen auf dem Video allesamt bereits Teil des Konvois waren. Assardo recherchierte weiter und fand heraus, dass das Geld von lokalen Händlern als gute Tat gesammelt und an die Gruppe gegeben wurde. Wahrscheinlich hätten sich auch ortsansässige Drogenkartelle den Spenden beteiligt, die sich mit derlei Almosen häufig die Zustimmung der Bevölkerung zu sichern suchten. Ganz sicher nicht beteiligt seien aber die demokratische Partei oder jüdische Investoren.

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