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Expertin zu Smartphone-Produktion „Der Preiskampf in der Branche ist hart“

Die Arbeitskosten machen nur einen geringen Teil des Smartphone-Preises aus, es wäre also für die Konzerne ein Leichtes, die Arbeiter besser zu bezahlen. Germanwatch-Expertin Heydenreich fordert außerdem umweltfreundlichere Produkte.

Cornelia Heydenreich, Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei Germanwatch. Foto: Germanwatch

Frau Heydenreich, kann man Tablet-Computer, Smartphones und Laptops guten Gewissens kaufen?

Es ist schwierig mit dem guten Gewissen – zumindest aus entwicklungs- und umweltpolitischer Sicht. Leider gibt es bislang weder ein faires noch ein wirklich umweltfreundliches Gerät. Es geht nicht nur um die Produktionsbedingungen. Es beginnt schon beim Rohstoffabbau der etwa 30 Metalle, die in Smartphones oder Laptops enthalten sind. Stichworte: Vertreibung, Kinderarbeit, Rohstoffe aus Konfliktgebieten, Umweltverschmutzung. Und nach der Nutzung werden die Geräte wieder zum Problem, vor allem wenn sie als Elektroschrott irgendwo in Afrika landen und nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

Um wieviel würde ein Gerät teurer, wenn die Arbeiter in China vernünftig bezahlt würden?

Zum neuen iPhone 5s gibt es Berechnungen, wonach die Arbeitskosten nur 1,2 Prozent des Kaufpreises betragen. Ein fairer Lohn für die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken in China würde das Gerät nur wenig verteuern. Insbesondere bei Apple sollte man aufgrund der enormen Gewinnspannen erwarten, dass gute Löhne auch ohne Preissteigerungen gezahlt werden. Insgesamt ist der Preiskampf in der Branche jedoch hart. Bei anderen Unternehmen ist der Anteil der Arbeitskosten eventuell höher.

Können Verbraucher die Hersteller beeinflussen, wenn sie faire Produkte wollen?

Ja. Wichtig ist, dass mehr Verbraucher sich beim Kauf nach Arbeitsbedingungen und Umweltauswirkungen erkundigen. Die Hersteller ziehen sich bisher auf das Argument zurück, die Kunden fragten ja nur nach dem billigsten oder neuesten Produkt. Das macht es den Nachhaltigkeitsverantwortlichen in den Firmen schwer, ihre Themen voranzutreiben. Wichtig sind auch Initiativen wie das „Fair-Phone“ aus den Niederlanden oder die Computermaus von „NagerIT“ – auch wenn auch diese Produkte noch nicht vollständig fair sind.

Wie ließe sich die Umweltfreundlichkeit der Produkte verbessern, die oft schon nach kurzer Zeit ausgetauscht werden?

Es brächte am meisten, wenn die Produkte länger genutzt würden, da der Rohstoffabbau und die Produktion sehr energieintensiv sind. Selbst wenn ein Gerät ins hochwertige Recycling geht, können längst nicht alle wertvollen Rohstoffe zurückgewonnen werden. Um längere Nutzungszeiten zu ermöglichen, sollten die Geräte haltbar und reparaturfreundlich gebaut sein – und mit auswechselbarem Akku.

Interview: Joachim Wille

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