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Emoticons Wenn der Chef meckert

Studie zu Textnachrichten unter Arbeitskollegen: Emoticons können negative Assoziationen abschwächen.

Beleidigung des Chefs mit Emoticons
Wer im Gegenzug Vorgesetzte mit Emoticons beleidigt, dem drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Foto: dpa

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef kritisiert Sie in einer E-Mail – jedoch versehen mit einem aufmunternden Emoticon wie :-). Wie würden Sie reagieren? Solche Fragen haben Claus-Peter Ernst, Professor für Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt University of Applied Sciences, und Martin Huschens, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Mainz, in einer Studie untersucht. 

E-Mails ersetzen im Berufsleben zunehmend die direkte, unmittelbare Kommunikation. An die Stelle von Gesten und Mimik von Gesprächspartnern treten in Textnachrichten häufig Emoticons, die Freude :-), Kummer :-( oder Ironie ;-) symbolisieren sollen. Wissenschaftlich untersucht wurde die Wirkung dieser Zeichenfolge in der Studie „The Effects of Different Emoticons on the Perception of Emails in the Workplace“, die im Januar auf der Hawaii International Conference on System Sciences, einer internationalen Wirtschaftsinformatik-Konferenz vorgestellt wurde.

Keinesweg unprofessionell

Bei der realitätsnahen Vignettenstudie hatten insgesamt 231 Teilnehmer die Aufgabe, sich in die Situation eines Praktikanten hineinzuversetzen, der vom Vorgesetzten in einer an ihn gesendeten E-Mail kritisiert wird. Während jeder Vierte Textnachrichten ohne Symbole erhielt, erhielt die anderen Nachrichten mit Emoticons wie :-), :-( oder ;-). Anschließend ermittelten die Forscher die persönliche Wahrnehmung und das inhaltliche Verständnis der Betroffenen. 

Das Ergebnis: „Positive oder ironische Emoticons haben keine Auswirkung auf den eigentlichen Nachrichteninhalt und den Appell der Nachricht“, betont Studienautor Ernst. Das Ziel der Kritik in beruflichen E-Mails, also die Verbesserung der Arbeitsleistung, werde demnach nicht tangiert. 
Dennoch könnten positive Emoticons in kritischen E-Mails negative Assoziationen auf der persönlichen Ebene abschwächen: Das betrifft die Interpretation des Empfängers, was der Absender etwa an Emotionen in der E-Mail von sich offenbart; aber auch die Wahrnehmung, wie die Einstellung des Gegenübers zu einem selbst empfunden wird, verändert sich.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass positive oder ironische Emoticons bewirken, „dass Empfänger die geäußerte Kritik weniger persönlich nehmen“, sagt Ernst. Zudem konnte in diesem Zusammenhang nachgewiesen werden, dass Emoticons im beruflichen Kontext entgegen der verbreiteten Meinung keineswegs unprofessionell wirken: „Positive und ironische Emoticons sorgen für eine professionellere Kommunikation, da geäußerte Kritik weniger persönlich aufgefasst wird“, so Ernst. 

Kaum Effekte auf den Empfänger haben dagegen negative Symbole: „Traurige Emoticons spielen in kritischen E-Mails im beruflichen Kontext auf keiner Kommunikationsebene eine Rolle.“ Ernst erklärt dies dadurch, „dass E-Mails mit Kritik für sich genommen bereits schlimm genug für die Empfangenden sind“.

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