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Digitale Medien Machen Smartphones krank?

Eine Studie stellt einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen bei Kindern her.

Kind mit Smartphone
Grundschüler, die das Handy oft nutzen, haben Konzentrationsprobleme. Foto: dpa

Den meisten dämmerte es wahrscheinlich schon länger: Die Nutzung digitaler Medien kann dramatische Auswirkungen auf die Fähigkeiten und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben. Experten gehen mittlerweile von etwa 600 000 internetabhängigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Über die Auswirkungen eines übermäßigen Medienkonsums auf Kinder war bisher aber nur wenig bekannt.

Eine am Montag vorgestellte Studie ändert das. Sie lässt nun den Schluss zu, dass der Konsum digitaler Medien via Smartphone und Co. Kinder tatsächlich krank machen kann. Denn: Die Studie stellt einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen der Kinder fest. In den Augen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), ist das ein Novum: „Die Studie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos allein gelassen werden.“

Der vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie zufolge nutzen 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich. Einer der Studienleiter, Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, wies zudem darauf hin, dass 90 Prozent der Kinder digitale Medien unkontrolliert, also ohne Begleitung von Erwachsenen nutzen würden. Dass es zwischen diesem unkontrollierten Konsum und Entwicklungsstörungen der Kinder einen Zusammenhang gibt, sieht er nun als erwiesen an.

Demnach berge der übermäßige Medienkonsum für Kinder deutliche Gesundheitsrisiken. Diese würden von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter reichen. Die Ergebnisse nach Altersgruppen:

Kinder im Alter zwischen einem Monat und einem Jahr:
Die Ärzte stellten fest, dass Babys Fütter- und Einschlafstörungen erleiden können, wenn die Mutter parallel zum Stillen digitale Medien nutzt. Zudem können Bindungsstörungen zwischen Kind und Mutter entstehen.

Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren:
Knapp 70 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe können sich nur weniger als zwei Stunden selbständig ohne Smartphone oder Tablet beschäftigen. Wenn das Kind zu oft vor dem Smartphone oder Tablet sitzt, kann es Konzentrationsstörungen erleiden, bei täglicher Nutzung können Sprachentwicklungsstörungen auftreten. Motorische Hyperaktivität kann auch eine Folge übermäßigen digitalen Konsums sein. So stellten die Ärzte fest, dass motorische Hyperaktivität bei Zwei- bis Fünfjährigen mit einer Smartphone-Nutzung von mehr als einer halben Stunde pro Tag 3,5 mal häufiger auftritt als bei Kindern, die weniger oder gar keine Zeit vor dem Smartphone verbringen. Sie folgern daraus, dass sich der unkontrollierte Medienkonsum in Unruhe und Ablenkbarkeit äußern kann.

Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren:
In dieser Altersgruppe haben die Ärzte festgestellt, dass das Risiko, an einer Konzentrationsstörung zu erleiden sechs Mal höher ist, wenn das Kind täglich digitale Medien nutzt. Besonders stark wirkt sich demnach eine Nutzungszeit von mehr als 60 Minuten aus. In dieser Altersgruppe kommt ein weiteres Gesundheitsrisiko hinzu: Die Kinder essen, wenn sie vor dem Bildschirm sitzen überdurchschnittlich häufig Süßigkeiten, was zur Folge hat, dass Kinder mit einer übermäßigen Mediennutzung überdurchschnittlich häufig auch übergewichtig sind.

Für Mortler ist nach der Vorstellung dieser Ergebnisse klar: „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen.“ Eltern bräuchten mehr Beratung und Orientierung. Riedel sagte: „Der richtige Umgang mit den digitalen Medien muss frühzeitig kontrolliert geübt werden.“ So müssten auch Lehrer besonders geschult sein, wenn Tablets in der Schule zum Einsatz kämen.

Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, ebenfalls einer der Studienleiter, sagte, Kinder sollten vor dem 12. Geburtstag kein Smartphone bekommen. Ähnlich wie im Straßenverkehr brauche es für die Mediennutzung klare Regeln. Vor dem Kauf eines Handys für Minderjährige sollten Eltern mit ihren Kindern einen Vertrag über Grenzen der Nutzung abschließen. Ob dieser eingehalten wird, müssten die Eltern dann auch kontrollieren. Wichtig sei, dass Kinder nicht unbeaufsichtigt im Internet surften und dass es eine automatische Abschaltfunktion nach einer bestimmten Dauer gebe.

Auch sei es ratsam, wenn Eltern bei Klassenchats per Smartphone mitlesen würden. Das könne die Minderjährigen vor Mobbing schützen. Gut seien handyfreie Zonen etwa am familiären Esstisch. Neben der Nutzung digitaler Medien sollten Freiräume zum Klettern, Malen oder Schwimmen bestehen. „Kicken statt Klicken“ könne das Motto lauten.

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