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Deutscher Webvideopreis Ballernde Brote

Wenn ein Ciabatta zur Pumpgun wird, ein Besuch im japanischen Restaurant in einer wüsten Schlägerei endet oder zwei kleine Jungs ihren Tischdeckentrick zeigen, kann es nur um eines gehen: um die hohe Kunst des Webvideos. Welche Geschichte preiswürdig ist, entscheidet auch das Publikum im Netz.

Kampf mit allem, was der Backstand hergibt: "Bakery Warfare" von Jotes Creations ist für den Webvideopreis nominiert. Foto: youtube

Was haben ein falscher Bollywood-Star, ein Liebeslied an ein Toastbrot und die Redaktion des Österreichischen Rundfunks gemeinsam? Sie sind für den Deutschen Webvideopreis nominiert. Besser gesagt: die dazugehörigen Filme. Am 31. März werden die Preise verliehen. Nominiert sind sowohl Amateure, die mit ihren Werken auf Internetplattformen wie Youtube ihr Publikum suchen, als auch professionelle Filmemacher und Künstler. Es ist erst das zweite Mal nach 2011, dass die Auszeichnung vergeben wird.

Wer die Preise bekommt, entscheidet nicht nur eine prominent besetzte Jury, zu der neben Autor Mario Sixtus ("Elektrischer Reporter") unter anderem auch Moderatorin Katrin Bauernfeind, der Macher von "Fernsehkritik-TV, Holger Kreymeier, die Grimme-Preisträgerin Milena Bonse vom ZDF und "Game-One"-Moderator Daniel Budiman gehören. Auch das Publikum darf online abstimmen.

Gleich zweimal zur Abstimmung steht zum Beispiel der Film "Wushu Maki" von Vi-Dan Tran. Dessen Anleihe an asiatische Actionfilme ist nicht nur irre komisch, sondern auch gut gemacht - weshalb eines Nominierung in der Kategorie "Laughing out Loud" und in der Königsdisziplin "Bestes Video" gab.

Aus genau 6752 Einsendungen haben die Organisatoren nach eigenen Angaben 24 Clips nominiert, verteilt auf neun Kategorien. Die spiegeln ziemlich genau das wider, was sich im Netz so findet: Lustiges und Überraschendes, Gebrauchsanweisungen und Meinungsbeiträge, Dokumentationen und Bilder aus der Spielewelt. Und natürlich große Kunst.

"Wie wollten zeigen, dass Webvideos mehr sind als Schnappschüsse von kleinen Kindern, die von Hockern fallen - und 20 Millionen Menschen lachen drüber", sagt Markus Hündgen. Der Journalist und Mediendozent hat den deutschen Webvideopreis vor einem Jahr mit ins Leben gerufen, "weil es eine unabhängige Auszeichnung bis dahin einfach nicht gab".

Ein Beispiel dafür, wie gekonnt Kamera, Schnitt und Musik zusammenspielen können, liefern etwa Anne Lucht und Lorenz Rhode mit "Telephone Helicopter Applause Gunshot", in dem Pixelmonster zu elektronischer Musik Düsseldorf unsicher machen.

Der Preis solle den Machern solcher Filme öffentliche Aufmerksamkeit, auch in klassischen Medien, bringen, sagt Hündgen. Und der Tatsache Rechnung tragen, dass der stetig wachsende Markt der Internetclips für immer mehr Menschen eine echte Alternative zum Fernsehen geworden sei.

Für den Webvideo Nachwuchs gibt es die eigene Kategorie "Newbie". Hierein fällt der filmische Beweis der beiden zwölfjährigen Lochmann-Brüder, dass auch ein Liebeslied an ein Toastbrot Herzen anrühren kann - wenn es nur überzeugend genug vorgetragen ist. ("Du wurdest verkohlt wie alle anderen, schluchz".)

Einige Beiträge überschreiten die klassische Cliplänge deutlich, wie der 35-minütige Dokumentarfilm "Mad world" von Pete Schilling über Reality-TV. Andere zeigen mustergültig, wie viel Witz in einer Sequenz von wenigen Sekunden stecken kann, wenn nur die Idee gut ist. Bestes Beispiel dafür: "My head is a giant Accordion" von Marius Kroh.

So groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Beiträgen auch sind, galten jedoch für alle die selben festen Regeln für die Teilnahme beim Wettbewerb. Sie mussten unter anderem extra für das Internet produziert worden sein, durften nicht älter als ein Jahr alt sein und primär deutschsprachig. Die Inhalte mussten jugendfrei sein.

Der typische Youtube-Lacher findet sich übrigens doch unter den Nominierten: "Der Tischdeckentrick", vorgeführt von Michel und Sven und Kandidat für das Video mit dem größten Überraschungsfaktor in der Kategorie "Oh my God".

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