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Datenschutz im Internet Skandale verunsichern Surfer

Eine Untersuchung zeigt, dass die Bürger zunehmend skeptisch sind, was ihre Sicherheit im Internet betrifft.

Generation Online
Im Netz zu Hause: Trotzdem vernachlässigen auch Jugendliche potenzielle Gefahren. Foto: imago

Egal ob es um Onlinebanking, Datingportale oder das Kommunizieren per E-Mail geht: Die Verbraucher fühlen sich im digitalen Raum zunehmend unsicher. Das zeigt der Sicherheitsindex 2018 des Vereins Deutschland sicher im Netz. Die Verunsicherung im Netz nehme zu, obwohl die Nutzer selbst nicht mehr Sicherheitsvorfälle, etwa Viren auf ihrem Computer, bemerkt hätten, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Thomas Kremer, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Berlin. Die Verbraucher seien im Umgang mit dem Internet so fit wie nie. „Trotzdem sollten wir uns Sorgen machen“, sagte Kremer und forderte unter anderem ein Umdenken bei der Aufklärung der Bürger.

Bereits zum fünften Mal hat der Verein den Sicherheitsindex gemeinsam mit dem Bundesjustizministerium veröffentlicht. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar TNS hat dafür im Januar und Februar rund 2000 Verbraucher befragt. Mit dem Index wird das digitale Sicherheitsempfinden der Bürger ermittelt, die Skala reicht von 0 (schlecht) bis 100 (gut) Punkte. Für die Punktzahl werden die von den Bürgern bemerkten Sicherheitsvorfälle und ihr Gefährdungsgefühl ins Verhältnis gesetzt zu ihrem Sicherheitswissen und ihrem Verhalten.

Der aktuellen Erhebung zufolge hat sich die Sicherheitslage leicht verschlechtert: von 61,1 auf 60,9 Punkte. „Und das, obwohl die Zahl der festgestellten Sicherheitsvorfälle nicht gestiegen ist und die Verbraucher so gut informiert sind wie noch nie“, so Vereinsvorsitzender Kremer. Grund für die verschlechterte Lage sei die zunehmende Verunsicherung der Verbraucher im Umgang mit digitalen Medien. Vor allem das Öffnen von E-Mail-Anhängen, der Austausch vertrauter Inhalte oder das Nutzen von Onlinebanking und Dating-Anwendungen bereitet den Nutzern Sorgen.

Warum sich die Menschen dabei so unwohl fühlen, ist nicht ganz klar. „Das verschlechterte Sicherheitsgefühl kann man nicht mit konkreten Gründen oder Vorfällen erklären“, sagte Tobias Weber von Kantar TNS. Vielmehr rücke die Tatsache, dass Datenskandale und die Sicherheit im Netz permanentes Medienthema seien, die Bedrohungen in den Fokus der Verbraucher.

Auffällig ist zudem eine wachsende Kluft zwischen den unterschiedlichen Gruppen von Internetnutzern. Der Index unterscheidet fünf verschiedene Nutzertypen, deren Sicherheitslage je nach Wissen und Verhalten variiert. Die beste Punktzahl erreichen mit Werten zwischen 68,5 und 71,7 Punkten die souveränen Nutzer – also die Verbraucher, die sehr vorsichtig sind oder sich besonders intensiv mit digitalen Aspekten auseinandersetzen. Mehr als die Hälfte der Verbraucher erreicht deutlich weniger Punkte. Dazu gehören die Nutzer, die besonders gutgläubig sind (57,6 Punkte) oder sich nicht um ihre Sicherheit kümmern (50,8).

Angesichts dieser Diskrepanz zwischen den Nutzern sieht Vereinschef Kremer besonderen Handlungsbedarf. „Keine Gruppe der Gesellschaft darf verloren gehen, wenn es um Digitalisierung geht“, sagte er. Um digitale Kompetenzen zu vermitteln, brauche man das Engagement aller Akteure wie politischer Institutionen, Unternehmen oder Vereinen. Zudem müsse man die Aufklärung der Verbraucher neu definieren: Es dürfe nicht mehr nur um Wissensvermittlung gehen, sondern vor allem darum, die Menschen handlungsfähig zu machen.

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