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Daten-Skandal Facebook weicht weiterhin aus

Der Politik-Verantwortliche bleibt im Bundestag vage - die Gesichtserkennung jedoch kommt.

Facebook Gesichtserkennung
Facebook will neue Datenschutzoptionen einführen – unter anderem auch wieder die Möglichkeit zur Gesichtserkennung. Foto: Imago

Noch ein Versuch, Facebook zur Rede zu stellen, bleibt ohne Ergebnis. Im Bundestag sollte Joel Kaplan, Politik-Verantwortlicher von Facebook, am Freitag in nicht-öffentlicher Sitzung dem Rechts- sowie dem Digitalausschusses Rede und Antwort stehen. Doch: „Viele Fragen wurden gar nicht beantwortet, auf andere gab es absurde Erwiderungen“, sagte Anke Domscheit-Berg, Obfrau der Linken für die Digitale Agenda, der FR. So sei Kaplan zum Beispiel der Meinung, dass das größte soziale Netzwerk der Welt kein Monopol innehabe. „Das ist lächerlich.“

Auch Vertreter aller anderen Parteien bezeichneten den Auftritt im Anschluss als enttäuschend. Welche Apps hatten noch Zugriff auf so riesige Datenmengen wie jene, deren Ergebnisse Cambridge Analytica zur Wahlwerbung missbrauchte? Wie viele deutsche Nutzer könnten davon noch betroffen sein? All das bliebe weiterhin unklar. Kaplan habe lediglich angekündigt, dass Facebook nun jede App prüfe. „Wie lange die Überprüfung dauern wird, blieb unklar“, so Domscheit-Berg.

Eine vage Vorstellung gibt aber eine Aussage von Mark Zuckerberg aus den Anhörungen vor US-Senat und -Kongress: Es könne viele Monate dauern, die Abertausenden Apps zu überprüfen, sagte der Facebook-CEO da. „Jahre?“, fragte eine Senatorin. „Ich hoffe nicht“, antwortete Zuckerberg. Sicherheit klingt anders.

Während sich die Politiker mit Facebooks Ausweich-Strategien herumschlugen, hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar am Freitag im Kleinen Fakten geschaffen: Seine Behörde gab bekannt, nun wegen des Verdachts des Datenmissbrauchs ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Facebook eingeleitet zu haben. Caspars Bemühen wird Zuckerberg aber vermutlich nicht mehr als ein müdes Lächeln abringen können. Maximal 300 000 Euro Bußgeld drohen ihm. Allein 2017 erzielte Facebook einen Umsatz von 40,65 Milliarden und einen Gewinn von knapp 16 Milliarden US-Dollar.

Wie wenig Zuckerberg Proteste außerhalb der USA berühren, zeigt auch die erneute Einführung der Gesichtserkennung auf der Plattform. 2012 war sie nach heftigem Widerstand in Europa abgeschaltet worden. Jetzt nutzt Facebook ausgerechnet die Einführung der EU-Datenschutzgrundverordnung, um sie wieder anzubieten. Bei den zahlreichen neuen Zustimmungen, die das Unternehmen in diesen Tagen zu Nutzungsrechten und Datenschutz einholt, können sich Nutzer jetzt auch dazu entscheiden, die Gesichtserkennung zu aktivieren.

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