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Cyberkriminalität Hacker-Angriff auf Energieversorger

Deutschland steht immer öfter im Fokus von Hackern. Jüngst sorgten digitale Angriffe auf Stromnetz-Betreiber für große Sorgen.

Atomkraftwerk
Im schlimmsten Fall könnten Hacker die Kontrolle über deutsche Atomkraftwerke übernehmen. Foto: rtr

Hacker stellen Deutschland den Strom ab: Eine Horrorvision rückt näher. Hiesige Energieversorger sind das Ziel einer großangelegten weltweiten Cyberattacke. Nach Angaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist es den Angreifern bereits gelungen, „Zugriff auf Büronetzwerke der Unternehmen“ zu bekommen. Die Behörde arbeitet nach eigenen Angaben „an einer Vielzahl von Verdachtsfällen“. Details nennt das BSI nicht.

Für Arne Schönbohm, Präsident der Behörde, ist klar, dass Deutschland „mehr denn je im Fokus von Cyber-Angriffen“ stehe. Diese Entwicklung offenbare, „dass es womöglich nur eine Frage der Zeit ist, bis kritische Systeme erfolgreich angegriffen werden können“. Was dann passieren kann, will sich niemand so genau ausmalen. Die Versorgungssysteme für Strom sind für die modernen Gesellschaften das Nerven- und Herz-Kreislaufsystem in einem. Schon ein großflächiger Ausfall von nur wenigen Stunden kann gigantische Schäden verursachen. Katastrophenschutz-Experten befürchten bürgerkriegsähnliche Zustände, wenn Blackouts mehrere Tage dauern.

Die Crux beim Elektrizitätssystem: Netze und Erzeugungsanlagen sind alle miteinander verknüpft. Ein Hacker-Angriff an einer neuralgischen Stelle kann deshalb genügen, um eine gigantische Kettenreaktion auszulösen. Als schwerwiegendste Bedrohung werden Attacken auf Atomkraftwerke angesehen: Übernehmen Bösgesinnte die Kontrolle, könnten sie im schlimmsten Fall einen GAU mit einer Kernschmelze herbeiführen.

So weit sind wir noch lange nicht. Die Büronetzwerke der Energieunternehmen unterliegen ganz anderen Sicherheitsstandards als die Steuerung der Kraftwerke und der Stromnetze. Die Sicherheitsvorkehrungen für diese „kritischen Infrastrukturen“ sind höchst ausgefeilt und streng geheim. Bekannt ist, dass die Anlagen weder mit dem Internet noch mit dem Intranet der Versorger verbunden sind.

Doch vor einigen Jahren gelang es Hackern, die Zentrifugen von iranischen Atomkraftwerken lahmzulegen. Die Viren wurden über infizierte USB-Sticks auf Rechner übertragen – hinter dieser Attacke wurde der israelische Geheimdienst vermutet.

Im aktuellen Fall macht das BSI keine Angaben über die Identität der Angreifer. Es kursiert, wie bei solchen Fällen üblich, die Vermutung, dass russische Geheimdienste dahinter stecken könnten. Schönbohm betont nur, dass sich die „Bedrohungslage in den vergangenen Monaten deutlich zugespitzt“ habe.

In jedem Fall erinnert das alles an Attacken von vor etwa einem Jahr. Damals griffen Hacker auch US-Atomkraftwerke an. Die amerikanische Bundespolizei FBI rief die zweithöchste Warnstufe aus, da es sich um einen gut ausgestatteten und gut organisierten Angreifer gehandelt haben soll. Solche Formulierungen sind in der Regel die Chiffre für ausländische Geheimdienste.

Seinerzeit wurden unter anderem an AKW-Beschäftigte E-Mails mit Stellenausschreibungen geschickt. In einem angehängten Word-Dokument war die Schadsoftware versteckt. Darüber erhielten die Hacker Zugang zum Rechner des Betroffenen. Sie konnten sich dann im Intranet des Energieunternehmens ausbreiten.

Der Hightech-Verband Bitkom fordert, die Absicherungen bei kritischen Infrastrukturen massiv zu erweitern. Es müssten widerstandsfähige Systeme aufgebaut werden, die Angriffe automatisch und schnell erkennen und abwehren, um gefährliche Kettenreaktionen zu vermeiden. Durch eine permanente Überwachung von Kommunikationsnetzen in Echtzeit sei das möglich.

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