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#CornerstoneCaroline Sexuell belästigt von einem Neunjährigen?

Ein Video zeigt eine weiße Frau, die in New York die Polizei ruft und behauptet, von einem neun Jahre alten schwarzen Jungen sexuell belästigt worden zu sein.

Flatbush, Brooklyn, New York
Das Stadtviertel Flatbush in New York gilt als multikultureller Hotspot, der eine schwarze Community mit einer jüdisch-orthodoxem Straßenzügen verbindet (Symbolbild). Foto: imago

In den USA erhitzt ein Video die ohnehin schon aufgewärmten Gemüter. Zu sehen ist eine weiße Frau, die mit ihrem Handy die Polizei ruft, der gegenüber sie behauptet, von einem neun Jahre alten schwarzen Jungen sexuell belästigt worden zu sein.

Das Ganze ereignete sich vor einem Gemüseladen im New Yorker Stadtviertel Flatbush, gelegen mitten in Brooklyn. Der neunjährige Jeremiah Harvey verließ mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester gerade den Laden, als seine Büchertasche Teresa Klein am Rücken streifte. Die 52 Jahre alte Frau rief daraufhin die Polizei. Auf dem Video deutlich zu verstehen, äußert sie gegenüber der Notrufstelle den Vorwurf, der Junge habe sie sexuell belästigt: „Der Junge hat meinen Hintern gegrabscht und seine Mutter schreit mich an“. Während ihres Anrufs sind der Junge ebenso wie seine kleine Schwester offenbar stark verängstigt, beide weinen lauthals.

Obwohl mehrere Leute auf sie einreden, ist die Frau von ihrem Vorhaben nicht abzubringen. Sie beschließt ihren mutmaßlichen Anruf mit dem Satz „Goodbye 911-Operator!“ („Auf Wiedersehen 911-Telefonist!“). Die Polizei selbst taucht nicht am Schauplatz auf. Die Frau gibt der Person, die den ganzen Vorfall mit der Kamera ihres Handys aufgenommen hatte, noch den einschlägigen Hinweis: „Veröffentliche das doch auf World Star!“ World Star ist ein youtube-ähnlicher US-Videoblog, auf dem hauptsächlich Videos aus dem Bereich des Hip Hop hochgeladen werden – ein Kulturgenre, das vor allem mit schwarzen Protagonisten assoziiert wird.

Teresa Klein, die von dem filmenden Passanten den Spitznamen „Cornerstone Caroline“ verpasst bekommen hatte, ist die letzte in einer ganzen Reihe von weißen Frauen, die sich im laufenden Jahr einen Spitznamen – inklusive Hashtag –  verdient haben, weil sie sich in unterschiedlichen Situationen von schwarzen Mitbürgerinnen oder -bürgern (oder in dem Fall Kindern) gestört gefühlt hatten, daraufhin die Polizei riefen, dummerweise dabei aber gefilmt wurden. Beispiele sind: „Barbecue Becky“, die sich von einer Gruppe Schwarzer bedroht fühlte, weil die in einer Grünanlage in Oakland Park (Florida) gegrillt hatten. Oder „Permit Patty“, die die Polizei rief, weil ein Junge Wasser auf einem Bürgersteig in San Francisco (Kalifornien) verkaufte. Oder „Pool Patrol Paula“, die einen schwarzen Teenager ohrfeigte und anschließend der Anlage verwies, weil der Junge es gewagt hatte, in einem öffentlichen Swimming Pool zu schwimmen.

Ein paar Tage nach den Ereignissen kehrte Teresa Klein laut dem US-Nachrichtensender CNN zurück an den Ort des Geschehens und ließ sich dort Videoaufnahmen einer Überwachungskamera vorspielen, auf denen deutlich zu sehen war, dass die Büchertasche des Jungen sie am Hintern berührt hatte und nicht etwa seine Hand.  Sie entschuldigte sich daraufhin öffentlich bei dem Jungen , verteidigte aber ihre Entscheidung, die Polizei zu rufen. Sie habe sich immerhin bedroht gefühlt.

Bis dahin dürfte der Junge seine Lektion aber gelernt haben, die ihn wohl für den Rest seines Lebens begleiten wird: Halte Dich von den Weißen fern, sie werden die Polizei rufen, wenn Du sie aus Versehen mal berührst.

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