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Cloud Computing Digitales Misstrauen

Die wachsende Bedrohung im Netz treibt Firmen und Experten immer stärker um.

Eine rote Ampel
Eines von vielen möglichen Szenarien für Hackerangriffe: alle Ampeln stehen in einer Stadt dauerhaft auf Rot. Foto: imago

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Tausende von Autos geben plötzlich gleichzeitig Vollgas. In einer Stadt werden alle Ampeln dauerhaft auf Rot gestellt. Oder das Stromnetz wird zum Kollaps gebracht. Die vielfältigen Szenarien für Hackerangriffe existieren nicht nur in der Theorie. Der Angriff auf das deutsche Regierungsnetz, Wanna Cry, Petya und andere Schadsoftware zeigen, dass die digitale Kriminalität um sich greift. Das ist die Schattenseite der elektronischen Vernetzung.

Die Sicherheit entwickelt sich immer mehr zu einem zentralen Thema in der Hightechwelt, weil sie mittlerweile den Einsatz neuer Technologien stark beeinflusst. Ein Beispiel dafür lieferte der Digitalverband Bitkom am Dienstag mit seinem aktuellen Cloud-Monitor, der in Hannover auf der Messe Cebit vorgestellt wurde. Knapp zwei Drittel von 557 befragten Firmen lagern demnach Daten und Programme in externe Rechenzentren aus. Das sind kaum mehr als im Vorjahr. Der Grund für die Stagnation ist eine konstant starke Gruppe von Verweigerern, die Angst vor unberechtigten Zugriffen auf sensible Unternehmensdaten haben.

Für das Misstrauen gibt es manifeste Gründe. Mit Cloud-Computing werden Daten für die Mitarbeiter zu jederzeit an jedem Ort verfügbar gemacht. Das stellt auch höhere Anforderungen an die Absicherung der Daten.

Welche Sicherheitsvorkehrungen angemessen sind, ist für das Management aber oft nur schwer einschätzbar. Eine globale Studie des IT-Konzerns IBM hat zutage gefördert, dass es vielerorts immer noch an Strategien für den Ernstfall mangelt: Mehr als drei Viertel der befragten Firmen haben kein Konzept, wie planmäßig vorzugehen ist, wenn eine Attacke bemerkt wird. Dass es da massiv hapert, hängt auch damit zusammen, dass acht von zehn Unternehmen Schwierigkeiten damit haben, überhaupt Mitarbeiter mit entsprechenden Fachkenntnissen zu finden.

Der Kampf gegen Cyberattacken ist alles andere als banal. Denn auf der Gegenseite sind oft hochspezialisierte Experten am Werk. Sie sind schwer dingfest zu machen, da sie in der Regel aus fernen Ländern operieren und es häufig auf Erpressung abgesehen haben. Dagegen hilft nur eine permanente Verfeinerung der Verteidigungsstrategie. Zumal die Sache zusätzlich kompliziert wird, da der Feind oft im eigenen Haus sitzt. Zwei Drittel der Firmen gaben bei einer Bitkom-Befragung an, dass für Spionage, Sabotage und Datendiebstahl aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter verantwortlich seien.

Die US-Marktforschungsfirma Gartner geht davon aus, dass das weltweite Geschäft mit reinen IT-Sicherheitsdienstleistungen in diesem Jahr auf ein Volumen von 57 Milliarden Dollar wächst. Das sind rund 20 Prozent mehr als noch 2016. Die weltweiten Gesamtausgaben für Computersicherheit werden auf fast 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Summe ist riesig, aber angemessen – auch in Anbetracht der Warnungen von Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Seine Leute beobachten immer mehr Angriffe, in immer kürzeren Abständen, mit einer neuen Qualität. Denn inzwischen würden die „Grundpfeiler einer sicheren IT“ attackiert: Updatemechanismen, Prozessoren, die früher als unangreifbar galten, und Verschlüsselungsmechanismen.

Schönbohm macht auch darauf aufmerksam, dass die Digitalisierung in eine neue Ära eintritt, mit vielen vernetzten Geräten, die neue Angriffspunkte schaffen. Ein Beispiel sind intelligente Stromzähler. Das BSI besteht hier auf Sicherheitsstandards, die fast dem Niveau militärischer Anlagen entsprechen. Aus gutem Grund: Mit massenweise gehackten Stromzählern könnten Kriminelle unter Umständen ferngesteuert Tausende von Gefriergeräten oder Heizungen an- oder abschalten und damit Blackouts herbeiführen.

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