Lade Inhalte...

Bußgeld Rekordstrafe für Google

Die EU-Kommission fordert 4,3 Milliarden Euro vom Internetriesen Google.

Smartphones
Jede(r) hat ein Handy - mindestens: Auf dem riesigen Markt der Smartphones dominiert das Betriebssystem Android. Foto: rtr

Die EU-Kommission will Google eine Strafe in Rekordhöhe aufbrummen. Der Hightech-Gigant soll ein Bußgeld von 4,34 Milliarden Euro wegen des Missbrauchs seiner dominierenden Position bei Smartphone-Betriebssystemen zahlen. Eine höhere Strafe hat die EU-Kommission noch nie verhängt - Rekord bislang waren 3,8 Milliarden Euro für ein Lkw-Kartell. Außerdem wollen die Brüsseler Wettbewerbshüter das Unternehmen zwingen, seine Geschäftspraktiken so zu ändern, dass bei Handy-Diensten mehr Wettbewerb entsteht. Der US-Konzern hat am Mittwochnachmittag prompt angekündigt, gegen die Entscheidung der Kommission in Berufung zu gehen.

Seit zehn Jahren wird das Betriebssystem Android eingesetzt. Es war seinerzeit als Reaktion auf Apples iOS als ein Paket von Programmen konzipiert worden, das Hersteller von Handys kostenlos nutzen und auch verändern können. Das Android-Projekt wurde ein Riesenerfolg, vor allem weil große Gerätehersteller – allen voran Samsung – auf das Betriebssystem setzen. Die Hersteller sparten mit Android Zeit und Kosten und konnten schnell dem iPhone, das 2007 debütierte, etwas entgegensetzen. Heute hat das Betriebssystem nach Berechnungen von Marktforschern einen Marktanteil von mehr als 85 Prozent. Der Rest geht an Apple. Es gibt mittlerweile keine weiteren ernstzunehmenden Betriebssysteme mehr.

Trotz vermeintlicher Freiheit geschah der Siegeszug von Android quasi unter der Schirmherrschaft von Google. So hat der Internetriese den virtuellen Laden für tausende von Zusatzprogrammen, Google Play, unter seinen Fittichen – ohne den App Store geht gar nichts bei der Nutzung von Android-Handys. Die Lizenzen für Google Play sind aus Sicht der Kommission seit 2011 mit Knebelverträgen für die Gerätehersteller verknüpft worden, was eine unzulässige Einschränkung des Wettbewerbs bringe. Die Firmen müssen ein Paket aus elf Apps unter anderem mit dem Browser Chrome und der Suchmaschine des Konzerns auf ihren Smartphones vorinstallieren.

Google geht in Berufung

Große Hersteller, die keine andere Suchmaschine vorinstallieren, werden darüber hinaus an den Erlösen aus Werbeeinnahmen beteiligt. Ferner werden die Hardwarefirmen gezwungen, auf all ihren verschiedenen Modellen nur von Google genehmigte Android-Versionen einzusetzen, wenn sie irgendwelche Apps des mächtigen Konzerns auf ihren Geräten vorinstallieren wollen. Diese sogenannte „Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung“ führte unter anderem dazu, dass eine von Amazon vor einigen Jahren entwickelte Android-Variante (Fire OS) keinerlei Chance hatte, sich durchzusetzen.

Ziel von alldem sei, Googles „beherrschende Stellung“ bei Internet-Suchdiensten zu festigen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Mehr als 95 Prozent der Suchanfragen auf Android-Geräten seien 2016 über Google gestellt worden. „Die große Mehrheit der Nutzer nimmt, was mit dem Gerät kommt.“ Der US-Konzern lebt maßgeblich von den Werbeeinnahmen, die mit der Suchmaschine und dem hauseigenen Videoportal Youtube verbunden sind – und die Nutzung des Internets hat sich in den vergangenen Jahren von Personal Computern massiv hin zu Smartphones verschoben. Dieser Trend ist ungebremst.

Google hat nun 90 Tage Zeit, seine Geschäftspraktiken zu ändern. Ansonsten drohten weitere Strafen. Das können bis zu 15 Millionen Euro werden, und zwar pro Tag und auch rückwirkend. Google rechtfertigte in einer ersten Stellungnahme die Bündelung von Apps damit, dass nur dann verschiedene Dienste richtig genutzt werden könnten, da sie miteinander verknüpft seien. Ein Konzernsprecher teilte überdies mit: „Wir werden gegen die Entscheidung der Kommission Berufung einlegen.“ Android habe mehr Auswahl für alle geschaffen, nicht weniger. Er fügte hinzu: „Ein lebendiges Ökosystem, schnelle Innovation und niedrigere Preise sind klassische Merkmale eines robusten Wettbewerbs.“

Google hatte im vergangenen Jahr bereits Einspruch beim Gericht der Europäischen Union gegen eine erste Bußgeldentscheidung eingelegt. Dabei ging es um die Suche beim Einkaufen im Internet. Google war wegen der Benachteiligung von Konkurrenten zur Zahlung von 2,42 Milliarden Euro verdonnert worden. In einem dritten Verfahren geht es um Google-Suchmasken, die in andere Internetseiten eingebunden werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen