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"Brown-Box" Der Erfinder der Spielkonsole kehrt heim

Er erfand sie "zum Spaß" und löste damit einen wahren Boom aus: Ralph H. Baer gilt als Erfinder der ersten Spielkonsole. Im Mitmachmuseum in Pirmasens steht nun seine "Brown-Box".

25.06.2008 17:06

Pirmasens (dpa/lrs) - Er erfand sie "zum Spaß" und löste damit einen wahren Boom aus: Der 86 Jahre alte US-Amerikaner Ralph H. Baer gilt als Erfinder der ersten Spielkonsole, der sogenannten "Brown- Box". Am Mittwoch übergab der gebürtige Pirmasenser, der wegen seiner jüdischen Abstammung in den 30er Jahren emigrierte, dem Pirmasenser Mitmach-Museum "Dynamikum" einen Nachbau der "Brown-Box". Der einfache Kasten mit den Drehknöpfen ermöglicht ein Ping-Pong-Spiel auf dem Bildschirm: Dieser zeigt eine grüne Fläche, links und rechts an der Seitenlinie befindet sich jeweils ein weißes Quadrat, das auf und ab bewegt werden kann ­ quasi als Tennisschläger. Zwischen beiden fliegt in gemächlichem Tempo ein drittes Quadrat hin und her, der "Tennisball", den der Benutzer hin- und herspielen muss.

Eher als Seitenprodukt, mehr zum Spaß habe er den Prototyp gebaut, erzählt Baer. Vierzig Transistoren setzte er in das erste Gerät ein. "Es gab ja noch keine Mikrochips." Damals, erinnert sich Baer, seien die Erfinder noch Bastler gewesen, die die Hardware selbst zusammenlöteten, heute sind sie Programmierer. Das sei der Lauf der Dinge. "Der erste Kerl hat das Rad als Scheibe erfunden, dann kamen die Speichen dazu und am Ende sind wir mit dem Ding auf dem Mond herumgekarrt."

Ab 1966 entwickelte er seine Konsole, die 1972 unter dem Namen "Magnavox Odyssey" auf den Markt kam und sich 350000 Mal verkaufte. Wegen des Projekts genießt er heute noch hohes Ansehen: Seine diesjährige "Europatournee" hat er in den Niederlanden mit einer Computerspiel-Konferenz begonnen, dann war er Ehrengast bei einem Spielesymposium in Paris. 2006 - mit 84 Jahren - war er erstmals wieder als Privatmann nach Deutschland zurückgekehrt - mit "mixed feelings" - gemischte Gefühlen - für die alte Heimat.

Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg mehrfach verwundet wurde und das Eiserne Kreuz sowie andere Orden erhielt, hatte eine Gerberei in Pirmasens besessen, doch der Betrieb überlebte die Wirtschaftskrise nicht. 1924 zog die Familie nach Köln, der Vater arbeitete als Handelsvertreter für Pirmasenser Schuhfabrikanten. Ein deutscher Junge sei er gewesen, "so deutsch wie man nur deutsch sein kann, habe immer eifrig die Fahne geschwungen", erinnert sich Baer. Dann kam der Schock: Ein Freund trat in die Hitlerjugend ein und redete von da an nicht mehr mit ihm. Es folgten die erzwungene Flucht und die Ankunft in den USA. "Von diesem allerersten Moment an war ich Amerikaner", sagt Baer.

Er machte Karriere in der Rüstungsindustrie und entwickelte Geräte, mit denen man während des Kalten Krieges den Funkverkehr der Russen in Berlin überwachen konnte - und hielt sich bewusst von der alten Heimat fern. "Ich wollte warten, bis alle tot waren. Ich wollte mit niemanden reden, niemanden treffen", sagt er. Heute sei Deutschland ein neues Land mit einer anderen Generation. Doch ab und an schieben sich alte Erinnerungen über das Bild vom neuen Deutschland: "Diese Kultur, diese Musik (...) all das. Und wie einfach ist es, jemand zu manipulieren: Und dann glauben sie, sie seien Übermenschen."

Dann geht es wieder zurück zum Hier und Jetzt. Warum heißt die Mutter aller Spielkonsolen eigentlich Brown-Box und nicht Baer-Box? "Sie war von brauner Farbe. Und jemand hat sie mal braune Schachtel genannt, und dabei blieb es. Ich weiß noch nicht mal, wer das war", sagt Baer.

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