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Brief von Politikern und Aktivisten Google+ soll Pseudonyme zulassen

Das soziale Netzwerk zwingt seine Nutzer, ihren echten Namen preiszugeben. Dagegen regt sich nun Widerstand. 28 bekannte Netzaktivisten sowie mehrere Politiker bestehen in einem offenen Brief an Google auf ihrem Recht auf Pseudonyme.

In der Kritik: der Internetkonzern Google. Foto: dapd

Die Diskussion über die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks Google+ nimmt an Fahrt auf: Am Montag wandten sich 28 Netzaktivisten und Bundestagsabgeordnete in einem offenen Brief an den Europa-Chef des Internetkonzerns. Darin fordern sie, die Nutzung von Google+ auch unter Pseudonym zu ermöglichen. Bisher müssen die Google+-Nutzer ihren echten Namen angeben. Andernfalls können sie vom Netzwerk ausgeschlossen werden.

Die Unterzeichner führen mehrere Argumente gegen den Klarnamen-Zwang an. Die Verschleierung der Identität erfülle "wichtige Schutzfunktionen" heißt es in dem offenen Brief: "In der weiteren konzeptionellen Entwicklung des Netzes" werde sich "auch und gerade der Schutz von Minderheiten und politisch Andersdenkenden, die sich nicht so frei wie wir artikulieren können, als maßgeblich herausstellen". Und weiter: "Die Nutzung eines Pseudonyms ermöglicht es Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen. Dies ist essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie."

Neben bekannten Bloggern wie Sascha Lobo und Markus Beckedahl haben auch der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz sowie die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Manuel Höferlin und Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Peter Tauber (CDU) den Brief unterschrieben.

Eine Frage des Geldes?

Google+ begründet seine Namenspolitik damit, die Vernetzung von Menschen im Web der Vernetzung von Menschen in der realen Welt ähnlicher machen zu wollen. Blogger wie Markus Breuer von Steingrau spekulierten dagegen, der Konzern bestehe auf Klarnamen, weil sich diese gezielter bewerben ließen. Auch für die Unterzeichner des offenen Briefes ist das Argument des höheren Kommunikationsniveaus zu schwach für eine aus ihrer Sicht "schwerwiegende Begrenzung der Nutzung": "In der Tat gehört es auch für uns zum guten Ton, dass man sich einander vorstellt und namentlich miteinander kommuniziert. Dieses Ziel wird jedoch durch Ihre Maßnahme kaum erreicht, da jedermann versuchen kann, unter einer Anscheins-Identität aufzutreten, deren Echtheit Sie mit gängigen Online-Verfahren schwer überprüfen können."

Der Streit über die Namensregelung bei Google+ ist bereits vor Wochen entbrannt. Nutzer beschwerten sich, dass ihre Konten wegen des Verdachts auf Identitätsschwindel gesperrt wurden, obwohl sie ihren richtigen Namen verwendet hatten. Prominentes Beispiel: Die US-Bloggerin Violet Blue, die sich des Themas sofort annahm. In der Internetgemeinde, in der viele Akteure unter Pseudonym arbeiten, ist der Namenszwang ein großes Minus von Google+, das ansonsten deutlich wohlwollender beurteilt wird als der Konkurrent Facebook. Google+ ist seit Anfang Juni online.

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