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Bewerbung und Karriere Google macht den Ruf

Bisher galt für Arbeitnehmer die Devise: Im Internet so wenig auffallen wie möglich. Doch immer mehr Personaler verschaffen sich genau dort einen Eindruck von Bewerbern. Wer punkten will, sollte Zeit in seine Online-Reputation investieren.

30.01.2013 08:23
Daumen hoch oder Daumen runter: Was Personaler über Bewerber im Netz finden, kann ihre Entscheidung maßgeblich beeinflussen. Foto: dpa

Bisher galt für Arbeitnehmer die Devise: Im Internet so wenig auffallen wie möglich. Doch immer mehr Personaler verschaffen sich genau dort einen Eindruck von Bewerbern. Wer punkten will, sollte Zeit in seine Online-Reputation investieren.

Im Internet unauffällig bleiben: Das erschien vielen Arbeitnehmern bis vor kurzem erstrebenswert. Doch das Bild hat sich gewandelt, sagt Klaus Eck, Kommunikationsberater aus München. „Engagement im Netz ist anzuraten, wenn man kein Unbekannter für den künftigen Arbeitgeber sein will.“

Ähnlich sieht das Michael Heidelberger. Personaler großer Unternehmen suchten heute im Internet systematisch nach Angaben über einen Bewerber, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, erklärt der Vorstand des Fachverbandes Personalberatung beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Auch eine repräsentative Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom kam bereits im Herbst 2011 zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte aller Personaler im Internet Informationen über ihre Bewerber einholen. Ein Fünftel recherchierte auch schon damals in Netzwerken wie Xing, LinkedIn oder Facebook.

Erst mal sich selbst googeln

Im Normalfall überprüften Unternehmen die ersten zwei Seiten, die Suchmaschinen bei der Eingabe eines Namens ausspucken, erklärt Heidelberger. „Die ersten Google-Treffer prägen das Bild von einer Person maßgeblich“, sagt Kommunikationsberater Eck. Diese Suchergebnisse sollten einen möglichst positiven Eindruck vermitteln. Deshalb empfehle es sich, an seinem Ruf im Netz zu feilen.

Zu Beginn sollte man sich erst einmal selbst googeln, rät der Social-Media-Manager Jochen Mai. „Gefällt einem nicht, was man da findet, muss man aktiv werden“, sagt er. Der beste Weg sei, selbst Inhalte ins Netz zu stellen, die den gewünschten Eindruck erzeugen. Dabei helfen Profile bei sozialen Netzwerken. Für den Job sei in Deutschland Xing sehr verbreitet. LinkedIn empfehle sich vor allem, wenn man international tätig ist. Zum Twittern oder Bloggen rät er besonders Angestellten in der Kommunikationsbranche.

Kommunikationsberater Eck rät zudem zu einer eigenen Webseite. Wer den Aufwand scheut oder nicht das technische Know-how dazu hat, kann auf Portalen wie www.about.me als eine Art digitale Visitenkarte seine verschiedenen Profile von sozialen Netzwerken zusammenführen.

Damit sich die Mühen im Netz lohnen, ist es wichtig, eindeutig identifizierbar zu sein. Das ist vor allem für Menschen schwer, die einen gängigen Nachnamen haben. „Eine Möglichkeit ist, seinen Zweitnamen als Initial mitanzugeben“, erklärt Eck. Doch auch Wohnort oder Branche als Zusatz können helfen, Verwechslungen auszuschließen.

Unbedachte Äußerungen sind Karrierekiller

Personaler achten neben einem positiven Gesamteindruck besonders darauf, ob sich die Angaben im Lebenslauf mit denen im Internet decken, sagt Unternehmensberater Heidelberger. „Man sollte unbedingt vermeiden, dass an dieser Stelle Ungereimtheiten auftreten.“ Karriere-Killer können aber auch unbedachte Äußerungen im Netz sein.

Er selbst habe unlängst einen Bewerber gehabt, der im Grunde gut zur ausgeschriebenen Stelle gepasst hätte, berichtet Heidelberger. „Auf einem seiner sozialen Profile hat er aber geäußert, dass er derzeit überhaupt keine Lust auf Arbeit hat.“ Der Mann war aus dem Rennen.

Auch Facebook-Profile tauchten in Suchmaschinen meist weit oben auf. Deshalb sollte man dort private und öffentliche Inhalte unbedingt sauber trennen. Klaus Eck empfiehlt bestimmten Berufsgruppen sogar, Facebook im Grunde gar nicht mehr für private Zwecke zu nutzen: „Menschen, die in der Kommunikationsbranche unterwegs sind oder in den Öffentlichkeit stehen, sollten Facebook ausschließlich als Reputationstool nutzen“, findet er. Dann könne man zwar Persönliches zur Selbstinszenierung preisgeben, aber eben nichts Privates.

Doch was tun, wenn man etwas schreibt, was man später bereut, oder Negatives von anderen bei der Suche auftaucht? Möglichst viele Inhalte produzieren, lautet der Tipp von Experte Eck. Vom Versuch, unliebsame Inhalte löschen zu lassen, hält er wenig. Dabei laufe man immer Gefahr, nur noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Etwa mit dem Gratis-Benachrichtigunsdienst Google Alert könne man sich benachrichtigen lassen, wann immer der eigene Name im Netz auftaucht.

Drei Stunden Arbeit wöchentlich für den Aufbau der Netz-Reputation können sich bezahlt machen, meint Mai. „Wenn im Bewerbungsprozess nur noch ein paar heiße Kandidaten im Rennen sind, kann unter Umständen der Online-Auftritt das Zünglein an der Waage sein.“ (dpa)

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