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App Peeple Zwei Sterne für den fiesen Nachbarn

Eine neue App, die in Kanada entwickelt wurde, sorgt für Diskussionen: Mit der App "Peeple" kann man Menschen bewerten wie ein Restaurant - von eins bis fünf reicht die Skala.

Mit der App Peeple lassen sich Menschen bewerten, auch der Nachbar. Ob das zu einem angenehmen Verhältnis in der Nachbarschaft führt? Foto: imago/Westend61

Ganz schön viel Trubel um etwas, das es noch gar nicht gibt: Zwei Kanadierinnen haben eine Smartphone-App entwickelt, bei der jeder Menschen auf einer Skala von eins bis fünf bewertet werden kann. „Peeple“ ist der Name des Programms, das von Ende November an erhältlich sein soll. Dazu sei nur die Handynummer der zu bewertenden Person nötig, einwilligen müsse sie nicht, schrieben amerikanische und kanadische Zeitungen. Immerhin werde sie per SMS informiert, wenn ein Profil für sie eingerichtet wurde.

Das ganze soll ähnlich funktionieren wie die Ranking-Portale für Hotels oder Restaurants, nur das es eben diesmal um Personen geht. Und daran scheiden sich die Geister. Denn Menschen sind nun mal nicht irgendwelche Dinge. Gefühle könnten verletzt, Mobbing noch öffentlicher werden, sagen die Kritiker. Bei Twitter und Facebook überschlagen sich die Kommentare. „Das ist menschenverachtend“ oder „Ich bin doch kein Vieh“ ist dort zu lesen.

Die Peeple-Gründerinnen Julia Cordray und Nicole McCullough haben da keine Bedenken. Sie vertrauen auf das Gute im Menschen und glauben, dass alle eigentlich ganz nett sind und auch nur nette Kommentare abgeben werden. Cordray bewirbt die App auf ihrem Blog bei LinkedIn als die „weltgrößte positive App für positive Menschen“. Es ginge nicht darum, andere schlecht zumachen, sondern etwa darum, einen guten Babysitter zu finden, dem man vertrauen kann, oder mehr über die Freunde der Kinder zu erfahren, bei denen sie spielen. Mit Peeple könne man „besser auswählen, wenn man anstellen, daten oder neben wem man wohnen möchte“, ist sich die 34-jährige Kanadierin sicher.

Offensichtlich schauen aber weit weniger Menschen durch die rosarote Brille der Peeple-Erfinderinnen, als die zunächst gedacht hatten. Es hagelte haufenweise Beschimpfungen, viele fragten sich, ob die App nicht nur ein schlechter Scherz sei, Julia Cordray bekam sogar eine Morddrohung. Mittlerweile bereut sie, die Peeple-App in einem Interview mit „The Washington Post“ eine Art „Yelp für Menschen“ genannt zu haben. In ihrem Blog zeigt sie sich tief bestürzt über die vielen negativen Kommentare und beteuert, nur Gutes im Sinn gehabt zu haben. Außerdem würde Peeple keine bösen Kommentare zulassen, und nur wer einem Profil zugestimmt habe, werde auch bewertet.

Seit gestern sind dennoch alle Online-Accounts von Peeple überraschend deaktiviert worden. Cordray und McCulloug haben sich dazu bislang nicht geäußert. Nur so viel: am 12. Oktober wollten sie der Welt ihre neue App in einer Talk Show präsentieren. Das schrieb Cordray in einer E-Mail an den Fernsehsender BBC.

Noch befindet sich die Peeple in der Beta-Phase, sobald sie online geht, kann sich jeder mit seinem Facebook-Profil einloggen und munter drauflos bewerten. Was ist, wenn einem nicht gefällt, was dort über einen steht? Kann man da was machen?

Rechtsanwalt Dr. Severin Müller-Riemenschneider, Partner und Gründer der Media Kanzlei in Frankfurt am Main, sieht da gute Chancen. Da es anders als beispielsweise bei Sanego, einem Bewertungsportal für Ärzte, nicht um berufliche Qualifikationen, sondern um Privates oder sogar Intimes ginge, könne man gegen die Bewertungen vorgehen. Auch wer sich freiwillig auf Peeple eingeloggt hat, könne, beispielsweise wenn es um so private Themen wie Sexualität geht, gegen entsprechende Posts vorgehen. „Generell gelten die gleichen Maßstäbe wie auf allen anderen sozialen Plattformen, sodass auch Beleidigungen oder die Verbreitung von Unwahrheiten nicht hingenommen werden müssen“, sagt Müller-Riemenschneider. „Es besteht dabei die Möglichkeit sowohl gegen den Autor einer das Persönlichkeitsrecht verletzenden Bewertung vorzugehen, als auch gegen die Plattform nach den Grundsätzen der sogenannten Störerhaftung.“ Die Gerichte würden sich bei Peeple auch mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob die Veröffentlichung personenbezogener Daten, ohne dass eine entsprechende Einwilligung vorliegt, bereits das informationelle Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Person verletze.

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