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Anonymous auf Facebook Falsche Anonymous-Seite führt Nutzer in die Irre

Wo "Anonymous" draufsteht, ist nicht unbedingt auch "Anonymous" drin: Auf Facebook existiert eine Seite, die sich als Facebook-Seite des Hackernetzwerks ausgibt - doch die Inhalte legen nahe: Es handelt sich um eine Fake-Seite.

Ein Screenshot aus dem Video von Anonymous. Foto: REUTERS

Seit einigen Tagen zieht das Hacker-Netzwerk „Anonymous“ wieder die Aufmerksamkeit auf sich: Mit einem Video, in dem eine Person mit Kapuzenpulli und obligatorischer Guy-Fawkes-Maske  der Terrormiliz „Islamischer Staat“ den Krieg erklärt. „Diese Attentate können nicht ungestraft bleiben“, hieß es in dem am Samstag veröffentlichten Clip. Das Kollektiv ist ein Netzwerk, das sich für Redefreiheit, die Unabhängigkeit des Internets und gegen Menschenrechtsverletzung und Zensur einsetzt.

Die „Anonymous“-Botschaft wanderte durchs Netz, wurde kommentiert, geteilt, geliked, gefavt. Schnell gewann das Netzwerk neue Fans bei Facebook - doch offenbar landeten viele auf einer „Anonymous“-Fake-Seite und wurden damit Fans eines eher zweifelhaften Accounts. Rund 1,4 Millionen Fans hat die Seite inzwischen, knapp 500.000 neue sind allein in den vergangenen Tagen durch die Verbreitung des Videoclips im Netz hinzugekommen.

Doch was steckt dahinter? Gibt man in die Suchmaske bei Facebook „Anonymous“ ein, ist der erste Treffer eine Seite, die man auf den ersten Blick sofort dem Hackernetzwerk zuordnen kann. Laut offizieller Homepage von „Anonymous“ ist dieser Facebook-Account jedoch gefälscht. Erst an zweiter Position folgt der nach „Anonymous“-Aussage echte Facebook-Account. Auch dieser hat in den letzten Tagen deutlich mehr Fans hinzugewonnen – rund 7000. Im direkten Vergleich ist das eine recht geringe Anzahl.

Kampf gegen den falschen Account

Das „Anonymous“-Netzwerk hat sich auf seiner Homepage anonymouskollektiv.tumblr.com schon mehrfach zu dem aus ihren Augen falschen Account geäußert und sich auch zur Wehr gesetzt. Der Account werde von dem Erfurter Mario Rönsch betrieben, der es abstreite, der Betreiber der Facebook-Seite zu sein, heißt es auf der „Anonymous“-Homepage. Auch Rönsch ist gegen die Anschuldigungen juristisch vorgegangen.

Wer ist jetzt echt und wer gefälscht? „Anonymous“ schreibt es selbst: „Natürlich ist es immer schwer und kein leichter Weg sich als Anonymous von Anonymous zu distanzieren (klingt verwirrend, stimmts?).“

Nur ein Blick auf den offenbar gefälschten Account bringt  Licht ins Dunkel. Denn tatsächlich werden auf der Fake-Facebook-Seite fragliche Inhalte verbreitet – von Verschwörungstheorien bis zur Flüchtlingshetze – also Inhalte, die nicht das widerspiegeln, wofür das Hackernetzwerk „Anonymous“ eigentlich steht.

Dort werden beispielsweise RT Deutsch-Beiträge geteilt – ein Ableger des russischen Propaganda-Kanals RT, das dafür bekannt ist, mit obskuren Theorien und Manipulationen aufzuwarten. Auch Compact-Beiträge schaffen es auf die Seite – also Inhalte des rechtspopulistischen Magazins, das von von Chefredakteur Jürgen Elsässer geführt wird, der auch schon mal beim flüchtlingskritischen Pegida-Ableger „Legida“ in Leipzig  auftritt.

Compact sei ein „alternatives Nachrichtenmagazin“, das „publizistische Sturmgewehr des Volkes“, schreiben die Betreiber des augenscheinlich falschen Accounts. Werbung wird auch für AfD-Landeschef Björn Höcke gemacht, der jüngst im ARD-Talk bei Jauch die Deutschland-Fahne herausholte und sich mit seinen rechtspopulistischen Positionen in Szene setzte.

„Diese Facebook Seite zieht alles das in den Dreck wofür Anonymous eigentlich steht: Meinungsfreiheit, keine Zensur, Privatsphäre“, schreiben die „Anonymous“-Seitenbetreiber ihrer offiziellen Internetseite. Nicht überall, wo „Anonymous“ drauf steht, scheint auf dieser Grundlage auch „Anonymous“ drin zu sein.

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