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Analyse Relikt Gesundheitskarte

Die elektronische Gesundheitskarte ist noch nicht im Dienst und schon technisch überholt. Was möglich wäre, zeigt eine App.

Relikt Gesundheitskarte
Bald überholt? Ob sich die alte Gesundheitskarte mit der neuen mobilen Welt verbinden lässt, ist fraglich. Foto: Norbert Neetz (epd)

Spricht man Verantwortliche bei den gesetzlichen Krankenkassen oder andere Akteure im Gesundheitswesen auf die elektronische Gesundheitskarte an, dann erntet man nur ratloses Kopfschütteln. Zwar geht nach jahrelangem Stillstand endlich etwas voran. Doch im Grunde ist die gesamte Konzeption der Karte angesichts des rasanten technischen Fortschritts überholt.

Kein Wunder, denn als deren technische Grundzüge vor mehr als 15 Jahren entwickelt wurden, war an Smartphones oder Tablets noch gar nicht zu denken. Die zentrale Frage ist daher, ob man die alte Welt der Gesundheitskarte irgendwie mit der neuen mobilen Welt verbinden kann. Ein aktueller Bericht der Gesundheitskarten-Gesellschaft Gematik an Bundesregierung und Parlament zeigt allerdings, dass es sehr zweifelhaft ist, ob das je gelingen wird.

Was technisch heute möglich ist, zeigt beispielhaft die App Lifetime, die bereits in rund 150 Praxen im Einsatz ist, hauptsächlich in Hamburg. Die App speichert lokal auf dem Smartphone des Versicherten eine komplette Patientenakte mit Befunden, Röntgenbildern oder Arztbriefen.

Für die Übertragung vom Arztrechner in das Smartphone sorgt eine kleine Box, auf die der Patient einfach sein Telefon legen muss. Der Versicherte kann aus der App Daten drucken, per Mail verschicken (etwa an die Versicherung) oder eine Sicherungskopie anfertigen. Die App wird in der Gesundheitsszene hochgelobt, denn eine leicht handhabbare elektronische Patientenakte gilt mittlerweile als Schlüssel für eine erfolgreiche Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Und was kann die elektronische Gesundheitskarte? Derzeit noch nichts. Wenn alles gut geht, wird im Laufe des Jahres allenfalls die erste Grundfunktion laufen, nämlich der Abgleich der persönlichen Daten des Versicherten auf der Karte mit den Informationen, die bei der Krankenkasse liegen. Das elektronische Rezept, ein Medikationsplan oder gar die Patientenakte sind noch Zukunftsmusik.

Ohnehin erschwert die gesamte Systematik der Karte technische Lösungen, bei denen das Smartphone im Mittelpunkte steht. So ist unter anderem aus Datenschutzgründen gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Patient auf einen Großteil seiner medizinischen Informationen nur zugreifen kann, wenn er seine eigene Karte einsetzt und der Arzt gleichzeitig mit seinem elektronischen „Heilberufsausweis“ den Zugang freigibt. Der Patient kann die Daten also nur dann lesen, wenn er sich in einer Arztpraxis aufhält.

Im Bericht der Gematik an die Bundesregierung wird nun zumindest ein Modell vorgeschlagen, mit dem bei einem Zugriff des Versicherten auf seine Daten die Arztkarte überflüssig wird. Praktikabel wird das Ganze damit aber immer noch nicht. Denn erforderlich wäre neben einer speziellen App auf dem Smartphone des Versicherten ein separates Kartenlesegerät. Denn die moderne kontaktlose NFC-Technik, die eine Verbindung mit elektronischen Karten ohne Lesegerät ermöglicht und in allen modernen Smartphones eingebaut ist, funktioniert mit der Gesundheitskarte nicht. Dort wurde diese Funktion nämlich nicht implementiert. Bisher ist auch nicht geplant, sie in späteren Kartengenerationen zu berücksichtigen. Schwer vorstellbar, dass sich das System unter diesem Umständen durchsetzen kann.

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