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Aktion im Discounter Wenn bei Penny die flotte Biene ausgeflogen ist

In einer Penny-Filiale in Niedersachsen herrscht einen halben Tag lang Ausnahmezustand: Leere Regale, lange Gesichter bei der Kundschaft. Damit setzt der Discounter ein Zeichen.

Penny
Penny gibt es überall, wie hier in Frankfurt - Bienen vielleicht bald nicht mehr. Foto: Georg Kumpfmüller

Bienen. Wer hätte es gedacht, dass man die stechenden Biester einmal vermissen würde? Wohl nicht bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse, wo es ohnehin eher die Wespen sind, die mit Vorliebe auf süße Stückchen abfliegen. Wohl aber beim Supermarkt um die Ecke. Zumindest, wenn es um ihren Beitrag für die dort angebotene Produktpalette geht.

Wie hoch dieser ist, davon konnte sich die Kundschaft einer Penny-Filiale im niedersächsischen Langenhagen nun ein Bild machen. Unter dem Motto „Biene weg. Regal leer“ waren am Montagmorgen rund 60 Prozent der rund 2600 angebotenen Produkte, an deren Produktion Bienen direkt oder indirekt beteiligt sind – einfach weg. So wie die Insekten bald selbst, wenn deren Bestände weiterhin so rückläufig sind.

Ein Zeichen in einer von 2180 Penny-Filialen

Nach Angaben der Rewe-Group, zu der Penny gehört, sind von etwa 550 in Deutschland vorkommenden Wildbienen-Arten bereits über die Hälfte mindestens gefährdet; viele seien bereits ausgestorben. Und weil dem Discounter die natürlichen Erzeuger seiner angebotenen Produkte am Herzen liegen, hat er seine Kundschaft in einer seiner 2180 Filialen in Deutschland einen halben Tag lang für das drastische Insektensterben sensibilisieren wollen.

Denn: „Man macht sich überhaupt keine Vorstellung davon, wie viele Produkte ohne die Bestäubungsleistung der Insekten wegfallen würden“, sagt Stefan Magel vom Penny-Vorstand. „Wir müssen gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, um das Insektensterben zu stoppen.“

Die Penny-Mitarbeiter in Langenhagen fingen deshalb von vorne an, räumten bis auf Ananas und Bananen alle Früchte aus der Obstabteilung. Leere Regale auch in der süßen Schoko-Ecke, ja sogar im Eisfach herrschte Einöde. Denn, wer hätte es gedacht, selbst für Tiefkühlpizzen braucht es Öle, deren Raps und Sonnenblumen erst einmal bestäubt werden wollen. Ohne Bienen also auch keine Quattro Formaggi. Dann bleibt für’s italienische Dinner vom Discounter nur noch der Vino, denn beim Wein gieh’s auch ohne Bienchen Blümchen – der bestäubt sich nämlich selbst. Ergo blieb auch das Weinregal bei Penny voll.

Auch das Netz stimmte – um nicht zu sagen: summte – in die Aktion mit ein. Unter dem Hashtag #Biene – oder, der (Bio-)Diversität wegen, #Bienen – posteten Pennys bienenaffine Kunden ihre Likes und Dislikes. Ein dem Vernehmen nach besonders überzeugter Penny-Käufer twitterte: „Das ist schon verrückt, wie der Discounter #Penny den gestandenen Supermärkten in Sachen #Nachhaltigkeit & #Aufklärung einen Schritt voraus ist.“  

Zwar gab es im Netz keine Kritik von Kunden, die wegen Penny’s Bienen-PR ein gewünschtes Produkt nicht ergattern konnten. Wohl aber der kritische Kommentar bei Twitter: „Gut und schön, aber wann hört Penny auf, Produkte aus einer industriellen Landwirtschaft zu verkaufen, die Bienen tötet?“ Eine andere Userin fragte außerdem: „Warum macht ihr das nicht auch mal flächendeckend, um auf das Problem aufmerksam zu machen?“

Derweil bleibt abzuwarten, ob Penny die Aktion wiederholt – oder ob sie eine Eintagsfliege bleibt.

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