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20 Jahre Google Ein Datensammler auf Schritt und Tritt

In den 20 Jahren seit Firmengründung hat sich Google - ehemals nur eine Suchmaschine - in immer mehr Lebensbereiche eingeschlichen. Mit den Informationen seiner Nutzer verdient das Unternehmen viel Geld.

Google
Der Duden hat die Firma sprachlich geadelt: Wer im Internet sucht, googelt. Foto: Dado Ruvic / Reuters

Google ist viel mehr als eine Suchmaschine. Die vielfältigen Angebote des Online-Riesen haben sich in den 20 Jahren seit Firmengründung in immer mehr Lebensbereiche eingeschlichen und sind für viele Nutzer kaum noch wegzudenken.

Die Google-Nutzung der Autorin beginnt bereits früh am Morgen: Noch im Bett geht der erste Griff zum Smartphone, das als Wecker dient. Das Handy selbst ist nicht von Google, das Betriebssystem Android, das darauf läuft, schon. Android hat in Deutschland einen Marktanteil von etwa 80 Prozent, weltweit sind es nur ein paar Prozentpunkte weniger. Insgesamt sind weltweit 2,7 Milliarden Android-Geräte im Einsatz.

Wer dem Google-Betriebssystem aus dem Weg gehen will, greift entweder zu Apples iOS, der weit abgeschlagenen Nummer zwei, oder installiert eine modifizierte Android-Version ohne Google-Anbindung. 

Der nächste Griff zum Smartphone gilt den Mails. Die App für den Google-eigenen Maildienst Gmail ist praktischerweise auf dem Android-Gerät vorinstalliert – das ist typisch Google: Man macht es dem Nutzer möglichst einfach und alles sehr bequem, dann fällt der Wechsel zur Konkurrenz schwer. Im Falle von Gmail kommt noch dazu, dass Nutzer im Jahr 2004 bereits ein Gigabyte Speicherplatz angeboten bekamen, während die Konkurrenz maximal 20 Megabyte im Angebot hatte. 

Google wertet Daten zu Werbezwecken aus 

Da sehen die Nutzer dann auch darüber hinweg, dass sie das verlockende Angebot mit ihren Daten bezahlen. Denn das tun sie: Gmail stand immer wieder in der Kritik, weil der Inhalt der Mails ausgewertet wurde, um direkt daneben passende Werbung anzeigen zu können. Seit einiger Zeit hat Google diese Praxis nach eigenen Angaben gestoppt. Werbung wird neben den Mails zwar weiterhin angezeigt, der Inhalt der Anzeigen soll aber mittlerweile durch Algorithmen bestimmt werden.

Auf dem Smartphone gibt es weitere nützliche Google-Apps, die quasi täglich in Benutzung sind: Routenplanung mit Google Maps, Austausch von Dateien per Google Drive oder Terminplanung über den Google Calendar.

Weiter geht es am Desktop-Computer. Als Standard-Browser ist Google Chrome installiert. Er ist der Marktführer unter den Browsern mit einem weltweiten Marktanteil von 63,3 Prozent, aber wie viele andere Google-Produkte ist auch er nicht unumstritten: Es würden zu viele Daten an Google geschickt, ist ein häufig geäußerter Kritikpunkt. Außerdem wurde im Frühjahr bekannt, dass „Chrome Cleanup“ die Dateien des Nutzers auf dem Computer durchsucht. Was anschließend mit den Inhalten geschieht und ob die Daten an Google geschickt werden, erfährt der Nutzer nicht; komplett abschaltbar ist die Funktion ebenfalls nicht.

Fast jeder nutzt die Suchmaschine 

Googles eigentliches Kerngeschäft ist die Suchmaschine. Die Google-Suche hat weltweit einen Marktanteil von 86 Prozent, in Deutschland sind es sogar 94,5 Prozent. Die Suchmaschine verarbeitet pro Minute fast vier Millionen Suchanfragen. Ihre Spezialität: Die Suchergebnisse werden für den Nutzer personalisiert, neben den Suchergebnissen werden passende Anzeigen eingeblendet. Diese Anzeigen findet man auch auf vielen Websites, genau wie Google Analytics, das oft im Hintergrund läuft. Die Software zählt Website-Besucher und analysiert ihr Verhalten. Füllt man auf Websites ein Formular aus, muss man häufig ein sogenanntes „Captcha“ überwinden. Dabei wird man aufgefordert, einen schlecht entzifferbaren Text oder eine Zahlenfolge einzutippen, um zu beweisen, dass man ein Mensch und kein Spam verteilender Roboter ist. Auch hier steckt häufig Google dahinter: „ReCaptcha“ gehört zum Konzern, die Eingaben der Nutzer werden unter anderem genutzt, um Bücher zu digitalisieren oder Hausnummern und Straßennamen aus Google Street View zu entziffern.

Vom Schreibtisch geht es auf die Couch. Dort wartet der Google Chromecast, ein kleines Gerät, das man an den Fernseher anschließt, um damit Bilder oder Videos vom Smartphone auf den Fernseher zu übertragen. Die Videos stammen von der Videoplattform Youtube, die seit 2006 zum Google-Konzern gehört. Pro Minute werden hier mehr als 400 Stunden neues Videomaterial von Nutzern hochgeladen.

Immer mehr Menschen weltweit haben inzwischen auch einen sogenannten Smart Speaker zu Hause stehen. Während lange Zeit Amazons „Echo“ den Markt beherrschte, wurden im zweiten Quartal 2018 erstmals mehr Geräte verkauft, die den „Google Assistant“, die Software von Google, verwenden. Integriert in Elektrogeräte von Anbietern wie Bang & Olufsen, zieht Google-Technologie so in immer mehr Haushalte ein.

Der Smart Speaker hört immer zu 

Was das für den Datenschutz bedeutet, ist vielen Nutzern oft völlig unklar. Technologie, die auf bestimmte Signalworte reagiert, muss dauerhaft zuhören und sämtliche Unterhaltungen analysieren, um die Signalworte zu erkennen. Man holt sich also mit den „smarten“ Lautsprechern einen „Spion“ nach Hause. Aber auch an anderer Google-Technologie gibt es regelmäßig Kritik: Am Android-Betriebssystem wird aktuell bemängelt, dass es auch bei Nichtnutzung des Smartphones sehr oft und ohne Wissen des Nutzers Standortinformationen an Google schickt.

Die Nutzung der vielfältigen Google-Dienste versorgt den Online-Riesen mit genügend Daten, um aussagekräftige Nutzerprofile zu erstellen. Die werden dann genutzt, um passgenau Werbung auszuspielen – und das nicht nur auf den Websites von Google, sondern überall im Web. Auf diesem Weg hat Google 2017 einen Gesamtumsatz von knapp 95 Milliarden Euro erwirtschaftet, 82 Milliarden Euro davon alleine mit Werbung. Auf der Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt steht die Google-Mutter Alphabet mit einem Börsenwert von 765 Milliarden Euro auf Platz zwei hinter Apple.  

 

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