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„Young Sheldon“ Was stimmt denn nicht mit ihm?

„Young Sheldon“ will tiefgründiger als „The Big Bang Theory“ sein. Kann die Serie dem Fluch der schlechten Spin-Offs entkommen? Der zwölfte Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Young Sheldon
Der neunjährige Sheldon Cooper (Iain Armitage) bei seinem ersten Tag auf der Highschool. Seine Mutter (Zoe Perry) hofft, dass er sich gut einlebt. Foto: Warner Bros.

Ich experimentiere mit Masse in Bewegung.“ Das antwortet der junge Sheldon Cooper seinem Vater beim Abendessen auf die Frage, was er denn heute so gemacht habe. „Was stimmt denn nicht mit ihm?“, fragt eine Frau in der Kirche Sheldons Mutter, nachdem der wissbegierige Junge nach dem Herabsenken seiner Testikel gefragt hat. Der Zuschauer soll also gleich wissen, man hat es hier mit einem seltsamen Kind zu tun.

Die erste Folge von „Young Sheldon“ führt langsam und klar in das Thema ein. Deutlicher kann man nicht zeigen: Dieses Kind ist hochbegabt und einfach so ganz anders als der Rest seiner Familie und eigentlich auch als der Rest der Welt.

„Young Sheldon“ ist ein Prequel zur Erfolgsserie „The Big Bang Theory“. In elf Staffeln wird dort das Leben von vier nerdigen Wissenschaftlern gezeigt, die zwar beruflich (meist) sehr erfolgreich sind, jedoch an den großen und kleinen Alltäglichkeiten des Lebens scheitern. Einer der Hauptcharaktere ist Sheldon Cooper, ein Physiker mit zwei Doktortiteln und ein äußerst schwieriger Charakter. Er hat alle möglichen Macken und Zwänge, die das Leben mit ihm für seine Freunde zu einer Geduldsprobe machen. Durch seine verschrobene Art – etwa dass er immer dreimal bei Nachbarin Penny klopft – wurde Sheldon Cooper unter Serienliebhabern zur Kultfigur.

„Young Sheldon“ soll nun die Kindheit des später erfolgreichen Physikers porträtieren. Denn die Produzenten versprechen sich natürlich von der beliebtesten Figur die höchsten Einschaltquoten für ein Spin-Off.

Bei der Idee Spin-Off beginnen aber schon die Probleme. Nur selten funktioniert die Weiterentwicklung einer erfolgreichen Serie, denn was sie so erfolgreich gemacht hat, war meistens das Gesamtpaket und nicht ein Charakter. Man erinnere sich nur an das Desaster „Joey“, dem Spin-Off von „Friends“.

Allerdings haben sich die Produzenten im Fall von „Young Sheldon“ für ein anderes Serienformat entschieden. „The Big Bang Theory“ ist eine Sitcom, aufgezeichnet vor Live-Publikum und mit Lachern an den richtigen Stellen. „Young Sheldon“ wird zwar auch dem Genre Sitcom zugeordnet, hat aber einen völlig anderen Humor und zeigt sich tiefgründiger. Denn für die Familie ist das hochbegabte Kind nicht einfach. Sheldon hat bereits am ersten Tag auf der Highschool (ja, der Neunjährige geht auf die Highschool) Probleme, denn er ist klüger als die Lehrer, und seine Mitschüler sind auch nicht allzu begeistert von der kleinen Petze, die erstmal die Schulregeln aufsagt. 

Man sieht eine recht belastete Familie. Zwar verstört sie Sheldons Verhalten auf unterschiedlichen Ebenen, aber es ist klar, dass sich die Eltern wie seine beiden Geschwister mit dem kleinen Sheldon unwohl fühlen. Das ist nicht wirklich fair, denn man erlebt Sheldon als liebenswürdigen kleinen Jungen, der niemandem schaden oder bewusst auf die Nerven gehen will. Wer den erwachsenen Sheldon aus „The Big Bang Theory“ kennt, weiß, dass er später durchaus fordernder und penetranter sein wird. 

Deutlich zu erkennen ist die Intention der Serienmacher, die Geschichte so aufzuziehen, dass sie auch für die Zuschauer verständlich ist, die niemals „The Big Bang Theory“ gesehen haben. Vielleicht war man deshalb mit Anspielungen eher sparsam, was schade ist, denn ein Spin-Off bekommt gerade dadurch seinen besonderen Charme. Man muss schon ein wenig schmunzeln, wenn der Nachbarsjunge sich mit einem Huhn auf dem Arm unter einem Baum mit dem jungen Sheldon unterhält. Denn der ältere Sheldon wird später in „The Big Bang Theory“ eine lustige (für ihn allerdings sehr traumatisierende) Geschichte erzählen, wie er als kleiner Junge von einem Huhn auf einen Baum gejagt wurde. 

Schade, dass es nicht mehr davon gab. Aber am Ende geht es eben doch um die Quote.

„Young Sheldon“ läuft montags, 20.45 Uhr, auf Pro7 und steht auch in der Mediathek.

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