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US-Serie „You“ Alles aus Liebe

Er liebt sie. Er tut alles für sie. In der Serie „You“ sehen viele einen Stalker-Thriller. Aber ist es nicht auch romantisch, wie weit jemand bereit ist, für die Liebe zu gehen? Der 28. Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

You
Joe (Penn Badgley) ist fasziniert von Beck (Elizabeth Lail). Foto: Lifetime Television

Was ist eigentlich Liebe? Dass man alles für den Anderen tun würde? Aber wann beginnt Obsession, also unreflektierte Liebe, bei der man eben nicht aus Liebe zu dem Anderen etwas tut, sondern nur, um denjenigen haben zu können?

Die Serie „You“ thematisiert das Abdriften eines Verliebten, bis hin zur absolut schlimmsten Eskalation. Das sei hier auf jeden Fall vorangestellt. Aber ist nicht manchmal das Motiv entscheidend für die Beurteilung einer Tat?

Für die Frau seiner Träume tut Joe Goldberg, unser Protagonist, alles. Wirklich alles. Bis hin zu Mord. Aber bedeutet das auch gleich, dass die Liebe krankhaft ist? Ist es nicht vielleicht sogar hochgradig romantisch, wie weit er bereit ist zu gehen?

Die Serie „You“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Caroline Kepnes  und wird gemeinhin immer wieder als der „Stalker-Roman“ beschrieben. Was der komplexen, bittersüßen Liebesgeschichte kein Stück gerecht wird. Das Buch ist übrigens sehr viel besser als die Serie (wie so oft), aber dazu später mehr.

Die Geschichte ist klassisch: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen. Aber was tun, wenn man weder Telefonnummer noch Adresse und nur den Namen hat? Man googelt. Und Joe Goldberg (Penn Badgley, bekannt aus „Gossip Girl“) findet so eine ganze Menge über Guinevere Beck (Elizabeth Lail), die alle nur Beck nennen, heraus. Und kann so eine „zufällige“ Begegnung herbeiführen. Sie kommen sich näher.

Sie soll doch nur mit ihm glücklich sein

Aber Joe sieht sich einigen Hindernissen gegenüber, die ihn und Beck davon abhalten, glücklich zusammen zu sein. Beim Beseitigen der Hindernisse überschreitet Joe auch mehr als einmal Grenzen. Aber er tut es für sie. Er räumt ausschließlich Menschen und Probleme aus dem Weg, die schlecht für Beck sind. Nicht nur um sie „für sich“ zu haben. Das ist ein wichtiges Detail. Joes ganzes Handeln dreht sich darum, dass die beiden zusammen glücklich sind, er will sie glücklich machen.

Er liest ihre Nachrichten, er verfolgt sie heimlich, was einfach nur gruselig ist. Er will sie verstehen, besser kennen lernen und der perfekte Freund für sie sein. Andere Männer verschicken Dick-Pics, vergessen zurückzuschreiben und schauen sich auch gerne Mal anderweitig um. Für Joe gibt es nur Beck. Was ist jetzt besser?

Gleich zu Anfang Becks Ex-Affäre Benji fällig. Er ist menschlicher Abschaum, der Beck nur für Sex benutzt und sie eine „Verrückte“ und einen „Golddigger“ nennt. Aber sie sieht das alles nicht, denn sie ist verliebt in ihn. Joe sperrt den drogenabhängigem Hipster aus reichem Hause in den Keller seiner Buchhandlung. Was dann mit ihm geschieht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nach einiger Zeit denkt Beck nicht mehr an Benji. Und verliebt sich in Joe.

Ähnlich läuft es mit Becks bester Freundin Peach. Hier hat die Serie übrigens kläglich versagt, denn in der Romanvorlage ist besagte Peach eine Egoistin, die Beck wie eine Angestellte herumschubst und von ihr, als ihrer einzige Freundin, verlangt, Tag und Nacht für sie da zu sein. In der Serie hat Peach einen menschlicheren Anstrich bekommen, auch wenn sie auch hier keine Sympathieträgerin ist. Beck bemerkt wieder nicht, dass sie schlecht behandelt wird und verteidigt Peachs Verhalten, unter dem sie mehr und mehr leidet. Joe schreitet ein, da Beck wieder keine Verantwortung für ihr eigenes Leben übernimmt und keine Konsequenzen zieht, ein wiederkehrendes Motiv in der Geschichte.

Das Besondere und Faszinierende an „You“ ist die Erzählweise. Die Romanvorlage ist eine aus der Ich-Perspektive geschriebene Erzählung von Joe an Beck. Man versteht Joes Handeln vollständig und kann in seiner Gedankenwelt versinken. In der Serie hat man dies aufgegriffen, man erlebt die Geschichte aus Joes Sicht. Allerdings wirkt es hier und da so, als wären die Serienmacher zu bemüht zu unterstreichen, dass er ein Verbrecher ist, ein Verrückter. Dem Zuschauer soll klar werden, dass Joe nicht richtig tickt, anhand von Halluzinationen und absurden Gedanken, die für den Zuschauer offensichtlich gestört rüberkommen sollen.

Das ist schade, denn darum geht es in der Geschichte nicht. Um zurück zur Eingangsfrage zu kommen: Liebe und Obsession laufen hintereinander, miteinander und umeinander her und sind untrennbar verbunden. Joe liebt Beck. Und manchmal tut man Schreckliches im Namen der Liebe. Joe ist ein Mörder. Große Liebesgeschichten entstehen nicht in der Vernunft und im Gemäßigten. Vielleicht wird man einfach verrückt, wenn man wirklich verliebt ist.

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