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„The End of the f***ing World“ Bonnie und Clyde reloaded

„The End of the f***ing World“ zeigt die düstere Seite des Teenager-Daseins, wie es Serien eigentlich selten tun. Und das gelingt wirklich gut. Der 14. Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Alyssa (Jessica Barden) und James (Alex Lawther) überfallen eine Tankstelle. Leider dreht der Tankwart ein wenig durch.... Foto: Netflix

„Du bist echt schlecht.“ - „Fick dich doch.“ Mit diesem romantischen Dialog beginnt die Liebesgeschichte von James und Alyssa. Die beiden Teenager sind unglücklich in ihrem Leben, sie passen einfach nicht rein. Wie Alyssa zu Beginn sagt: „Manchmal ist mir einfach alles zu viel.“ Also hauen sie zusammen ab. Beladen mit den Problemen des Erwachsenwerdens und vergangener Traumata finden die Teenager zueinander und zu sich selbst.

„The End of the f***ing World“ porträtiert die düstere Seite des Teenager-Daseins, wie es Serien eigentlich selten tun. Und das gelingt wirklich gut. Denn nicht für alle 17-Jährigen dreht sich alles nur um Handys, Schule, Freunde und Hausarrest.

James lässt sich zu Beginn eigentlich nur auf Alyssa ein, da er glaubt, mit ihr endlich seinen lang gehegten Traum ausleben zu können: Einen Menschen zu töten. Der 17-Jährige hält sich nämlich für einen Psychopathen und kämpft mit Gewaltfantasien. In Alyssa glaubt er das perfekte Opfer gefunden zu haben.

Alyssa hat keinen Platz im Leben

Alyssa fühlt sich zu James hingezogen, weil er anders ist als die anderen. „Ich traue Menschen nicht die zu angepasst sind“, erklärt sie in ihrem inneren Monolog. Dabei kokettiert sie mit ihrem eigenen Nicht-Angepasstsein auf eine so sympathische Weise, dass man dabei fast übersieht, welcher Schmerz das Mädchen überhaupt dazu bringt, sich so zu verhalten.

Alyssa hat keinen Platz im Leben. Sie ist das Kind aus der ersten Ehe ihrer Mutter, die inzwischen wieder verheiratet ist und mit ihrem neuen Partner zwei weitere Kinder hat. Ihr Stiefvater ist nicht nur ein unglaublich fieser Typ, der ihr deutlich klar macht, wie viel besser ihr aller Leben wäre, wenn sie einfach verschwinden würde. Er nähert sich ihr auch auf unangebrachte sexuelle Weise. Ihre Mutter will das alles nicht sehen und versucht verzweifelt, eine perfekte Fassade aufrecht zu erhalten.

James lebt alleine mit seinem Vater, einem unangenehmen, bemüht witzigen Menschen, den er angeblich nicht ausstehen kann. Durch kurze Rückblenden erfährt man im Laufe der Serie, dass hinter der seltsamen Beziehung von James und seinem Vater eine Tragödie steckt, die beide niemals verarbeitet haben.

„Lass uns von hier verschwinden. Du hasst es hier – ich hasse es hier.“ Sie klauen das Auto von James' Vater und so beginnt ihr Roadtrip. Am Anfang besteht der einzige Verbindungspunkt von James und Alyssa im Hass auf das Leben und die andern Menschen. Doch über die Zeit ihrer Flucht entwickeln die beiden Zuneigung zueinander.

Im klassischen Stil von Bonnie und Clyde schlagen sich die beiden durch, begehen Verbrechen und stürzen sich dabei zwar immer tiefer in eine ausweglose Situation, die gemeinsamen Erlebnisse schweißen sie aber zusammen und sie merken, dass sie einander gut tun. Jeder für sich beginnt, seine traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten und sie stärken einander in diesem Prozess. Eine echte, uneingeschränkte Liebe entsteht, die alles für den anderen in Kauf nimmt und auch vor Opfern nicht zurückschreckt.

Die Serie zeigt, wie schwierig das Leben als Teenager ist, wenn man anders ist und man mit Schicksalsschlägen und echten Problemen, wie dem Tod oder der Zurückweisung durch die eigenen Eltern, umgehen muss.

So katastrophal diese Flucht von James und Alyssa vor dem eigenen Leben auch abläuft, so hat die Serie tiefgründige Wahrheiten über das Leben zu bieten. So erklärt der Mitarbeiter einer Tankstelle, die James und Alyssa überfallen, wie sehr er sein Leben hasst. Alyssa hat die Lösung für dieses Problem: „Dann änder' es.“

So einfach diese Antwort ist, sie ist schmerzhaft wahr. Und manchmal ist eben der radikale Bruch der einzige Ausweg, um sich selbst zu finden.

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