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„Mosaic“ auf Sky Femme Fatale wird Kinderbuchautorin

Mit „Basic Instinct" wurde Sharon Stone zur männermordenden Sex-Ikone der Neunziger. In der Soderbergh-Serie „Mosaic" übernimmt sie nun mindestens ebenso gekonnt die Opferrolle. Der 13. Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Mosaic
In der sechsteiligen HBO-Miniserie „Mosaic“ von Steven Soderbergh kehrt die ehemalige Femme Fatale Sharon Stone zurück. Foto: HBO/Sky

Als männermordende Femme Fatale wurde Sharon Stone mit „Basic Instinct“ zu Hollywoods Sex-Ikone der Neunziger. 2001 verschwand sie von der Bildfläche, eine schwere Gehirnblutung kostete sie fast das Leben, Laufen und Sprechen waren plötzlich eine Herausforderung. Ihr Comeback gestaltete sich schwierig, „Basic Instinct 2“ und „Catwoman“ an der Seite von Halle Berry floppten an den Kinokassen, Stone nahm fast nur noch Gastrollen an.

In der sechsteiligen HBO-Miniserie „Mosaic“ von Steven Soderbergh kehrt die ehemalige Femme Fatale zurück, ihre Vorliebe für junge hübsche Männer hat sie sich erhalten, doch diesmal ist sie selbst das Opfer. Sie spielt die Kinderbuchautorin Olivia Lake, die ihrem großen Bestseller hinterhertrauert und ihre Angst vor Alter und Einsamkeit bekämpft, indem sie den potentiellen Künstler-Toy-Boy Joel auf ihrem luxuriösen Anwesen in Utah schuften lässt. Verloben wird sie sich allerdings mit einem anderen, ohne zu wissen, dass dieser andere namens Eric ein skrupelloser Betrüger ist.

Auch Fieslinge verlieben sich

Doch auch Fieslinge verlieben sich. In der Silvesternacht nimmt Eric sich ein Herz, gesteht ihr seine finsteren Pläne und gelobt Besserung. Es kommt zum Streit, sie schmeißt ihn raus. Kurz darauf verschwindet sie spurlos, mal abgesehen von einer verdächtigen Blutspur, und der Frischverlobte hat als Mordverdächtiger plötzlich viel ernstere Probleme als seine kleinen Ganovereien. Die Beweise sind erdrückend, Eric wird verurteilt, vier Jahre später wird der Fall neu aufgerollt.

Viel gespoilert ist damit noch nicht, denn das ist nur der Anfang eines klassischen „Whodunnit“-Krimis, der für den selbsternannten Fernseh-Revolution-Anbieter HBO erstaunlich retro wirkt – aber nur in punkto Plot. Die konventionelle Geschichte lässt sich nämlich neben dem passiven Bingewatching auch auf unkonventionelle Art konsumieren: Nach jeder Filmsequenz entscheidet der Zuschauer per App auf dem Smartphone, welcher Perspektive er als nächstes folgen möchte, um den Schuldigen zu finden. Das Magazin „Wired“ titelt euphorisch: „Steven Soderbergh’s new app will change how you watch TV“. Wobei das mit dem „change“ wohl etwas übertrieben ist, denn wirklich beeinflussen kann der Zuschauer die Handlung offenbar nicht (hierzulande erst recht nicht, denn die App gibt es nur in den USA). Bücher und Videospiele sind da schon lange weiter.

Besser lässt man sich von der Spielerei   nicht ablenken und Meister Soderbergh über die Reihenfolge der Szenen entscheiden. „Mosaic“ ist nämlich nicht nur der Name von Olivias Stiftung zur Förderung der Kreativität von Kindern (ein subtiler Verweis auf Stones eigenes Charity-Engagement), sondern auch das erzähltechnische Verfahren eines Puzzlespiels à la „The Affair“, bei dem die Wahrheit irgendwo zwischen den Perspektiven liegt.

Neben dem Regisseur fällt vor allem Sharon Stone durch ihre Leistung auf. Wie sie ihre Olivia Lake am Rande des Nervenzusammenbruchs balancieren lässt, ist einfach herausragend. Im einen Moment macht die in die Jahre gekommene Autorin ihrem Protegée Joel im Auto eine heftige Szene, weil dieser nichts von seiner jungen Freundin erzählt hat. Im nächsten fällt sie dem betrügerischen Eric vor Joels Augen in die Arme, als sei nichts gewesen.

Sie habe Bedenken gehabt, ob sie sich ihre Zeilen merken könne, sagt Stone über die Dreharbeiten mit Soderbergh und verweist damit auf Spätfolgen ihrer Krankheit. Wenn man sich die Endfassung ansieht, fühlt es sich an, als sei sie schon immer Olivia Lake gewesen.

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