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„Friends“ Ein bisschen viel Penis für das Kleid

Die Serie „Friends“ ist homophob, transphob und will, dass Männer noch echte Männer sind. Trotzdem will man sie nicht so einfach aufgeben. Der 16. Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Friends
Rachel Green (Jennifer Aniston), Ross Geller (David Schwimmer), Chandler Bing (Matthew Perry), Phoebe Buffay (Lisa Kudrow), Monica Geller (Courtney Cox) und Joey Tribbiani (Matt LeBlanc). Foto: 2012 NBCUniversal, Inc.

Darf man das noch lustig finden? „Friends“ ist Kult. Ende der 90er und zu Beginn der 2000er war es die Serie, die einem das Gefühl geben konnte, kein totaler Verlierer zu sein. Die sechs Freunde kämpfen mit Beziehungen, Jobs und Geldproblemen, und das alles mit verdammt viel Witz.

Für mich war „Friends“ schauen immer wie nach Hause kommen. Wenn wieder alles Mist war, gab mir diese Serie immer ein gutes Gefühl. Wohlfühl-TV wie es im Buche steht, eine klare, einfache Handlung, einfallsreiche Dialoge, Charaktere, die man irgendwie alle auf ihre Art mag.

Inzwischen gibt es die Serie auch auf Netflix, und viele jüngere Serienjunkies sehen nun zum ersten Mal die Geschichten um die Sechsergruppe. Und sie nehmen vieles als sehr problematisch wahr. Sexistisch sei die Serie, Homophobie werde als Humor verkauft und es werden Klischees und Vorurteile bedient und geschürt, heißt es. Als großer „Friends“-Fan will man eine der liebsten Serien natürlich nicht einfach so aufgeben. Aber: Ist da vielleicht was dran?

Eine Szene, die als sehr problematisch angesehen wird, ist ein Streit zwischen Ross und Chandler. Sie offenbaren Dinge aus der Vergangenheit des jeweils anderen, bis es schließlich in der größten „Peinlichkeit“ gipfelt: Chandler hat einmal einen Mann geküsst. Da kann die Tatsache, dass Ross sich in Disneyland in die Hose gemacht hat, nicht mithalten. Männliche Zunge schlägt Kot. Chandlers Kuss mit einem Mann wird hier eindeutig als das Peinlichste dargestellt, was einem Mann widerfahren kann. Und das ist völlig daneben.

Schwierig ist auch der Umgang mit der Transsexualität von Chandlers Vater. Denn diese wird immer wieder als Witz benutzt. So sagt Chandlers Mutter zu ihrem Ex-Mann: „Hast du nicht etwas zu viel Penis, um dieses Kleid zu tragen?“ Es folgen johlende Lacher. 

Wenn ein Junge mit Barbies spielt

Viele der Vorwürfe drehen sich vor allem um Ross und seinen Umgang mit Männlichkeit. So hat er in einer Folge ein großes Problem damit, dass sein Sohn gerne mit Barbies spielt, und versucht alles, sein Kind von der bösen weibischen Puppe, die ja so gar nicht in das Bild eines „echten“ Jungen passt, loszubekommen. In einer anderen Folge kommt er nicht damit zurecht, dass Rachel für die Betreuung der gemeinsamen Tochter eine männliche Nanny anheuert. Sein Verhalten ist geprägt von dem Bedürfnis nach Männlichkeit. Stark, kämpferisch (die Barbie-Puppe wird von ihm durch eine GI-Joe-Puppe ersetzt), machohaft. Die männliche Nanny backt, was für Ross das Fass zum Überlaufen bringt. Er fühle sich nicht wohl, und das werde man ja wohl noch sagen dürfen. 

Im ersten Moment ärgert man sich maßlos als Zuschauer. Wichtig ist hier aber, wie die Serie selbst damit umgeht: Denn Ross wird in diesen Szenen eindeutig als der Idiot dargestellt. Die Barbie-Sache ist witzig, eben weil es so eine Sinnlosigkeit ist und Ross sich so anstellt. Auch in der Nanny-Folge ist der Ton eindeutig: Ross liegt falsch und macht sich komplett lächerlich. In diesen Szenen gelingt eine Thematisierung von sexistischen Klischees, die zum Nachdenken anregt.

Leider gilt das für „Friends“ nicht immer. Die Serie, die 1994 in den USA Premiere feierte, ist wie viele Serien aus dieser Zeit nicht immer gut mit Themen umgegangen, die außerhalb der Heteronormativität liegen. Lacher auf Kosten von Frauen, Homosexuellen, Transsexuellen. Diskriminierung ist nicht witzig. 

Ich liebe „Friends“ immer noch. Es bringt mich einfach immer wieder zum Lachen, auch wenn ich einiges heute problematisch sehe. Aber was wirklich großartig ist: Dass den Menschen, die sich die Serien heute ansehen, sofort auffällt, dass es keine Comedy ist, wenn ein Mann angeblich zu viel Penis für ein Kleid hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

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