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BoJack Horseman „Du dummes Stück Scheiße“

Die Netflix-Serie „BoJack Horseman“ zeichnet das Bild von einem dunklen Leben. Und ist damit eine der besten Darstellungen von Depressionen, die es zurzeit im TV gibt. Der vierte Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

BoJack Horseman
BoJack kann einfach nicht glücklich sein. Foto: Netflix

Gerade wurden wieder die Emmys verliehen, sozusagen die Oscars für Serien. Wie man auch zu Award-Shows stehen mag, denn Geschmäcker sind verschieden, hier werden Qualitätsproduktionen ausgezeichnet. Die Emmys für die Kategorie „Animation“ werden meist nur am Rand wahrgenommen, und es treten weiterhin Kinderserien gegen Erwachsenenformate an. Dabei sind die Adult-Animation-Serien zurzeit mit die scharfsinnigsten Inhalte, die aus den USA zu uns herüberschwappen.

Eine davon ist „BoJack Horseman“. Seit Kurzem ist die vierte Staffel der Serie auf Netflix verfügbar. Und bekommt kaum Beachtung. Viele Serienliebhaber scrollen in ihren Netflix-Empfehlungen an dem Pferd vorbei, denn sie denken: „Animierter alberner Kram“. 

Aber das ist die Serie absolut nicht. BoJack, ein abgehalfterter TV-Star, der verzweifelt geliebt und wertgeschätzt werden möchte, kämpft mit sich und seinen inneren Dämonen. Die Serie gilt nicht nur bei Fans als die beste Darstellung von Depressionen im TV. 

Aber die Serie hat auch viel Humor und politisch scharfen Witz. Ein Autorenglanzstück gelingt in der Folge „Gedanken und Gebete“, in der gleichzeitig die Absurdität der US-Waffengesetze und die Weigerung, Gleichberechtigung zu schaffen, vorgeführt werden. Aufgrund einer geschickten PR-Kampagne besorgen sich Frauen vermehrt Waffen, um sich vor männlichen Übergriffen zu schützen. Dann geschieht ein Amoklauf, und das erste Mal in der Geschichte der USA ist der Täter eine Frau. Sofort beginnt eine heftige politische Diskussion, bis die Menschen vor der Wahl stehen: Eine Gesellschaft schaffen, in der sich Frauen sicher und gleichberechtigt fühlen, oder alle Waffen verbieten. Also wird – natürlich – der Waffenbesitz verboten. BoJacks beste Freundin Diane fasst es zusammen: „Dieses Land hasst Frauen mehr, als es Waffen liebt. Unfassbar.“

Verzweiflung trifft Selbsthass

„BoJack Horseman“ ist nicht für jeden was, und auch nicht für jede Stimmung. Eigentlich kann man die Dunkelheit der Serie nur wertschätzen, wenn man die dargestellte Gefühlswelt nachempfinden kann. BoJack ist nicht unbedingt sympathisch. Er trifft dumme, egoistische Entscheidungen, die er noch in dem Moment, in dem er sie trifft, bereut. Er ist – wie im Vorspann angedeutet – am Ertrinken. Er leidet unter seinem Verhalten, weiß aber keinen anderen Weg, das Leben zu meistern. 

Eine der besten Szenen der Serie (bis jetzt), findet sich in der aktuellen Staffel. In der Folge „Du dummes Stück Scheiße“ hört man BoJacks inneren Monolog. Ein Auszug: „Du Stück Scheiße. Du bist echt ’n dummes Stück Scheiße. Aber ich weiß, dass ich ein Stück Scheiße bin, das heißt, ich bin besser als all die anderen Stücke Scheiße, die nicht wissen, dass sie ein Stück Scheiße sind. Oder macht es das schlimmer?“ Oder die Gedanken darüber, was andere über ihn sagen, wenn er nicht dabei ist: „Worüber reden die jetzt wohl gerade? Wahrscheinlich darüber, was für ein dummer Haufen Müll du bist. Du Fettsack. Tu doch der Welt einen Gefallen und schwenk in den Gegenverkehr.“ Die Autoren greifen in dieser Folge die Gedankenwelt einer Depression perfekt auf. 

Gut, es ist jetzt nicht unbedingt gesund, sich in diesem inneren Monolog wiederzuerkennen. Aber die Autoren der Serie müssen die Idee ja irgendwo her haben, und das bedeutet, die Gedankenabwärtsspirale ist nicht völlig unnormal. „BoJack Horseman“ ermöglicht es dem Zuschauer, die eigenen dunklen Gefühle besser zu verstehen und neue Perspektiven darüber zu gewinnen, wie gewisse Handlungsweisen und -muster entstehen. 

„BoJack Horseman“ ist heilsam, wie es wenige andere Serien sein können. Weil es, auch wenn vieles kaputt ist, trotzdem immer irgendwie weitergeht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Serien

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