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„Barry“, HBO Sieht aus wie Dexter, tötet aber nicht halb so gern

Die HBO-Serie „Barry“ erzählt von einem Auftragsmörder, der eigentlich lieber schauspielern will. Der 19. Teil unserer Kolumne „Nächste Folge“.

Barry
Barry will aus dem Tötungsbusiness aussteigen. Foto: HBO

Barry will Schauspieler werden. Als er zufällig in eine Unterrichtsstunde reinplatzt und spontan auf der Bühne einspringt, ist das Feuer in ihm geweckt. Talent hat er keins, aber das ist nicht das größte Problem.

Barry, die Hauptfigur der gleichnamigen HBO-Comedyserie, ist nämlich Auftragskiller von Beruf. Die nötige Erfahrung bringt er aus seinem Einsatz in Afghanistan mit, aber auch die Depression, die ihn bei seinen Aufträgen begleitet. Die Schauspielerei erscheint als ein willkommener Ausweg aus der langweiligen Routine. Doch sein Onkel und Boss findet es gar nicht witzig, dass Barry sich ein Hobby gesucht hat, in dem man so „exponiert“ ist: „Was ist, wenn du gerade einen ausknipsen willst und der würde sagen: Hey, ist das nicht der Typ aus der Hühnersuppenwerbung?“

Dabei ist „exponiert“ sein und unauffällig morden nicht unbedingt ein Gegensatz, zumindest nicht im Fernsehen. Vielleicht hätte der Onkel mal die Serienadaption von „Hannibal“ schauen sollen. Da lacht sich der Serienkiller ins Fäustchen über die Ahnungslosigkeit der Polizei, für die er als psychiatrischer Experte arbeitet. „Hiding in plain sight“ ist auch das Erfolgsrezept von „Dexter“, der neben seinen nächtlichen Streifzügen im Dienste der Selbstjustiz Blutspuren für die Polizei analysiert. Diese Tarnung hält acht Staffeln lang.

Barry, gespielt von Billie Hader aus „Saturday Night Live“, sieht Michael C. Hall aus „Dexter“ zwar verdammt ähnlich, was das Gesicht, den Körperbau und die unauffällige Longsleeve-Arbeitsklamotte angeht. Statt ein anstrengendes Doppelleben wie Dexter zu führen, will der Afghanistan-Veteran aber ganz aus dem ungeliebten Tötungsbusiness aussteigen. Nicht nur sein Onkel, auch eine Gruppe von tschetschenischen Gangstern hat etwas dagegen. Dass irgendwann auch die Polizei hinter Barry her ist, versteht sich von selbst.

So weit, so banal. Der unglaubwürdige Plot dient aber nur als Aufhänger dafür, die Method-Acting-Methoden des Theater- und Filmbetriebs gehörig auf die Schippe zu nehmen. Nach der Ermordung eines Studenten – den Barry eigentlich umbringen sollte, was dann aber die Tschetschenen erledigen – schlägt der Lehrer des Schauspielkurses doch ernsthaft vor, Kapital aus dem Gefühl der Trauer zu schlagen: „Ich nutze ständig meine Vergangenheit in meiner Arbeit. Brauche ich überwältigende Trauer, erinnere ich mich an Prinzessin Dianas Tod. Oder an den Tag in meiner Kindheit, als mein Vater vom Dach gefallen ist.“ Danach bricht der Lehrer die Unterrichtsstunde vorläufig ab und knallt seinen schluchzenden Studenten noch an den Kopf, dass es trotzdem keine Rabatte auf die teure Teilnahmegebühr geben wird.

Die Plattitüden des geschäftstüchtigen Schauspielgurus kommen schnell an bei den Lernwilligen. Bei der Trauerfeier für den ermordeten Studenten bricht dessen Vater in Tränen aus, was auch Barry ziemlich mitnimmt, sollte er doch eigentlich den Mord ausführen. Beim Luftholen vor der Tür erklärt ihm seine Schauspielkollegin Sally, die auch als potentieller Love Interest fungiert: „Diese Gefühle, die du jetzt gerade hast, das sind die Farben auf deiner Schauspielpalette.“

Angesichts der schwierigen beruflichen Situation, die Barry in eine regelrechte Lebenskrise stürzt, dürften da genug Gefühle zusammenkommen, aus denen sich eine bunte Farbpalette zusammenmischen lässt. Auch für Hauptdarsteller Bill Hader ist es eine Erweiterung der Palette, ist „Barry“ doch zugleich sein Regiedebüt. Und ein gelungenes noch dazu.

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