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Zum Tode des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmacher, der Enthusiast

Der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, ist tot. Er starb mit 54 an den Folgen eines Herzinfarkts. Als Feuilletonchef und Bestsellerautor prägte er zahlreiche intellektuelle Debatten. Ein Nachruf.

FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher im September 2013 bei der Trauerfeier für den verstorbenen Literaturkritiker Reich-Ranicki in Frankfurt, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Am 12. Juni 2014 starb Schirrmacher im Alter von 54 Jahren an einem Herzinfarkt. Foto: dpa

Er sei, so heißt es, „überraschend gestorben“. Alles andere wäre eine wirkliche Überraschung. Der 1959 in Wiesbaden geborene Frank Schirrmacher mag Überraschungen nicht so sehr geliebt haben, aber er liebte es zu überraschen. Den Leser, das Gegenüber, die Redaktion. Er war keiner, auf den man bauen konnte. Hatte er eine Fronde mit aufgebaut, war er fähig, sie von einem auf den anderen Tag zu verlassen. Es war sicher kein Vergnügen, ihn zum Vorgesetzten zu haben. Aber es war eines der schönsten Vergnügen des in einem weit entfernten Sessel sitzenden Lesers, Schirrmacher bei seinen Kapriolen zu beobachten.

Er liebte Rollenspiele. Ob er jetzt noch seine FAZ-Rolle so liebte wie er es 1989 als Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki auf dem Stuhl des Literaturchefs tat? Oder gar wie 1994, als er Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde? Er langweilte sich schnell. Aber er war auch fähig, stundenlange Sitzungen zu ertragen. In der Kunst der über Monate ausgesponnenen Intrige, hört man, von denen, die es wissen müssen, von Intriganten also, sei er ein Meister gewesen. Das spricht für Sitzfleisch, für die Fähigkeit sehr lange gar nichts zu tun, um im richtigen Moment zuschnappen zu können.

Seine Quirligkeit ist nicht zu begreifen ohne sein ausgeprägtes Gespür für die Trägheit des Bestehenden. Und seine Bereitschaft dieser Trägheit nachzugeben, ja sich zu ihrem Sprecher zu machen. Er war schon, als er gerade mal Mitte dreißig war, gut darin, den Kohl zu geben. Am Kanzler studierte er, wie Macht funktioniert. Er tat das mit vollem Körpereinsatz. Schirrmacher war, auch darin war er den meisten seiner Kollegen in den Redaktionen weit überlegen, eine mimetische Intelligenz. Er lernte, indem er die Haltung dessen einnahm, von dem er etwas lernen wollte.

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