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Zum Tod von FR-Korrespondent Horst Schreitter Mit leichter Feder

Der FR-Korrespondent Horst Schreitter gehörte zu jener eher raren Sorte von Journalisten, die in fein gesponnener Distanz zu Gott und der Welt und auch zur eigenen Kaste ihr Tagwerk verrichten. Ein Nachruf von Roderich Reifenrath.

26.02.2011 17:17
Roderich Reifenrath

Man musste mal ein ganzes Wochenende mit ihm privat verbringen, um sein Volumen an Witz, Ironie und Humor wirklich zu genießen: Jedenfalls benötigte man etwas mehr Zeit, als im journalistischen Produktionsablauf möglich war - im Großraumbüro, auf gemeinsamen Parteitagen oder bei den immerwährenden Telefonaten zwischen Frankfurt und London, Frankfurt und Washington oder Frankfurt und Bonn.

Horst Schreitter-Schwarzenfeld, der viele Jahre für die Frankfurter Rundschau in mehreren Hauptstädten als Korrespondent gearbeitet hat und der am 23. Februar nach langer Krankheit in Bad Griesbach (Bayern) gestorben ist, gehörte zu jener eher raren Sorte von Journalisten, die in fein gesponnener Distanz zu Gott und der Welt und auch zur eigenen Kaste ihr Tagwerk verrichten.

Bei der Beobachtung des politischen Betriebs näherte er sich gelegentlich mit subtilem Spott seinen Protagonisten – wie es viele unter ihnen verdient hatten. Elemente dieser Fähigkeit, die zugleich eine große innere Unabhängigkeit signalisierten, flossen in seinen Roman "Das Rheingold Papier" ein. Der gescheite Einsatz von Sprache war ihm, dem liebenswerten Sozial-Liberalen und geistigen Weggefährden Karl-Hermann Flachs (FR-Mitglied von 1962-1971), ein Herzensanliegen.

Horst Schreitter, den Zusatz Schwarzenfeld hat er gelegentlich weggelassen, wurde am 11. Februar 1940 in Eger geboren. Er gehörte demnach zur Generation, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt und erlitten hatte: als Kind, das nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs mit den Eltern und Geschwistern kreuz und quer von Ort zu Ort ziehen musste - von Olmütz nach Kaaden, über Annaberg nach Dresden, von Sachsen in den Schwarzwald, bevor dann endlich in Mainz die Odyssee ein Ende fand. Dort machte Horst Schreitter-Schwarzenfeld, ein Sprössling aus altem böhmischem Adel, das Abitur. Und dort beendete er nach universitären Zwischenstationen in München und Tübingen mit dem Examen sein Studium der Geschichte und der Romanistik - von da an immer auch Schillers "Wallenstein" im Rezitationstornister.

Journalismus war das Ziel. Als Volontär der Mainzer Allgemeinen lernte er die Techniken eines Redakteurs, bei jener Zeitung also, aus deren Reihen diverse Nachwuchskräfte bei der Frankfurter Rundschau gelandet sind. Von 1969 an arbeitete er rund zweieinhalb Jahre in der FR-Nachrichtenredaktion, bevor die Zeitung ihn nach London schickte. Der Wechsel 1977 dann auf den Korrespondenten-Premiumplatz Washington wäre nicht denkbar gewesen, hätte auch nur einer aus dem Führungszirkel Zweifel an den professionellen Fähigkeiten des Kandidaten gehabt. Das gleiche galt wieder, als es ihn 1982 nach Deutschland zurückzog und die Chefredaktion ihm einen Platz im Bonner Büro anbot – damals wichtigste Dependance aller nationalen Blätter.

Horst Schreitter-Schwarzenfeld, beim Ausscheiden 1997 aus dem Beruf schwer von seinem Leiden gezeichnet, betreute im Zentrum der "Rheinischen Republik" souverän und kenntnisreich die deutsche Außenpolitik sowie die FDP. Seine besondere Stärke war das Feature, die im relativ freien Stil aufgesetzte leichte Feder. Den Redakteuren in der Zentrale machte er das Leben einfach. An seinen Texten nämlich gab es selten etwas zu ergänzen oder zu streichen - wahrlich nicht selbstverständlich im Journalismus und schon gar nicht dann, wenn unter hohem Zeitdruck verfasste und über Fernschreiber transportierte Manuskripte erst kurz vor Redaktionsschluss in Frankfurt eintrudelten.

Roderich Reifenrath war von 1992 bis 2000 Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

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