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Wibke Bruhns Mit dem Mut einer Pionierin

Selbstbewusst, engagiert, beschimpft: Zum 80. Geburtstag von Wibke Bruhns.

Wibke Bruhns
Wibke Bruhns im Hörfunkstudio, Ende der 60er Jahre. Foto: Imago

War das eine Aufregung. Eine Frau verkündete die Nachrichten. Im Fernsehen! Die Proteste waren heftig (freilich von einer Heftigkeit, die aus heutiger Sicht fast milde erschien). Die Ewiggestrigen wollten die Frau bei Küche und Kindern wissen. Dabei hatte es schon 1952 Irene Koss zur ersten Fernsehansagerin gebracht. Doch Nachrichten, Politisches gar: Das ging vielen Zuschauern auch fast 20 Jahre später noch zu weit.

Vorbild für Dunja Hayali und Claudia Neumann

Die Empörten hatten im Laufe der folgenden Jahre noch mehrfach Gelegenheit, sich über Wibke Bruhns zu echauffieren. Denn sie war nicht nur die erste Nachrichten-Sprecherin des deutschen Fernsehens, als sie am 12. Mai 1971 die Spätausgabe von ZDF heute las. Sie war (und ist) eine selbstbewusste, engagierte und vor allem mutige Frau. Und wurde so zum Vorbild einer Generation von Journalistinnen wie etwa Dunja Hayali oder Claudia Neumann im ZDF, die sich heute wieder übelster Angriffe erwehren müssen.

Die jüngste Tochter von Elsa und Hans Georg Klamroth, der als Mitwisser des Attentatsversuchs vom 20. Juli 1944 von den Nazis exekutiert wurde, zeigte von Anfang an eine Entschiedenheit, die ihre Karriere als eine führende deutsche Journalistin prägte. So brach sie, gerade 22, ihr Volontariat bei der „Bild“ in Hamburg 1960 ab, weil sie die reaktionäre politische Ausrichtung des Springer-Blatts nicht mittragen wollte. Beim neu gegründeten ZDF fand sie zunächst eine berufliche Heimat, moderierte erst die „Drehscheibe“, dann die „Heute“-Sendung. Doch das füllte sie nicht aus, und so war nach 380 Ausgaben Schluss: „Anderer Leute Texte vorzulesen ohne eigene Interpretation war mein Ding nicht.“

Wibke Bruhns’ beruflicher Werdegang fiel in eine Zeit des politischen Aufbruchs. Seit 1969 gab es die erste Koalition der Republik mit der SPD an der Spitze. Mit ihrem öffentlichen Engagement für Willy Brandts Wahlkampf (sie war SPD-Mitglied), löste sie eine Debatte darüber aus, ob sie das als Sprecherin einer öffentlich-rechtlichen Anstalt tun dürfe. Später wurde ihr gar eine Affäre mit Brandt nachgesagt.

Nachdem sie den Kollegen Werner Bruhns geheiratet und zwei Kinder bekommen hatte, arbeitete sie für den WDR und das Magazin „Panorama“, dann für den „Stern“, für den sie nach dem Tod ihres Mannes als Korrespondentin nach Israel und später nach Washington ging. Zu ihren literarischen Arbeiten gehören Bücher über Israel („Mein Jerusalem“) und ihre viel gelobte Geschichte der eigenen Familie: „Meines Vaters Land“. Heute kann Wibke Bruhns, eine Pionierin des bundesdeutschen Journalismus, ihren 80. Geburtstag feiern.

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