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VG Wort Alles Geld für die Autoren

Die VG Wort macht Ansprüche aus Urheberrechten geltend und bittet Copyshops und Bibliotheken zur Kasse. Bisher floss die Hälfte der Einnahmen an die Verlage. Jetzt entscheidet der BGH: Das Geld steht ausschließlich den Autoren zu.

21.04.2016 16:58
Cornelia Geißler
Wem steht in diesem Falle Geld zu? Foto: dpa

Heute geht es mal wieder ums Geld. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Donnerstag ein Urteil gefällt, in dessen Folge Buchautoren etwas dazu bekommen, während es ihren Verlagen weggenommen wird. Viele Autoren wird das freuen, mehr als 1000 haben im Frühjahr einen Brief unterzeichnet, der sich genau für diese Lösung einsetzte. Doch auch viele Autoren finden diese Entscheidung bedenklich, weil sie in ihren Verlagen mehr sehen als nur einen Dienstleister. Die haben jedoch keine Unterschriften gesammelt.

Dazu muss kurz erklärt werden, dass es hier nicht um das Honorar für das Manuskript oder um die Gewinnbeteiligung des Autors geht. Das BGH-Urteil bezieht sich auf das Geld, was mit der weiteren Verwertung des Buches eingenommen wird. Es geht um die Ausleihen in Bibliotheken, um die Kopien, die Lehrer oder Studenten anfertigen, um das Hochladen von Zitaten in das Intranet von Schulen. Die Rechte an diesen Vervielfältigungen nimmt seit Jahrzehnten die VG (Verwertungsgesellschaft) Wort wahr. Sie sammelt bei Kopiergeräteherstellern, USB-Stick-Produzenten und so weiter Gebühren ein – im Jahr etwa 120 Millionen Euro. Üblicherweise erhalten davon in Deutschland Autoren belletristischer Werke 70 Prozent und ihre Verleger 30 Prozent, bei Fach- und Sachbüchern gilt eine 50-50-Regelung.

Damit ist es jetzt vorbei. Jetzt soll alles an die Autoren gehen, das Gericht sieht sie allein als die Urheber. Die Verlage reagieren geschockt, auch wenn es ein Urteil mit Ansage war. Es gingen ihm Entscheidungen des Landesgerichts und des Oberlandesgerichts München voraus. Es gab ein Urteil in Belgien, wo die dortige Verwertungsgesellschaft der Druckerfirma Hewlett-Packard unterlag. Seit 2012 zahlt die VG Wort den Verlagen nur noch unter Vorbehalt die Tantiemen aus. Die müssen nun zurückgegeben werden.

Susanne Schüssler vom Verlag Klaus Wagenbach rechnet mit mindestens 60.000 Euro, „das ist Geld, was man als Verlag nicht übrig hat“. Die Autoren hätten nur kurzfristig etwas davon, künftig würden die Produzenten von Kopiergeräten versuchen, weniger zu zahlen. Für C.H. Links bedeutet es, dass nicht nur das Geld, das der Verlag gerade mit dem Kurt-Wolff-Preis bekommen hat – 26.000 Euro – weg ist, sondern doppelt so viel. Jo Lendle, Chef des Carl Hanser Verlags, erklärt, dass es nicht nur die kleinen Häuser betreffe; die großen Verlage, die mehr Bücher herausbringen, sind proportional genauso berührt. „Die Entscheidung ist höchst bedenklich und bedauerlich.“

Ein Problem liegt darin, wie man die Urheberschaft eines Buches definiert. Sicher haben Verlage, die sich nicht um ihre Autoren oder nur um einzelne Spitzentitel kümmern, dem Ruf der Branche geschadet. Eigentlich sollten aber Autoren mit ihrem Werk gepflegt werden, Themen entwickelt und Manuskripte durch Lektoren nicht nur geprüft, sondern betreut werden.

Fach- und Sachbücher brauchen ergänzende Register und Bilder, Recherchen, die der Autor allein nicht leisten kann. Doch anders als in der Filmbranche, wo auch die Produzenten als Urheber der Werke angesehen werden, gilt für solche Arbeiten in den Verlagen kein Leistungsschutzrecht. Nun ist die Politik an der Reihe. Nicht nur um künftig vielleicht ein europäisches Gesetz zu ändern. Die Zahlungsforderung wird viele unabhängige Verlage so hart treffen, dass ihnen die Insolvenz droht.

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