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USA Entschlossenes Engagement

Den Schüssen in der Redaktion der US-Zeitung „The Capital“ folgt eine Welle der Solidarität.

Annapolis
Kerzen für die Opfer des Angriffs auf „The Capital“ in Annapolis. Foto: rtr

Eines kann ich euch sagen: Wir bringen morgen eine verdammte Zeitung heraus.“ Die tödlichen Schüsse in der Redaktion der Lokalzeitung „The Capital“ in Annapolis im Nordosten der USA waren erst ein paar Stunden her, da verbreitete Reporter Chase Cook diese Ankündigung über Twitter. Auf der Titelseite des Blattes vom 29. Juni waren am nächsten Tag die Gesichter von fünf seiner Kollegen zu sehen. Die Schlagzeile dazu: „Fünf in der Capital-Redaktion erschossen“.

Besonders für Journalisten, nicht nur in den USA, war die Nachricht ein Schock. Am 28. Juni verbreitete sie sich zuerst über die sozialen Netzwerke: Ein Mann hatte in den Capital-Gazette-Redaktionsräumen, in denen außer „The Capital“ noch weitere Titel entstehen und das Onlineportal capitalgazette.com, das Feuer eröffnet. Fünf Tote, zwei Verletzte – und das in einer Zeit, in der die US-Presse sich immer wieder massiven Verbalattacken, nicht zuletzt aus dem Weißen Haus, ausgesetzt sieht.

„Wir wollten sofort helfen“, erinnert sich Cheryl W. Thompson, Vorsitzende der Vereinigung „Investigativ-Reporter und -Redakteure“ (IRE) und Reporterin für die „Washington Post“. Schnell war klar: Die erste Ausgabe nach den Schüssen konnte die Redaktion zwar stemmen, aber mittelfristig wäre das nach dem für viele Mitarbeiter traumatischen Ereignis schwierig gewesen. IRE veröffentlichte einen Aufruf an Journalisten, die Redaktion zu unterstützen. „Innerhalb von vier Stunden haben sich mehr als 350 Freiwillige gemeldet“, sagt Thompson. Die Hilfsangebote koordinierte Andrew Green, Ressortleiter Meinung der „Baltimore Sun“, die wie der Capital-Gazette-Verlag zu dem großen Medien-Konzern Tronc gehört. Auch andere Organisationen und Redaktionen hätten sich sofort nach den Schüssen gemeldet, sagt er im FR-Gespräch.

Schon auf den Tweet von Chase Cook hatten Journalisten spontan mit dem Angebot reagiert, Artikel beizusteuern oder anderweitig zu helfen. Etliche Reporter, Fotografen, Redakteure hätten dann schnell mit angepackt, zu Beginn aus der Ferne oder in der Redaktion der „Baltimore Sun“, um die Kollegen der „Capital“ nicht ständig mit unbekannten Gesichtern zu konfrontieren, berichtet Green. Schließlich waren es mehr Journalistinnen und Journalisten, die ihre Hilfe anboten, als überhaupt gebraucht wurden.

Viele Journalisten in den USA hätten den Angriff nicht als Angriff auf einige Mitarbeiter einer Lokalzeitung gesehen, „sondern auf den Journalismus insgesamt“. So erklärte er sich die Welle der Solidarität – und die Entschlossenheit der Redaktion, ihre Zeitung weiter täglich herauszubringen. „Die Leute, die mit den Opfern zusammengearbeitet haben, wussten, diese hätten das genauso gemacht – so waren sie, das war, was sie getan haben.“

Werktags hat „The Capital“ nach eigenen Angaben eine Auflage von fast 20 000 Exemplaren, sonntags sind es etwas mehr. Nach den Schüssen stiegen die Abonnentenzahlen sowohl für die Online- als auch für die Printausgabe, teilt eine Sprecherin des Verlags auf Anfrage mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Bis heute konnte „The Capital“ jedenfalls tatsächlich an jedem Tag nach dem tödlichen Angriff eine „verdammte Zeitung“ herausbringen. „Das sagt viel aus über das Engagement und den Mut der Redaktion“, sagt Thompson von IRE, die an der George-Washington-Universität Journalismus lehrt. An die Ermordeten erinnert inzwischen auch der „Capital Gazette Memorial Fund“, der jährlich einen Preis an Journalismus-Studenten vergeben soll. Eine weiterer Fond unterstützt die Angehörigen und Überlebenden.

Der noch am Tag der Tat festgenommene mutmaßliche Täter erschien derweil am Montag erstmals persönlich vor Gericht. Zuvor hatte der 38-jährige Jarrod R. bereits seine Anwälte ausrichten lassen, dass er in Bezug auf die Anklage wegen fünffachen Mordes auf nicht schuldig plädiere. Capitalgazette.com berichtet, die Eröffnung der Hauptverhandlung sei für den 15. Januar geplant. Die Verteidigung erwäge offenbar, ihren Klienten aufgrund einer psychischen Erkrankung für nicht-schuldfähig erklären zu lassen.

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