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Unternehmen In fragwürdiger Gesellschaft

Constantin Medien ist wieder in festen Händen. Finanziert hat das ein Investor, der in U-Haft sitzt.

Wer lange in rauer See vom Untergang bedroht war, sehnt sich nach einem sicheren Hafen. Insofern können die Beschäftigten der Münchner Constantin Medien aufatmen. Gut drei Viertel ihrer Anteile sind seit einigen Tagen mehr oder weniger in einer Hand, die Monate eines existenzbedrohenden Gesellschafterstreits überwunden. Die Gesellschaft, in der die Münchner gelandet sind, verdient aber einen genaueren Blick. Nach einem erfolgreichen Übernahmeangebot halten Firmen, die vom Schweizer Geschäftsmann Bernhard Burgener kontrolliert werden, weitere gut 48 und nun insgesamt 78 Prozent an Constantin. Primär finanziert hat das Geschäftspartner Alexander Studhalter. Der sitzt seit gut vier Wochen in französischer Untersuchungshaft, was einige Fragen aufwirft.

Ermittler aus Nizza werfen dem Investor vor, als Strohmann für den russischen Oligarchen Suleiman Kerimow eine Villa an der Côte d’Azur gekauft, dabei Geld gewaschen und sich der Steuerhinterziehung schuldig gemacht zu haben, berichten Schweizer Medien. Statt deklarierter 35 Millionen Euro soll der wahre Kaufpreis der Immobilie 127 Millionen Euro betragen haben. Studhalters Anwälte bestreiten sämtliche Vorwürfe und gehen ihrerseits die französische Justiz hart an. Ein Antrag auf Haftentlassung wurde gleichwohl jüngst abgelehnt. Auch Kerimow, der als Vertrauter des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin gilt, war in der Sache schon einmal festgesetzt worden, wurde dann aber gegen Kaution in Hausarrest entlassen. Studhalter sitzt weiter ein, was auch für das Verhältnis zu Constantin nicht folgenlos geblieben ist.

Solange die Untersuchungen laufen, lasse Studhalter seine Rechte in den Unternehmen der Burgener-Mediengruppe ruhen, sagt eine Burgener-Sprecherin in der Schweiz. Der Investor ist beteiligt an der Burgener-Firma Highlight, die ihrerseits Constantin-Anteile hält. Eine Gefahr, dass wegen der zur Rede stehenden Steuerdelikte Geldmittel abgezogen werden, bestehe nicht, betont man in der Schweiz. Mit dem Vernehmen nach 110 Millionen Euro hat Studhalter das jüngste Übernahmeangebot für Constantin unterstützt. Nicht beantwortet bleibt indessen die Frage, ob er weiter als Finanzier zur Verfügung steht. Wichtig ist das vor allem wegen einer Constantin-Anleihe über 65 Millionen Euro, die am 23. April fällig wird. Die sei Angelegenheit von Constantin, heißt es in der Schweiz. Die Münchner aber schweigen und verweisen in der Angelegenheit ihrerseits in die Schweiz.

Als Constantin die Anleihe ausgegeben hat, waren die Machtverhältnisse noch andere. Damals hatten die Münchner noch die Macht bei der gleichnamigen Constantin Film, Deutschlands größter Filmproduktionsfirma mit Kassenschlagern wie „Fack Ju Göhte“ und eine Holdingfunktion für die Mediengruppe, die nun inklusive Sportrechtehandel (Fußball Champions League) von der Schweiz aus von Burgener & Co kontrolliert wird. Constantin in München ist reduziert auf den Spartensender Sport1 und die auf Sportveranstaltungen spezialisierte Produktionsfirma Plazamedia. Ohne Hilfe Dritter, sagen Experten den Münchnern große Schwierigkeiten voraus, ihre Anleihe zurückzuzahlen.

Managen muss das Problem Constantin-Chef Olaf Schröder, der erst seit vorigen August im Amt ist und dessen Mandat soeben bis Ende 2021 verlängert wurde. Er hat übernommen, nachdem sich der ehemalige Kirch-Manager Dieter Hahn als Constantin-Gesellschafter zurückgezogen hat und dabei auch Constantin-Chef Fred Kogel den Hut nehmen musste. Ob oder mit wem Schröder in Sachen Anleihe verhandelt, will am Firmensitz in Ismaning bei München niemand sagen. Auch die Frage, ob Studhalter hier als Finanzier eingeplant war, bleibt vorerst unbeantwortet. Vielleicht kommt er bis dahin auch frei und wird wieder handlungsfähig. Zwei Monate sind noch Zeit.

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