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Trevor Noah „Daily Show“ „Ich habe bisher schon kein normales Leben geführt“

Der südafrikanische Komiker Trevor Noah übernimmt die einflussreiche US-Satiresendung „Daily Show“.

Trevor Noah, 31,Sohn einer Südafrikanerin und eines Schweizers. Foto: dpa

Die Nachricht war eine echte Überraschung: Der südafrikanische Comedian Trevor Noah soll Nachfolger von Jon Stewart als Gastgeber der politischen Satiresendung „Daily Show“ werden – dem Vorbild der „heute-show“. Der Sender Comedy Central wagt damit zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit viel. Vor kurzem erst trat der schwarze Comedian Larry Wilmore mit seiner „Nightly Show“ die Nachfolge des legendären Stephen Colbert an. Und nun wird ein weitgehend unbekannter 31-Jähriger aus Soweto die wichtigste Satiresendung Amerikas übernehmen. Eine Sendung, deren Einfluss so groß ist, dass selbst große politische Magazine regelmäßig darüber berichten, welche Themen Jon Stewart aufgegriffen hat.

Noch kann sich niemand vorstellen, wie man Stewart ersetzen kann. Doch genau das ist der Grund, warum sich Comedy Central für den Neuling Noah entschieden hat. Michele Ganeless, die Präsidentin des Senders, sagte der „New York Times“: „Man kann nicht darauf hoffen, den nächsten Jon Stewart zu finden. Daher war es unser Ziel, jemanden zu finden, der etwas wirklich Aufregendes, Neues und Anderes einbringt.“ Und das kann Noah aller Voraussicht nach. Er hat überzeugende Stand-up-Auftritte in den großen Late-Night-Shows von Jay Leno und David Letterman gezeigt und gehört seit Dezember 2014 zu den Mitarbeitern der „Daily Show“. Schon in seinem ersten Auftritt bei Jon Stewart wurden seine Qualitäten offensichtlich: eine scharfe Beobachtungsgabe für politische Fehlentwicklungen, ein Blick von außen auf die sich oft nur selbst reflektierende US-Gesellschaft und eine sympathische Selbstironie.

Dennoch konnte Noah selbst kaum glauben, dass die Wahl von Comedy Central auf ihn gefallen ist. „Eigentlich hätte ich einen starken Drink gebraucht“, sagte er in Dubai, wo er während einer Tournee von seinem neuen Job erfuhr, „doch nun bin ich ausgerechnet an einem Ort, wo ich keinen Alkohol kriegen kann.“

Für Noah ist dies ein Karrieresprung, auf den er nicht einmal zu hoffen wagte. In der „New York Times“ gab er gelassen zu Protokoll: „Ich habe bisher schon kein normales Leben gelebt, schließlich bin ich in einem Land aufgewachsen, das nicht normal war.“ Er stammt aus dem Township Soweto, wo er als Sohn einer schwarzen Mutter aus dem Volk der Xhosa und eines Schweizers geboren wurde. Seine Eltern hielten ihre Beziehung jahrelang geheim, weil sie im Apartheidstaat Südafrika verboten war. Wenn sie zusammen unterwegs waren, musste sein Vater auf der anderen Straßenseite gehen und seine Mutter traute sich nicht, seine Hand zu halten, weil er offenkundig ein „Mischling“ ist.

Diese Erfahrungen seiner Kindheit prägten vor allem seine frühen Auftritte als Comedian nach der Jahrtausendwende. Später setzte er sich in seinen Programmen immer wieder mit Klischees von Afrika auseinander. So machte er sich bei Letterman über die Ankündigung lustig, dass ein afrikanischer Comedian auftrete: „Sie lassen das so klingen, als ob gleich ein Typ mit einem Leopardenfell auf die Bühne gerannt käme.“

In Südafrika jedenfalls ist die Regierung so stolz auf den neuen TV-Star, dass Kulturminister Nathi Mthethwa erklärte: „Trevor Noah ist ein hoch talentierter junger Künstler, der die Freiheit der Kunst und ihre gesellschaftliche Bedeutung verkörpert. Seine Karriere zeugt von dem Format und der Qualität südafrikanischer Künstler.“ Selbst wenn das ein wenig übertrieben erscheint, ist der Stolz des Ministers verständlich.

Doch nicht nur für Südafrikas Kultur ist Noahs Erfolg bemerkenswert, sondern auch für die USA. Erneut hat sich ein Sender für einen ausländischen Künstler an einer wichtigen Position entschieden. Vor kurzem erst hat der Engländer James Corden die „Late Late Show“ auf CBS übernommen (als Nachfolger des Schotten Craig Ferguson) und – noch wichtiger: John Oliver, ebenfalls Engländer und ehemaliger Kollege Stewarts, moderiert seit vergangenem Jahr auf HBO seine eigene Satiresendung „Last Week Tonight“. Oliver erweist sich derzeit als der wohl amüsanteste und analytisch schärfste Kritiker der US-Politik.

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