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„taz“ Tageszeitung, nur am Wochenende?

„taz“-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch will die täglich in Berlin erscheinende Zeitung werktags nur noch online herausgeben.

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Auf einem Kongress der taz werden Printausgaben der Zeitung verschenkt. Foto: imago

Eigentlich heißt sie ja „Die Tageszeitung“. Doch was der ausgeschriebene Titel der in Berlin erscheinenden „taz“ suggeriert, könnte bald Geschichte sein. Denn die im wöchentlichen Mittel 35.835 Druckexemplare starke Zeitung (IVW-Zahlen für das aktuelle Quartal) soll künftig nur noch samstags in der Print-Version erscheinen. So schwebt es „taz“-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch in dem aktuellen Mitgliederinfo an die „taz“-Genossenschaft vor, worin er an deren 18.166 Mitglieder schreibt: „Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter.“

Dem pflichtete auf FR-Anfrage auch der zweite „taz“-Geschäftsführer Andreas Bull bei: „80 Prozent der täglich erscheinenden Zeitungen werden in den Kiosken abends wieder abgeholt und zu Altpapier.“ Die Zukunft liegt im Digitalen, ist sich auch Bull sicher.

Glaubt man seinem Kollegen Ruch, mag es da ein Vorteil für die „taz“ sein, dass ihre Genossenschaft die Zeitung herausbringt – nach dem Motto „Die ‚taz‘ – gehört der ‚taz‘“. Ruch nennt das „eine Geschäftsgrundlage, die es möglich macht, Risiken einzugehen, um die Zukunft der ‚taz‘ zu sichern“.

Eben dies will er den Genossenschaftlern für die nächste Generalversammlung im September ins Stammbuch schreiben, ehe der „taz“-Mitbegründer 2019 in Rente geht. Es sei keine Zeit zu verlieren, „die notwendigen Veränderungen in allen Dimensionen“ auszutarieren. Unter dem Titel „Szenario 2022“ – dem Jahr, in dem die Umstellung auf digital abgeschlossen sein soll – ruft Ruch die Genossinnen und Genossen dazu auf, Ideen für den Übergang einzubringen.

Bereits im März legte ein Team aus „taz“-Mitarbeiterinnen und Angestellten einen Innovationsreport vor, der forderte: „Die ‚taz‘ muss zu einer digitalen Marke werden“, ein „Graswurzel-Digitalkollektiv“ frei nach dem Motto: „Scheiß auf Print, Papier ist zum Po-Abwischen“. Laut dem Papier nehme die „taz“ mit der gedruckten Auflage zwar noch am meisten Geld ein, doch sinke die Auflage – und entgegen dem Branchentrend gehe auch die Zahl der Online-Leser zurück, obwohl die „taz“ ihre Texte aus der Printausgabe gebührenfrei auf taz.de veröffentlicht.

Statt auf eine Bezahlschranke („Paywall“) setzt die „taz“ seit 2012 auf ihre so genannte „Paywahl“: Die Leser können freiwillig für die Online-Lektüre zahlen. Laut eigenen Angaben komme damit monatlich „konstant ein 5-stelliger Betrag zusammen – immer noch zu wenig, um zusammen mit den Onlineanzeigen den finanziellen Aufwand für taz.de zu decken, aber dennoch eine wichtige Säule, den freien Zugang zum Onlineangebot der ‚taz‘ zu erhalten.“

Auch die Autoren des Innovationspapiers halten daran fest, im Netz „immer kostenlos zugänglich zu sein“. Es sei aber „denkbar, für bestimmte Leistungen online wirklich Geld zu verlangen, etwa für eine spezielle Kuratierung der Texte“. Auf ein definitives Ende der gedruckten „taz“, gar einen Termin ließen sich die Innovationsstrategen nicht ein. Diese Frage lenke die Aufmerksamkeit zurück „auf ein Produkt, an das wir uns schon viel zu lange klammern“. Entscheidend sei nicht, „ob und wann Print stirbt, sondern wie die ‚taz‘ der Zukunft aussieht“. Bei Letzterem dürfte Ruch, der nach Veröffentlichung der Mitgliederinfo in Urlaub gegangen ist, nicht widersprechen.

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