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Tatort Thiel und Boerne müssen mal dringend ins Bad

Nach Ermüdungserscheinungen gelingt dem "Tatort" aus Münster wieder eine schöne Kriminalkomödie. Von Judith von Sternburg

Das Clownsduo Thiel/Boerne, Axel Prahl und Jan Josef Liefers, dreht erneut schwer auf. Aber die Gratwanderung des Zuschauers zwischen Augenrollen und Kichern arrangieren Stefan Cantz und Jan Hinter (Buch) sowie Kaspar Heidelbach (Regie), allesamt Münster-"Tatort"-erfahren, endlich einmal wieder nahezu perfekt. Während man mit den Augen rollt, kichert man beständig.

"Fluch der Mumie" ist, wie der Titel schon andeutet, die reinste Kriminalkomödie. Die zur Rede stehende Mumie findet Thiels Vater beim Entrümpeln eines Archäologen-Dachbodens. Als er danach schockiert nach Hause kommt, trifft er dort die leicht bekleideten Thiel und Boerne, die daheim gegenwärtig kein Wasser haben und seine Dusche benutzen wollten. Später wird Boerne versuchen, bei seiner berühmten Assistentin (ChrisTine Urspruch) ins Bad vorzudringen, wobei ihm zwar gerade noch ihr richtiger Name einfällt, "Frau, äh, Haller", aber ein sehr großer junger Mann (Tobias Schenke) den Weg verstellt. Und so weiter.

Das ist das Witzniveau, auf dem sich "Fluch der Mumie" bewegt. Dick aufgetragen ist gar kein Ausdruck. Aber Text und Inszenierung halten alles am Laufen. Einen aparten Kontrast zum bodenständigen bildet der akademische Klamauk. Gerichtsmediziner Boerne und ein Archäologe - "auf gute interdisziplinäre Zusammenarbeit" - zanken bald mit allen Methoden um das Vorrecht, die Mumie zu begutachten. Den Archäologen spielt Justus von Dohnányi, optisch ganz à la Christian Thielemann, als routinierten Angehörigen des Wissenschaftsbetriebes, der gewohnt ist, mit Strebsamkeit und Hochmut alle Hürden zu nehmen. Ein Typ mit hohem Wiedererkennungseffekt.

Trotz der kleinen Pausen zur Witzentfaltung ist eine Menge los. Frau Haller kommt dabei nicht nur als Stichwortgeberin ins Bild. Außer der Mumie macht ein umstrittener Gefängniswärter Arbeit, der tot auf seiner Kellertreppe liegt. Während man da etwas zu schnell durchblickt, aber auch denkt, dass es diesmal unmöglich sein wird, die beiden Stränge zu verbinden, arbeiten Cantz und Hinter bereits fleißig daran. Die Konstruktion ist abwegig, aber in sich rund.

Tatort: Fluch der Mumie, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD.

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