Lade Inhalte...

Tatort Showdown mit Schwiegermutter

Es können nicht immer alle böse sein: Ein besinnlicher "Tatort" zur Nachweihnachtszeit.

Zum Abschluss des Weihnachtswochenendes gibt es am Sonntagabend einen Familien-"Tatort". Wie weiland Hercule Poirot werden auch die SWR-Kommissare Lannert und Bootz, Richy Müller und Felix Klare, die Angehörigen des Opfers zu einer finalen Runde der Wahrheit im heimischen Wohnzimmer zusammenrufen. Und zu den Klängen von "Spiel mir das Lied vom Tod" tritt Bootz gegen seine Schwiegermutter zum Showdown im "Mensch ärgere dich nicht" an.

Und Lannerts Nachbarin hat neuerdings einen Liebhaber. Er ist nicht ganz so alt wie der Herr Kommissar. Da brennt die Luft. "Altlasten" - ein doppeldeutiger Titel - umspielt aber nicht nur mit Witz, Überraschungseffekten und nicht zu vielen Klischees das Thema häusliches Zusammenleben.

Das Drehbuch von Katrin Bühlig bringt auch heiklere Facetten unter: die Zweiklassen-Medizin, das Alt-Werden, das Erschrecken über das Vergessen, die Qual des Nicht-Vergessen-Könnens. Hausärzte erscheinen dabei in keinem günstigen Licht, zumal - wie an anderen Stellen in dieser ziemlich ausgefeilten Geschichte - die üblichen Ausreden nicht gelten.

Mag der Arzt noch so sehr auf das Gesundheitssystem schimpfen, jetzt hat er dennoch den Ärger seines Lebens am Hals. Das ist der diesmal nur kurz auftretenden Staatsanwältin (Carolina Vera) zu verdanken.

Man kann es unbefangen erzählen, weil sich der Fall selbst familiär anlässt, mit einer festlich besetzten und von Eoin Moore trefflich inszenierten Familie. Bibiana Zeller ist dabei als die nur auf den ersten Blick zarte Witwe zu sehen, Andreas Schmidt als ihr verlotterter Sprössling.

Inka Friedrich ist die straffe Tochter, die Beruf und zwei Kinder unter einen Hut bringen muss. Ihr Sohn hat Trisomie 21. Ihr Mann, Steffen Münster, ist tüchtig und zu alten Sekretärinnen gar nicht nett. Dieter Schaad wird eingangs als vergiftete Leiche gezeigt und außerdem in weichen Rückblenden: der erfolgreiche, prinzipientreue Herr des Hauses, der Traummann seiner Frau.

Trotz all dieser verdächtigen Zuschreibungen ist es empfehlenswert, abzuwarten. Im Rahmen ihrer Ermittlungen treten Lannert und Bootz als spontane Altenpfleger und schwules Pärchen auf. Ersteres aus Erschütterung, zweiteres aus Trotz, beides zu Recht. Nicht immer jedoch ist die Polizei auf der Höhe der psychologischen Vorgänge.

"Dann war das sicher eine Erleichterung, als Ihr Vater gestorben ist", muss sich die Tochter von den noch jungen Stuttgarter Ermittlern sagen lassen. Das Ende aber rückt manches gerade. Es kann auf der Welt eben nicht immer alles böse sein, jedenfalls nicht an Weihnachten.

Und während sich alles in Tränen auflöst, wird noch Tom Waits’ "Lullaby" aufgefahren, um dem Publikum den Rest zu geben.

Tatort: Altlasten, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen