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Tatort "Höllenfahrt" Schickes Auto bricht durch Maisfeld

Unbedingt sehenswert, wie der schicke Wagen von Boerne durchs Maisfeld bricht oder wie er mit Thiele, nachdem das Auto abgenippelt ist, ins Keifen gerät. Von Judith von Sternburg

Münsters Tatort-Ermittler sind wieder schwer in Fahrt und lösen nebenbei noch einen Klassiker. Foto: ARD

Auch diesmal gelingt es dem Münsterischen Clownsduo Thiel/Boerne, Axel Prahl/Jan Josef Liefers, neben Spaß, Sport und Spiel noch einen Kriminalfall zu lösen. Letzteres ergibt sich aus wilden Autofahrten, wilden Zufällen und schließlich einem 1+1-Zusammenzählen, das der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich hat. Der Zuschauer wird schließlich auch weniger abgelenkt als zum Beispiel Boerne, der sich auf eine Privatfehde mit einem Rudel Radfahrer einlässt.

Außerdem sieht er Matthias Seeligs und Claudia Falks Buch "Höllenfahrt" - ein zynischer Titel, wie sich zeigt - in der Inszenierung von Tim Trageser. Und erkennt, wie auch eine ungemein nebenbei eingeführte Nebenfigur in einem anständigen Fernsehkrimi sofort verdächtig wirkt. Verdächtig welcher Sache auch immer. Vielleicht, weil der Betreffende so aus dem Winkel guckt. Boerne jedenfalls merkt rein gar nichts.

In der Eingangssequenz mogelt der Pathologe beim Golf (ein starkes Stück, wie Golfer wissen) und will der Kommissar bei einer Weiterbildung nicht, wie der Weiterbildende will (ein alltägliches Phänomen, wie Weitergebildete wissen). Und sogar das Auftauchen der Leichen, mit Freuden sonderbar gefilmt, signalisiert, dass wir in einer echten Krimikomödie gelandet sind. Sie parodiert mittels Häufung vertrauter Elemente: der entsprungene Psychiatrieinsasse, gut platzierte Indizien, der Monolog des Täters. Dessen klassische Schuld-und-Sühne-Geschichte - neben Boernes Gesengte-Sau-Fahrstil die zweite Höllenfahrt - ist aber nicht lustig. Da knirscht die Konstruktion.

Die Thiel/Boerne-Dialoge bekommen derweil zunehmend etwas Delling-Netzerisches. "Jetzt sag ich Ihnen mal, was ich denke." "Das kann ja nicht viel sein." Unbedingt sehenswert aber, wie der schicke Wagen von Boerne durchs Maisfeld bricht (geeignet für den kollektiven Kino-Lacher) oder wie die Herren, nachdem das Auto abgenippelt ist, ins Keifen geraten. Keifen und Zum-Duell-Herausfordern scheinen bei Männern ineinander übergehende Vorgänge zu sein. Erstaunlich, was für Geräusche ein elektronisch aufgerüstetes Auto beim Abnippeln macht.

Auch herrlich aus dem Leben gegriffen die Szenen, in denen Boerne und Thiel die Frauen aus ihrem Arbeitsumfeld zu Kofferträgerinnen und Telefonistinnen degradieren. Aber da klingelt schon das Telefon, die Seiten müssen noch gebaut werden, und wann kommt eigentlich der Chef wieder?

"Tatort: Höllenfahrt", ARD, So.,

20.15 Uhr.

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