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"Tatort" aus Leipzig Stark ist anders

Der "Tatort: Schön ist anders" aus Leipzig mit Simone Thomalla und Martin Wuttke bleibt unter seinen Möglichkeiten - mit einer Ausnahme.

Simone Thomalla und Martin Wuttke bei den Dreharbeiten in Leipzig. Foto: dpa

Den Titelsatz „Schön ist anders“ spricht Corinna Harfouch aus. Als bitter-kühle Leipziger Chocolaterie-Betreiberin kommentiert sie damit ihre Ehe. Ihr Mann wollte keine Kinder, aber junge Freundinnen in dichter Folge. Nun liegt er tot in einem Kofferraum, auch nicht schön. Überhaupt ist außer dem Wetter schön insgesamt anders als in diesem neuen und neunten MDR-„Tatort“ mit Simone Thomalla und Martin Wuttke.

Es geht um Druck im Beruf, um Alkoholsucht – inklusive aufklärender Hinweise für Betroffene und ihre Angehörige am Bildschirm –, um tragische Facetten der Familienplanung, um das Verfliegen von Liebesträumen und um die Krisen in der Mitte des Lebens. Die Atmosphäre ist teils aggressiv, teils schnippisch, dicht ist sie aber letztlich nicht.

Kathrin Bühlig (Buch) und Judith Kennel (Regie) tun sich schwer damit, die großen Themen, die hochkarätige Besetzung und die mühsam verkomplizierte und doch früh offenkundige Kriminalhandlung plausibel zusammenzubringen. Die Art, wie etwa Corinna Harfouch wieder aus der Handlung verschwindet – wenn man das so nennen darf –, und wie sie Susanne Bormann als Mandy, die letzte Geliebte des Gemordeten, mitnimmt, grenzt schon an dramaturgische Hilflosigkeit. Das Argument, dass das Leben auch keine anständige Dramaturgie hat, gilt sonntagabends nur eingeschränkt.

Und es ist wider Erwarten auch nicht die sowieso faszinierende, aber wie mit zu wenig Rolle versehene Harfouch, die diesen Film der Durchschnittlichkeit entreißt. Es ist vielmehr Martin Brambach als Mann der Trinkerin Moni (auch sehr überzeugend, völlig fixiert auf den Alkohol, selbst im Grunde nicht mehr vorhanden: Jule Böwe).

Sein Gesicht spiegelt die heillose Überforderung und Ausgelaugtheit eines Menschen wider, der sich nurmehr von Moment zu Moment hangelt. Nicht als Spießer, sondern als Vater – unter anderer einer armen bleichen Tochter – und Ehemann versucht er, die Fassade aufrechtzuerhalten. Hier wird die Theorie, die in „Schön ist anders“ reichhaltig auftritt, zur Praxis.

Dass Kommissar Keppler, dessen stillgelegter Alkoholismus im didaktischen Konzept eine Rolle spielt, auf Italienisch mit feschen Touristinnen kokettiert und seine Kollegin Saalfeld sich aufgeschickt mit einem blauäugigen Arzt verabredet, zeigt, dass beide noch längst nicht zum alten Eisen gehören. Es ist aber auch ein müderes Kapitel aus dem Wälzer: Das Privatleben der Ermittler.

Tatort: Schön ist anders, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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