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Talkshow Gesang, Geschwätz und Gaza

Die Talkshow "3 nach 9" war in ihrer langen Geschichte immer wieder für Aufregung gut. Diesmal besorgte Peter Scholl-Latour das Geschäft. Von Jan Söfjer

19.01.2009 00:01
Jan Söfjer
Von Beruf streitbarer Weltreporter und Welterklärter: Peter Scholl-Latour. Foto: ARD

Die Talkshow "3 nach 9" war in ihrer langen Geschichte immer mal wieder für Aufregung gut. Diesmal besorgte Peter Scholl-Latour das Geschäft. Ein Einspieler stellte den 84-jährigen Reporter als den "letzten großen Welterklärer" und "streitbaren Talkshowgast" vor. Das bewies er dann auch.

Es beginnt, als Giovanni di Lorenzo, der mit Amelie Fried die Sendung gemeinsam moderierte, Scholl-Latour bittet, die militärische Lage in Gaza zu beurteilen. Der warnt: "Die Runde ist hier zu fröhlich, als dass ich darüber gerne reden möchte." Vorher hatte Sopranistin Annette Dasch einen Auszug aus "Figaro" gesungen und mit "Ein Bett im Kornfeld" für Lagerfeuer-Stimmung gesorgt.

Scholl-Latour fängt dann aber doch an zu erzählen: Der Krieg sei eine Tragödie sowohl für die Palästinenser als auch für die Israelis. Die Angriffe seien Israels nicht würdig und sie "wissen gar nicht, was sie sich dort antun. Sie verlieren sehr viel Prestige."

Was der Haudegen, der in seinem langem Berufsleben so ziemlich jedes Krisen- und Kriegsgebiet der Erde besucht hat, wohl nicht weiß: In der Runde sitzt eine Vertreterin Israels. Melody Sucharewicz, 28, eine Deutsche israelischer Abstammung, mit 19 nach Israel ausgewandert, bekannt geworden als Siegerin der Casting-Show "The Ambassador" und deshalb für ein Jahr inoffizielle Botschafterin Israels. In einem Interview mit Jetzt.de, dem Jugendportal der Süddeutschen Zeitung, hatte sie 2006 gesagt: "Wir haben in diesem Medienkrieg bisher nicht genug performt." Bei "3 nach 9" zeigt sie, was sie damit meint.

Sucharewicz engagiere sich, so Moderatorin Fried, auch für Friedensprojekte, doch im Verlauf des Abends stellt die junge Frau den israelischen Militäreinsatz als legitim dar.

Scholl-Latour wird dann doch unruhig: Es sei "die Torheit der Leute, dass sie immer alles aus ihrer Perspektive sehen" - und überhaupt seien die Dinge komplizierter, als wir sie darstellen. Warum das Bild Israels dann so schlecht sei in der Öffentlichkeit?, fragt Fried. Sucharewicz: Die Medien, auch in Deutschland, "schweigen", wenn es Opfer in Israel gebe.

Scholl-Latour fordert Verhandlungen statt Krieg - Sucharewicz warnt vor einem Islam, der seine Finger nach der ganzen Welt ausstrecke. Doch irgendwann reicht es dem Alt-Reporter. Er sei es leid, "sich in dilettantischem Geschwätz zu erschöpfen". Er wird unwirsch, sieht sich gar in eine Falle gelockt, und glaubt, er werde als Hamas- und Araber-Vertreter gebrandmarkt.

Di Lorenzo schlichtet, Fried ist empört. Die anderen Gäste warten. Annett Louisan wird vorgestellt; im Einspieler singt sie: "Ich will doch nur spielen."

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