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Stefan Raab Mehr Meinung fürs Geld

Die Raabisierung des deutschen Fernsehens geht weiter: Nachdem Stefan Raab das Showfernsehen, den Eurovision Song Contest und die Wahlberichterstattung revolutioniert hat, will er nun gegen Günther Jauch antreten - mit einem eigenen Polit-Talk-Format.

09.09.2012 18:53
Klaudia Wick
Stefan Raab will mit einem eigenen Polit-Talk-Format antreten. Foto: dpa

Stefan Raab will Polittalker werden. Was viele für abwegig halten, sagt zunächst einmal nichts Gutes über das Genre des Polittalks: denn Stefan Raab ist ein televisionärer Lumpensammler. Was immer er bisher im Fernsehgeschäft aufklaubte und zu Geld machte, lag zuvor elend am Boden.

Beim Musiksender Viva machte er aus dem ritualisierten Anmoderieren von Musikvideos wieder eine echte „Vivasion“. Bei ProSieben holte er mit „TV Total“ die tägliche Late-Night-Show aus der Ecke des intellektuellen Vergnügens, in die Harald Schmidt sie manövriert hatte, zurück zum Massengeschmack der jungen Zielgruppe.

Mit der „Wok-WM“ zeigte der gelernte Metzger, wie man „Spiel ohne Grenzen“ neu denken konnte. Die Wahlberichterstattung renovierte er mit der Show „TV Total Bundestagswahl – Wir wählen schon heute“. Und mit „Schlag den Raab“ zeigte er, dass es noch etwas Aufregenderes im Showfernsehen gibt als „Wetten, dass...?“ Auch den Eurovision Song Contest hat der 45-Jährige mehrmals aufgemischt, bis hin zum Triumph mit Lena 2010 in Oslo.

Nun also nimmt sich Raab den Politiktalk vor, der seiner Meinung nach von der ARD „ins Koma“ gesendet wird. Er stelle sich der Herausforderung, „weil ich durchaus glaube, dass man die jungen Zielgruppen mit solchen Formaten wieder für Politik interessieren kann“, sagte Raab dem Magazin Der Spiegel. Die Formatidee, die ProSieben ab dem 11. November einmal monatlich am Sonntag gegen den ARD-Talker Günther Jauch platzieren will, folgt einem Wettbewerbsgedanken, wie er typisch für Raab ist: Fünf Diskutanten – Politiker und Bürger – treten nacheinander im Disput gegeneinander an. ProSieben-Politikchef Peter Limbourg ordnet das Gesagte nach jeder Runde ein, dann entscheiden die Zuschauer per Televoting, wer interessant genug war, auch noch in der nächsten Runde Gehör zu finden.

Der Sieger hat am Ende rein rechnerisch fünfzig Prozent aller Zuschauer auf seine Seite gezogen und wird mit 100.000 Euro belohnt. Die Show, die mit dem Populismus spielt, heißt „Absolute Mehrheit“ und im Untertitel: „Meinung muss sich wieder lohnen“. „Das Konzept, Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig“, kommentierte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann das Vorhaben. Doch Abwegiges zur Provokation und damit zur Unterhaltung zu machen, ist ja gerade die Spezialität des Lumpensammlers Raab.

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