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„Spiegel“ Steffen Klusmann löst „Spiegel“-Chefredakteur Brinkbäumer ab

Steffen Klusmann wird neuer Chefredakteur beim Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Der 52-Jährige löst Klaus Brinkbäumer ab.

Steffen Klusmann
Steffen Klusmann wird neuer „Spiegel“-Chefredakteur. Foto: dpa

Er ist angetreten, die Auflage zu stabilisieren. Klaus Brinkbäumer wurde Anfang 2015 Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“, im Fahrwasser eines Verkaufs-Plus von rund 13 Prozent, das der zeitgleich zu dem Wechsel auf dem Chefsessel gewechselte „Spiegel“-Erscheinungstag von Montag auf Samstag beförderte. „Dass der Samstag schon wegen der neuen Verkaufsstellen wie Bäckereien und Supermärkte ein guter Tag sein würde, hatten wir erwartet“, sagte Brinkbäumer vier Monate nach Dienstantritt im Marketing-Fachblatt „Horizont“ selbstsicher.

Im gleichen Interview setzte er sich zugleich selbst die Messlatte: „Ich hoffe, dass wir die Auflage auch über 2015 hinaus werden stabilisieren können. Und ich glaube auch daran – sonst wäre ich der Falsche in diesem Job.“ 

Als er diese Worte aussprach, hatte der „Spiegel“ noch eine Auflage von 822 761 verkauften Magazinen. Demgegenüber lag die Auflage im Vergleichsquartal II 2018 nur noch bei 704 656. Ebenso rückläufig sind auch die Anzeigenbuchungen. Im Jahr 2017 wurden bei Werbung und Vertrieb insgesamt rund elf Millionen Euro weniger erwirtschaftet als im Vorjahr.
In dreieinhalb Jahren wurde Brinkbäumer seinem eigenen Anspruch jedenfalls nicht gerecht. Auch nicht den Ansprüchen, die hausintern an ihn herangetragen worden sind? Am Mittwochmittag sickerte jedenfalls durch, dass Brinkbäumer seinen Posten räumen muss.

Keine allzu große Überraschung, berichtete doch schon im März dieses Jahres das „Hamburger Abendblatt“, das nur einen gemütlichen 15-Minuten-Fußweg weit von dem schmucken Spiegel-Haus in der teuren Hamburger Hafen-City entfernt liegt, dass man sich in dem Verlagshaus „Gedanken über die Nachfolge“ des 51-Jährigen mache.

Demnach sondierten die Geschäftsführer der Spiegel Mitarbeiter KG, der 50,5 Prozent der Verlagsanteile gehören, den Markt schon im Frühjahr nach geeigneten Kandidaten. Auch der zweitgrößte Gesellschafter, das Zeitschriftenhaus Gruner+Jahr, stünde laut „Hamburger Abendblatt“ einem Wechsel in der Chefredaktion nicht im Wege – sofern eine „überzeugende Nachfolgeregelung für Brinkbäumer“ gefunden werde. Bei der Besetzung von Führungspositionen muss laut Gesellschaftervertrag eine Mehrheit von 76 Prozent unter den Eigentümern erreicht werden. Die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein haben mit ihren 24 Prozent formell kein Mitspracherecht.

Verlagssprecherin Anja zum Hingst dementierte im Frühjahr hausinterne „Sondierungsgespräche“ zur Personalie Brinkbäumer. In der Pressemitteilung von Mittwochnachmittag wird der Führungswechsel ausschließlich mit dem Bemühen begründet, die Redaktionen von „Spiegel“ und „Spiegel online“ stärker miteinander zu verzahnen. Im Zuge dessen sei auch der Beschluss gefasst worden, „die Führungsstruktur in einer gemeinsamen ‚Spiegel’-Redaktion grundlegend zu verändern und insbesondere die Chefredaktion neu aufzustellen“.

Diese ist nun gleich dreifach aufgestellt: Brinkbäumers Erbe tritt der Chefredakteur des ebenfalls zur „Spiegel“-Gruppe gehörenden „Manager Magazins“ an, er führt den Titel „Vorsitzender“ der zwei weiteren Chefredakteure Ullrich Fichtner, bislang Reporter im „Spiegel“-Ressort Gesellschaft, und Barbara Hans, bislang Chefredakteurin von „Spiegel online“. Die „designierte Chefredaktion“ werde bis zum Start des gemeinsamen Betriebs im Januar 2019 an einer geeigneten Redaktionsstruktur arbeiten. 

Und Klaus Brinkbäumer? Der ließ den „Tagesspiegel“ nur wissen: „Diese Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen.“ Er stellte sich offenbar bei der geplanten Umstrukturierung quer, wie „Spiegel“-Geschäftsführer Thomas Haas mitteilen ließ: „Am Ende hatten wir unterschiedliche Auffassungen davon, wie die ‚Spiegel’-Redaktionen zusammenzuführen sind.“ Es würden Gespräche über eine neue Aufgabe beim „Spiegel“ geführt.

 

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