Lade Inhalte...

„Spiegel Online“ Die AfD als Platzhalter für...alles Mögliche

„Clickbaiting“ nennt sich die Strategie, die Neugier mit reißerischen Überschriften zu wecken. „Spiegel Online“ macht vor, wie es geht.

AfD Baden-Württemberg
Können sich Wähler der rechten Skandalpartei neuerdings Extra-Freiminuten als Treuebonus bei ihrem nationalen Handyanbieter erhoffen? Foto: dpa

„Nach dem Roaming-Aus drohen ‚AfD-Tarife‘“. Was verbirgt sich hinter dieser rätselhaften Artikel-Überschrift auf „Spiegel Online“? Geht es um einen betont nationalen Handyvertrag, den nur biodeutsche Ehepaare mit strohblonden Kindern abschließen dürfen? Können sich Wähler der rechten Skandalpartei neuerdings Extra-Freiminuten als Treuebonus erhoffen, während Grenzübertretern die Vertragskündigung droht?

Wer sich die Mühe macht, einen Blick in den Artikel vom 8.4. zu werfen, kommt zu dem Schluss, dass die Überschrift auf eine falsche Fährte führt. In der Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen steht die Abkürzung „AfD“ nämlich ausnahmsweise nicht für die Partei „Alternative für Deutschland“, sondern für sogenannte „Allein-für-Deutschland“-Tarife, mit denen einzelne Mobilfunkanbieter die Abschaffung der Roaming-Gebühren zu unterlaufen versuchen. Aber das Schlagwort „AfD“ ist eben ein zuverlässiger Klickmagnet – umso mehr, je weiter die Partei nach rechts außerhalb des demokratischen Diskurses rutscht.

„Clickbaiting“ nennt sich die journalistische Strategie, die Neugier mit reißerischen Überschriften zu wecken – ein Versprechen, das im Artikel nur zu oft nicht erfüllt werden kann. Nicht nur „Focus Online“ und „heftig.co“ verstehen sich auf kreative Cliffhanger und innovative Kombinationen von sachlicher Nachricht und emotionalem Effekt, auch „Spiegel Online“ hat sich merklich auf die Tendenz der Nutzer eingestellt, Artikel in den sozialen Netzwerken zu teilen, von denen sie lediglich die Überschrift gelesen haben.

Wo AfD draufsteht, ist nicht immer AfD drin

Wo AfD draufsteht, ist also nicht immer AfD drin bei „SPON“ – oder zumindest anders, als die Überschrift suggeriert. Neu ist diese Strategie nicht: Schon eine Kolumne von Spiegel-Erbe Jakob Augstein vom 8.9.2016 ist überschrieben mit „Wir brauchen eine Alternative für Deutschland“. Freilich fordert der Autor im Artikel dezidiert eine „demokratische“ und keine „rassistische“ Alternative – doch dieser Zusatz dürfte die Nutzer, die ihre Informationen nur aus Überschriften beziehen, nicht erreichen.

Wie zuverlässig sich das „AfD“-Schlagwort offenbar in den Klickstatistiken von „Spiegel Online“ wiederfindet, zeigt auch ein Tweet vom 19. März, beworben mit den eigentlich unverständlichen Worten „Fotostrecke: Die Alternative für Deutschland“. Was könnte der Nutzer dahinter anderes vermuten als ein Best-of der Hochglanzfotos aus dem AfD-Gruselkabinett, angefangen bei Eisprinzessin Frauke Petry und aufgehört bei Nachwuchs-Führer Björn Höcke? Reingefallen: Die Fotostrecke zeigt eine andere Alternative für Deutschland, nämlich die neue SPD unter dem frisch gekürten Parteichef Martin Schulz. Bei aller Liebe zur kreativen Assoziationsverknüpfung in den Schlagzeilen: Der Kanzlerkandidat und seine Parteikollegen könnten sich zu Recht darüber beschweren, mit einer Partei in Verbindung gebracht zu werden, die an der Grenze auf Flüchtlinge schießen lassen und den Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzen will.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum