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So kann es nicht gewesen sein

France 2 attackiert die ARD wegen der Dokumentation über den Tod eines Palästinenserjungen

20.04.2009 00:04
KATHARINA SPERBER

Ein Bild ging um die Welt: Mohammed al-Dura kauerte am 30. September 2000 mit seinem Vater hinter einem Betonfass an der Netzarim-Kreuzung südlich von Gaza-Stadt - sie versuchten sich vor Gewehrkugeln in Deckung zu bringen. Der französische TV-Sender France 2 sendete das Bild und suggerierte, der Junge sei während der zweiten Intifada von israelischen Soldaten erschossen worden. Seither wird die Filmsequenz nicht nur für islamistische Propaganda missbraucht, sie sorgt auch für Streit über das Verständnis von journalistischer Sorgfaltspflicht.

Jüngstes Kapitel in der Auseinandersetzung ist ein Brief von France 2 an den ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust, in dem der französische Sender droht, die Kooperation mit der deutschen Fernsehanstalt aufzukündigen. Anlass für den Brief ist der Film "Der Junge, der Tod und die Wahrheit" von Esther Schapira und Georg M. Hafner, Anfang März in der ARD ausgestrahlt. Die beiden Journalisten hatten bereits 2002 einen Film zu dem Fall gezeigt. Sie wiesen anhand vieler Indizien nach, dass der Junge nicht von Kugeln israelischer Soldaten getroffen worden sein kann. Ihre Sicht der Dinge hat inzwischen ein französisches Gericht bestätigt. Es gebe "gute Gründe, an der Echtheit des Films von France 2 zu zweifeln".

Charles Enderlin, Chefkorrespondent von France 2 im Nahen Osten, der den Film gemacht hatte, muss um sein Ansehen als Journalist fürchten und kämpft mit harten Bandagen. Er beschimpfte Schapira als "militante Journalistin" und hielt ihr vor, sich von rechten Kreisen in Israel vereinnahmen zu lassen. Die Reporterin nennt das "ein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit".

Die Wahrheit? Liegt im Dunkeln

Schapira, die in keinem der Filme behauptet hatte, dass der France-2-Film eine Fälschung sei, wie ihr von verschiedenen Medien immer wieder unterstellt wird, hat bislang nur berechtigte Zweifel an der Darstellung von Charles Enderlin öffentlich gemacht. "Mir geht es um das Recht auf Wahrheit und die Verantwortung von uns Journalisten", sagte sie jetzt der Frankfurter Rundschau. Dieses Bild, das um die Welt ging, tauge jedenfalls nicht als Ikonografie für den schrecklichen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, der Hunderte Kinder bereits das Leben gekostet hat. "Es taugt nicht dafür, weil es in Wirklichkeit nicht so gewesen sein kann", wie France 2 suggeriert habe.

Was aber am 30. September 2000 wirklich geschehen ist, liegt weiter im Dunkel.

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