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„Schneewittchen muss sterben“ Der Taunus wird zum Märchenwald

Mit „Schneewittchen muss sterben“ startet das ZDF noch eine weitere Krimireihe

24.02.2013 16:26
Torsten Wahl
Als Ermittler im Taunuskrimi: Felicitas Woll und Tim Bergmann. Foto: Martin Weis

Als der junge Mann aus dem Busfenster sieht, hat er eine seltsame Erscheinung: Schneewittchen huscht durch den Wald. In seinem Heimatdorf stößt der Zurückgekehrte (Vladimir Burlakov) auf Ablehnung. Der Mörder sei wieder da, heißt es im Gasthof „Zum Schwarzen Ross“, wo die Männer schon am helllichten Tag beim Bier sitzen.

Die erste Minute deutet an: Es wird mit Märchenfiguren gespielt, das Taunusdörfchen Altenhain erscheint wie ein Ort jenseits der Zeit. Als Buchreihe war dieses Konzept schon sehr erfolgreich. „Schneewittchen muss sterben“ war der erfolgreichste der „Taunuskrimis“ von Bestsellerautorin Nele Neuhaus, wurde allein in Deutschland fast eine Millionen Mal verkauft.

Das Dorf hat sich verschworen

Ob die Leser des Schneewittchen-Krimis mit diesem Film glücklich werden, ist allerdings fraglich. Autorin Henriette Piper hat ihr Drehbuch „nach Motiven“ des gleichnamigen Romans verfasst und nur einige Bausteine aus dem Buch herausgegriffen und zu einer ganz neuen, weit simpleren Story verschraubt. Leider baut sie genau auf jene Standardelemente, die aus Dutzenden anderer TV-Krimis allzu bekannt sind: Ein Mann kehrt zurück, um seine Unschuld zu beweisen, ein Dorf hat sich gegen ihn verschworen, lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht. Alles Spezielle des Romans dagegen scheint auf der Strecke geblieben zu sein.

Auch die Umsetzung kann nicht überzeugen. Regisseur Manfred Stelzer hatte schon in vielen norddeutschen Krimis bewiesen, wie er mit der Provinz spielen kann. Im Taunus aber wirkt er völlig fremd, findet nie zu seinem lakonischen Humor. Die Inszenierung wirkt unschlüssig, oft unplausibel, die Musikuntermalung uninspiriert. Einige Figuren agieren zwanghaft. So kostümiert sich die junge Kellnerin Amelie (Sarah Horvath) gern als Schneewittchen – um das Dorf zu provozieren.

Dabei war vor sieben Jahren nach einer Schulaufführung des Märchens die umschwärmte Hauptdarstellerin spurlos verschwunden und ihr Mitschüler Tobias als Täter verurteilt worden – jener Mann, der nun ins Dorf zurückgekehrt ist. Schauspielerisch noch am ergiebigsten ist die Beziehung der Fabrikantin Christine Terlinden (Ulrike Kriener) zu ihren Söhnen: Florian Bartholomäi spielt in einer Doppelrolle sowohl den geistig behinderten Thiess als auch den eloquenten Bruder Lars. Der eine spielte einst beim ominösen „Schneewittchen“-Märchen einen Zwerg, der andere den Jäger.

Ein blasses Ermittlerduo

Dagegen bleibt das Ermittlerduo blass, findet nicht recht zusammen, agiert nur nebeneinander her. Tim Bergmann spielt einen schroffen, schwer gestressten Familienvater, der schnell herumschreit. Seiner Kollegin Pia wurde von der Drehbuchautorin Piper noch ein TV-typisches Privatdrama aufgebürdet: Sie ist nur deshalb Kommissarin geworden, weil sie als Mädchen vergewaltigt worden war und nun im Beruf ihr Trauma aufarbeiten will.

Felicitas Woll spielt die Kommissarin als Frau, die diese Last mit Schnoddrigkeit zu übersielen versucht. Auffälliger ist ihr Outfit: Sie muss auf dem Land permanent Reiterhosen tragen. Der erste Auftritt dieses Kommissarduos weckt eigentlich nicht unbedingt Lust auf mehr. Doch das ZDF hat schon den zweiten „Taunuskrimi“ abgedreht. Autorin Nele Neuhaus hat derweil bereits den sechsten Roman vorgelegt: „Böser Wolf“.

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