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„Real News“ Donald Trumps Staatsfernsehen

US-Präsident Donald Trump tut etwas gegen die „Lügenpresse“. Er startet seine eigenen TV-Nachrichten und nennt sie „Real News“.

Donald Trump
Nachrichten nach Vorgabe des US-Präsidenten: „Real News“ startet in den USA. Foto: rtr

Die Szene könnte in einem Satirefilm auf das Staatsfernsehen in autoritären Staaten spielen: Vor einer blauen Werbetafel mit dem Namen des Regierungschefs und ein paar Sternchen sitzt eine Frau mit langen blonden Haaren und liest vom Teleprompter Erfolgsmeldungen des Potentaten ab. Das Video ist von erbärmlicher Qualität. „Das sind die wirklichen Nachrichten“, verabschiedet sich die Sprecherin am Ende bis zur nächsten Wochen-Rückschau der „Real News“.

Wochen-Rückschau der „Real News“

Doch die Propagandafilmchen, die von Millionen Amerikanern angeklickt werden, stammen nicht aus Nordkorea. Sie stehen auf der Facebook-Seite von Donald Trump. Jeden Sonntag lässt der US-Präsident dort neuerdings seine Heldentaten verkünden. Vor einer Woche machte Schwiegertochter Lara Trump als Moderatorin den Anfang. An diesem Wochenende war dann Kayleigh McEnany, eine konservative Ex-CNN-Kommentatorin, dran. „Es ist traurig, dass die Erfolge von Präsident Trump so gezeigt werden müssen. Die Fernsehsender sollten endlich ihre Arbeit machen“, kommentierte das ein Fan.

Tatsächlich eröffnete Lara Trump, die 34-jährige Ehefrau des Präsidenten-Sohnes Eric, ihren Clip gleich mit einem Angriff auf die „Lügenpresse“: „Ich wette, Ihr habt noch nicht gehört, was der Präsident diese Woche alles erreicht hat“, sagt die gelernte TV-Produzentin. Tatsächlich ist nichts von dem, was Lara Trump vorträgt, neu: Der Präsident hat sein Gehalt gespendet. Die Arbeitslosenquote ist auf den niedrigsten Stand seit 2001 gefallen. Und Trump hat die Polizisten, die die Attentäter des republikanischen Abgeordneten Steve Scalise überwältigten, ausgezeichnet.

Das alles konnte man in der Woche zuvor auch in der Zeitung lesen – und noch einiges mehr: Zum Beispiel, dass Schwägerin Ivanka Trump allen „America first“-Parolen zum Hohn ihre Kollektion in Asien fertigen lässt, die Gesundheitsreform Trumpcare desaströs scheiterte und Sprecher Sean Spicer aus dem Amt gedrängt wurde. Davon sagt Lara Trump nichts. Stattdessen ergänzt sie die Nachrichten mit: „Das ist ein Präsident, der Amerika vor sich selbst stellt. Ich bin so stolz auf ihn.“

Die „Real News“ erzählen nicht die ganze Wahrheit

Es stimmt: Trump hat sein Präsidentengehalt gespendet. Er dürfte jedoch ein Vielfaches durch die Verquickung seines Amts mit den Wirtschaftsinteressen seines Hotel- und Golfclubimperiums verdienen. Auch hat der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn tatsächlich angekündigt, ein Werk in Wisconsin zu eröffnen. Angelockt wurde er aber offenbar von staatlichen Steuergeschenken in Höhe von drei Milliarden Dollar.

Am Sonntag konnte man das Gefühl haben, einer Wiederholung der Erstausgabe mit alternativer Besetzung beizuwohnen. Kayleigh McEnany verlas erstaunlich aufgeregt drei angeblich tolle Nachrichten: Präsident Trump habe 800.000 neue Jobs geschaffen, Vietnam-Veteranen ausgezeichnet und ein neues Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht.

Über dessen Inhalt erfuhr man nichts, nur die Behauptung: „Über Jahrzehnte hat ein wachsender Zustrom von Ausländern die Gehälter der amerikanischen Arbeiter nach unten gedrückt. Präsident Trump setzt die amerikanischen Arbeiter wieder an erste Stelle.“ Tatsächlich braucht die amerikanische Wirtschaft dringend zugewanderte Arbeitskräfte, und der Gesetzesentwurf hat im Senat kaum eine Chance. Dass Trump in der chaotischsten Woche seiner Präsidentschaft seinen Stabschef und seinen Kommunikationsdirektor feuerte, erwähnten die „Real News“ nicht.

Sarkastisch fallen viele Reaktionen aus. „Der Teleprompter wird direkt aus dem Twitter-Konto des Präsidenten gefüttert“ lästerte etwa Late-Night-Talker Stephen Colbert. Die Trump-Fangemeinde sieht das freilich anders. „Die Linke jammert, dass der Präsident die sozialen Medien nutzt, weil sie nicht will, dass er zu uns durchdringt“, lobte ein Follower die Propaganda. Rund 2,3 Millionen Amerikaner haben die bizarre Wochenschau inzwischen angeschaut.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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