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Radiosender Main FM Ein Glied in der Kette

Nach viel Gerangel mit der Konkurrenz startet der französische Konzern NRJ den regionalen Radiosender Main FM unter neuem Namen: Energy Rhein-Main soll Wirtschaftsinformationen und aktuelle Hits bieten.

30.08.2010 17:34
Ulrike Simon
Hitlieferant Robby Williams bei den NRJ Music Awards im Januar in Cannes. Foto: dpa

Bald 20 Jahre ist es her, dass der französische Medienkonzern NRJ den Sprung auf den deutschen Hörfunkmarkt gewagt hat. 1991 startete Energy Berlin, hierzulande die Keimzelle einer Radiokette, die noch immer Lücken aufweist. An diesem Mittwoch hängt NRJ an diese Kette ein weiteres Glied. Der einst als FAZ Business Radio gestartete und zuletzt als Main FM vor sich hin dümpelnde Frankfurter Sender startet an diesem Mittwoch einen neuen Anlauf unter dem Namen Energy Rhein-Main. Als Moderatoren für die im Radiogeschäft wichtigste Sendung am Morgen hat Energy Friso Richter, zuletzt HR3, und Nina Fröhler, zuletzt bei Primavera in Aschaffenburg, engagiert. „Hit Music & News“ lautet das Sendermotto – anders als bei den übrigen sieben Energy-Sendern: Dort heißt es schlicht „Hit Music Only“. Der kleine Unterschied hat einen triftigen Grund, lautet die Lizenzvorgabe doch, der Sender sei als wirtschaftsorientierter Spartensender mit hohem Wortanteil zu führen.

Wirtschaftsinformationen gemixt mit aktuellen Hits, so umschreibt Senderchef Tom Adams das Programm: „Stündlich senden wir Wirtschaftsnews, täglich ein einstündiges Reportagemagazin, zudem können sich neue Bands aus Rhein-Main in der dreistündigen Sendung ‚Band Lessons‘ vorstellen“, sagt Adams. Die Wirtschaftsberichterstattung wird jedoch anders verstanden als gemeinhin üblich. Weniger die Schließung eines Kohlebergwerks wird Thema sein als etwa „das neue iPhone und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft“, sagt Christophe Montague, der bei der NRJ Group für alle Länder außerhalb Frankreichs zuständig ist. Mit diesem Mix hofft Montague, die Zahl der Hörer pro Stunde von derzeit gerade einmal 13?000 binnen drei Jahre auf mindestens 45?000, möglichst 60?000 zu erhöhen.

Besonders werde Energy dadurch, dass er sich vor allem mit der Region Rhein-Main beschäftige, anders als die landesweiten Sender Radio FFH und der Hessische Rundfunk. Und damit zu dem, was Montague ein „merkwürdiges Gebaren“ nennt und auch Außenstehende als zumindest irritierendes Verhalten der Energy-Konkurrenten empfinden: Es fing damit an, dass FFH im April in einer Pressemitteilung ankündige, nun doch nicht Gesellschafter von Main FM zu werden. Weiter hieß es in der Mitteilung: „Dem Vernehmen nach will der französische Lagardere-Konzern jetzt mit der ebenfalls französischen NRJ-Radiogruppe kooperieren, die zahlreiche Musiksender in Frankreich und in anderen Ländern betreibt.“ Das sei, sagt Montague, als hätte „Bayern München den Transfer von Ronaldo zu Real Madrid verkündet“.

In der Folge setzte sich FFH „offensichtlich in Abstimmung mit dem Hessischen Rundfunk“, so sagt jedenfalls Montague, dafür ein, im Rahmen des neuen hessische Privatrundfunkgesetzes die Lizenzvorgaben von Main FM/Energy Rhein-Main zu verschärfen. Vergangene Woche schließlich waren zwei Webseiten freigeschaltet, die unter den Adressen www.energy-rhein.de und www.energy-main.de zum Webauftritt des FFH-Senders Planet Radio verlinken. Von „Pille-Palle“ über „Kindergarten-Niveau“ bis „so etwas passiert sonst nur in ostasiatischen Ländern“ lauten Montagues Kommentare zum Gebaren von FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth. Die korrekte Webadresse lautet übrigens www.energy.de/rhein-main.

Der Frankfurter Sender ist die achte Energy-Station in Deutschland. Außer in Frankfurt und Berlin sitzen sie in Bremen, Stuttgart, München, Hamburg und Nürnberg sowie in Sachsen. In den nächsten Monaten sollen eine Station in Rheinland-Pfalz und mittelfristig weitere in Hannover, Köln/Düsseldorf und Essen hinzukommen. Das Ziel ist eine Radiokette mit konsistenter Hörerschaft von Großstädtern um die 30 Jahre. Doch sind es nicht gerade sie, die Musikstreams oder MP-3-Spieler dem Radio vorziehen?

Überraschenderweise sei genau das falsch, sagt Montague. Natürlich müsse das Programm mit sozialen Netzwerken wie Facebook verknüpft und müssten mit Veranstaltungen wie „Energy in the Park“ oder den „Energy Music Awards“ Markenwelten geschaffen werden. Wichtig sei aber vor allem, Radio im Zeitalter des Internet anders zu positionieren: „Inhalte werden immer wichtiger, der Musikanteil verringert sich.“

Selbstkritisch sagt Montague: „Da haben wir in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt bei Energy Berlin und speziell bei den Morningshows, Fehler gemacht.“ Es sei wichtiger geworden, Geld in Inhalte zu investieren. In der Vorbereitungsphase von Energy Rhein-Main habe NRJ umfassend Marktforschung betrieben und „wahrscheinlich noch bei keinem anderen Senderstart zuvor so viel Geld investiert wie in das Programm, die Inhalte und die Technik des Senders in Frankfurt“, sagt Montague.

Die NRJ Group verspricht sich viel vom deutschsprachigen Markt. Immerhin sind vor allem dank des Zuwachses in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Umsätze von NRJ International im ersten Halbjahr 2010 auf 17?Millionen Euro angestiegen.

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